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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-15 · 3 (15.2.1928) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
3 (15.2.1928)
Article
Dybuk
Date
1928-02-15
Page
Seite 39 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 39 vybuk Nach der Habima-Aufführung mag eine Nacherzählung des Dramas „Dybuk" willkommen sein. Wer An-Skis Drama gelesen hat, wird finden, daß in dem Folgenden nichts hinzu- und hineingedichtet wurde. Jedes Wort ist durch das Drama belegt. Sender und Nissan haben zusammen an einer Ieschibah gelernt und Freundschaft geschloffen. Junge Ehemänner, haben sie sich noch einmal im Hause des gemeinsamen Lehrers getroffen. Dort haben sie ihre Iungendfreundschaft durch ein Versprechen besiegelt: Wenn einem von ihnen ein Sohn geboren werden sollte und dem andern eine Tochter, so sollten die Beiden einst ein Paar werden. Nissan, sein Lebtag ein armer Mann, ging in ferne Länder um sein Brot zu verdienen. Er hatte noch die Freude seinen einzigen Sohn Chanan zu einem feinen lernbegierigen Jüngling heranwachsen zu sehen. Aber er starb, noch ehe er seinem Sohn von jenem Versprechen erzählt hatte. Dem Sender erging es besser. Er wohnte in Brinitz als reicher Mann. Sein einziges Kind, Leah, wuchs nach dem frühen Tod ihrer Mutter unter der Obhut einer treuen Dienerin zur schönen Jungfrau heran. Sender denkt daran, sie zu verheiraten. Um diese Zeit kommt Chanan, als armer Talmudjünger, nach Brinitz, um dort an der Ieschibah zu lernen. Der Ruf eines wissensreichen, fleißigen Bachurs begleitet ihn. Wie viele andere arme Schüler, ißt er oftmals am Tisch des reichen Sender. Dort sieht er dessen Tochter Leah und unausgesprochen keimt in Beiden die Liebe zu einander auf. Aber was ist ihnen die Liebe? Sie ist nutzlos. Denn Liebe und gar Heirat aus Liebe, das ist in dieser Umgebung etwas Fremdes, ja Unziemliches. Chanan schweigt. . Dem Sender selbst ist der Jüngling unheimlich. Eine gewisse Ähnlichkeit erinnert ihn an seinen Jugendfreund Nissan und damit an sein altes Versprechen. Aber sein Wunsch, Leah einem reichen Mann zu geben, hindert ihn, Chanan nach seiner Herkunft zu fragen. Sein Gewissen beruhigt er, indem er sich sagt, es sei ja Sache des Mannes, sein Weib zu suchen. „Wenn Nissan einen Sohn hat, wird er ihn schicken." Von Nissan und seinen Schicksalen aber hat er niemals mehr etwas gehört. So ist Sender schließlich froh, als Chanan Brinitz den Rücken kehrt. Was Chanan weggetrieben hat, ist die Furcht vor der Sünde. Was anders soll ihm eine Liebe sein zu einem Mädchen, das ihm nicht gehören wird! Und Leah? Sie liebt, schlicht, kindlich. Aber ihr Schicksal, das weiß sie, gehört nicht ihr. Für sie sorgt der Vater. So ist sie traurig und doch — willig, gehorsam. Im Stillen hofft sie. Eine Zeit bricht nun für Chanan an, bezeichnend für ihn und für die GeifteSwelt, der er gehört. Er kann Leah nicht vergessen. Der Talmud, sein Buch, verbietet ihm die Sehnsucht nach dem fremden Weibe. Er ringt mit sich und möchte vergessen. Es gelingt ihm nicht. Er ringt mit sich, er fastet und betet. Leahs Bild verläßt ihn nicht. Was ist das, dieses Gefühl? Warum hilft Gott nicht? Da zuckt in dem Zerquälten ein 'Gedanke auf, neu für den Sohn des Talmud, den Bachur aus Litauen, den strengen Denker: Diese Gewalt, die ihn gegen seinen Willen in ihren Bann reißt, die kann nur übersinnlich, mystisch sein. Jenes Gefühl, das ihn gepackt hat, das ist des Teufels Werk. Samael, der Böse, hat ihn gefaßt. „Aber ich reiße mich aus dem Banne des Teufels!" Wieder Fasten, wieder Kasteiungen, bis alles Niedrige die Macht über ihn verliere, bis die Qual ihm Natur, bis selbst Essen und Schlaf ihm fremd und feind wird. Und dennoch — Leahs Bild verläßt ihn nicht. Da überkommt's urplötzlich den Zermarterten: „Siehe, ich liebe ja nicht jenes Gesicht, jenen Körper. Längst ist alles Erdengefühl mir fremd. Ich liebe ja ihre Seele. Ja, so ist es, ihre Seele liebe ich. Meine Seele sucht ihre Seele. Das ist nicht mehr die Liebe der Gier, die der Talmud verpönt. Ha, jetzt ist des Teufels Werk gebannt, nein, jetzt ist in des Teufels Werk der heilige Funke gefunden, der selbst im Teufelswerk, ja der im Teufel selber irgendwo sich verbirgt:" Der große, neue Gedanke hat ihn erfaßt; nun faßt er ihn, den Gedanken, formt ihn erringt ihn: „Die Liebe ist nicht böse, sie muß nur geläutert sein von den Schlacken irdischer Scholle. O, diese Liebe ist mir ja gar nicht fremd, wie kommt es, daß ich sie nicht sah? Groß steht sie da im hohen Lied der Seelen, — im Hohenlied: ,Schön bist du, meine Geliebte, schön bist du ja...'". „Wo bin ich? Wo stehe ich? Weit unter mir das Meer des Talmud. Mitten in den Sonnen stehe ich, hoch, hoch; schaue ich hinein hinter den Vorhang dort oben, wo Gottes Geheimnisse schimmern? Da ist Rabbi Akiba, der hineinsah in die Himmel, da sind sie alle, die Zaddikim, die Herren der Kabbala, die vordrangen in des Schöpfers Reich. Ben Asai fand den Tod, als er in Gottes Werkstatt blickte? Wer weiß, welche Schlacke ihn niederzog? Ich, ich habe das heilige Feuer gesehen, das von allen Schlacken befreit." Und die Geheimniswelt der Kabbala tut sich auf. Wer ihren Schlüssel hat, was könnte unerreichbar bleiben? Und die Geheimniswelt der Kabbala erfaßt ihn, zieht ihn in ihr magisches Spiel. Seinen Namen findet er durch magisches Zahlenspiel verbunden mit dem Namen der Geliebten; in beiden Namen verschlungen das Wort „Emeth", Wahrheit. Und Fr age und Antwortsp i e! aus der Februar-Nummer des 1 Was sind Marranen 2 ln welchem Jahre erfolgte die Vertreibung der Juden aus Spanien_^ 3 Seit wann gibt es Juden in Deutschland 4 Was ist die „Altneuschul"_ 5 Was bedeuten die Bezeichnungen Sephardim und Aschkenasim_ 6 Wer waren die Chasaren _ 7 Was ist die Mesa-lnschrift_ 8 WelchesLandbezeichnetmanalsTransjordanien 9 Wer war der letzte König von Judäa_ 10 Wo lag das biblische Tarschisch Können Sie diese Fragen und noch 10 weitere beantworten? Wollen Sie nicht doch für Ihre Kinder „Das Zelt" bei der Post bestellen! Nur RM. 1.20

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