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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-01 · 2 (1.2.1928) · p. Seite 25

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
2 (1.2.1928)
Article
Die Weltreligionen und das Judentum
Date
1928-02-01
Page
Seite 25 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 25 auf Erden gefunden hat, hat nicht dazu beigetragen, die Einigung Gottes mit Israel zu vollziehen. Der Buddhismus ist keine Religion, sondern ein religiöser Kult, verbunden mit einer beinahe atheistischen Philosophie. Die jüdische Auffassung ist eine genau umgekehrte. Zwischen Judentum und Islam finden sich mehrere Übereinstimmungen. Mohammed trat ziemlich genau 1200 Jahre nach Buddha auf. Vor Mohammed war ein ziemlich ausgebreiteter aber wenig entschiedener Götzenglauben herrschend. Mohammed trat in einem Zeitpunkt religiöser Lethargie auf. In Mekka waren die sozialen Unterschiede sehr kraß, was von Mohammed, der aus sehr armem Hause stammte, stark empfunden wurde. Mohammed, der an epilepsieähnlichen Anfällen litt und deshalb als besessen galt, führte aber entgegen den bisherigen Anschauungen sein Leiden nicht auf die Dämonen, sondern auf Allah zurück. Cr kommt von den Dämonen und dem strafenden Gott auf den barmherzigen Gott. Dies ist die Stunde der Entstehung des Islams. Mohammed sammelt zunächst die armen Schichten um sich und verlangte gewisse soziale Reformen. Mohammed verlandt einen ganz reinen Monotheismus, einen ganz unkörperlichen Gott. Im übrigen ist er synkretistisch und nimmt alles auf, was nicht diesem Grunddogma entspricht. Er nimmt heidnische, jüdische und christliche Momente auf. In dem Koran sind viele Stellen der jüdischen Literatur entnommen. Abraham Geiger hat darüber geschrieben. So übernimmt er die Geschichte von Sodam und Gomorrah, indem er sie entsprechend auf Mekka überträgt. Bezeichnend für Mohammed ist, daß er das Strafgericht, das nicht von selbst kommt, selbst zur Aufführung bringt. Die Karräer haben den Versuch unternommen, Teile des Islams aufzunehmen. Hier entspannen sich harte Kämpfe. Die zweite große Begegnung, die Islam und Judentum haben, findet sich im System des Maimonides. Maimonides setzt sich gleichzeitig auch mit dem Hellenismus auseinander und vollzieht so die Aufgabe des Judentums, sich jeder großen geistigen Macht zu stellen. Der grundsätzliche Kernpunkt der Auseinandersetzung ist die Frage der Ewigkeit der Welt. Maimonides verneint die Frage der Ewigkeit und lehrt die Erschaffung der Welt. Das prinzipiell Wichtigste ist aber vielleicht das bedingungslose Bekenntnis zur Wahrheit, denn Maimonides sagt, wenn Aristoteles bewiesen hätte, daß die Welt seit Ewigkeit bestünde, so wäre dies anzuerkennen. Der Islam kennt auch Halacha. Auch er macht Anspruch, das ganze Leben des Menschen zu regeln. Er hat auch ein Speisegesetz. Doch sind die Speisegesetze gegenüber den jüdischen wesentlich erleichtert. Nach Ansicht Mohammeds sind die Juden mit den Speisegesetzen bestraft worden. Auch die Beschneidung findet sich bei Mohammed. Das Weinverbot kommt erst später, wohl aus sozialen Gründen. Der Ramadan ist eine den Juden in vielem verwandte Angelegenheit. Man könnte ihn als eine Monat Jom Kippur bezeichnen; allerdings in einer merkwürdigen Mischung von Askese und Ekstase. Der Freitag, der heilige Tag der Mohammedaner, kennt kein Arbeitsverbot. Im ganzen Islam ist das Arabische die Gebetssprache, wie in der jüdischen Religion das Hebräische. Der Islam leugnet die Willensfreiheit, was allerdings nicht unbestritten ist. Mohammed jedoch hat die Willensfreiheit geleugnet. Dem naturgemäß ist das Judentum grundsätzlich entgegengesetzt. Nach dem Gesetz ist alles vom Himmel, nur nicht die Gottesfurcht! Der Buddhismus geht den Weg der christlichen Askese zu Ende, der Islam den entgegengesetzten Weg. Das Judentum ist in einer lebendigen Mitte, in dem alle diese geistigen Dinge ringen um eine lebendige Wirklichkeit. ' S. Nationen und Religionen im heutigen Palästina Von Pfarrer A. Kaufmann Im Rahmen der Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde sprach Herr Pfarrer Kaufmann, Weinheim, über „Nationen und Religionen im heutigen Palästina und ihre Beziehungen zueinander". Der Redner weilte selbst mehrmals und längere Zeit im heiligen Land und war daher imstande, ein fesselndes Bild von seinen verschiedenen Problemen und seiner imposanten Entwicklung durch die jüdische Aufbauarbeit zu geben. So kam er besonders, nach einleitenden Worten, auf die wirtschaftlich-zivilisatorischen Verhältnisse zu sprechen und konnte dabei aus iWrZellan- C$oäenfEalPorzellan. Wiederlage 'Jn&.ZKarl (fixm das schon Erreichte Hinweisen: wie die Verbesserung der sanitären Verhältnisse, die Ausrodung der Sümpfe, die Fruchtbarmachung von Ödland — glaubte jedoch eine noch verheißungsvollere Zukunft Voraussagen zu können, sobald das Ruthenberg-Projekt (Elektrifizierung), die chemische Ausbeutung des Toten Meeres, die Palästina zum größten Kali-Exportland der Welt machen würde, und die künstlichen Bewässerungsanlagen in Angriff genommen wären. England sei, gerade auch dafür, ein Glück für Palästina, denn seine weltpolitischen Interessen, vor allem der Weg nach Indien und der Schutz des Suezkanals, machen das heilige Land zu einem sehr wichtigen Gebiet. Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung der europäischen Einflüsse in Palästina kam Herr Pfarrer Kaufmann auf die verschiedenen Gruppen der Bevölkerung zu sprechen. Obwohl in dem Rassen- und Religionsgemisch erstaunliche Eintracht herrscht, ist doch auch hier, wie in ganz Asien, der erwachende Nationalismus schon zu spüren, besonders bei den Arabern. Unter dieser Gruppe ist der Islam fast allgemein verbreitet. Dadurch ist auch gerade hier dessen augenblickliche Krise deutlich wahrnehmbar: Entgegen dem angeborenen Fatalismus macht sich eine neue Aktivität bemerkbar (Türkei!), ein neues Selbstbewußtsein (Drang nach Schulbildung!) und vor allem ein sehr starker Nationalismus, der bereits das nationale über das religiöse Moment zu stellen droht. Besonders stark ist letzterer übrigens auch bei den christlichen Arabern. Segensreiche Arbeit leisten die württembergischen Templer; ihr deutsches kulturelles Leben ist völlig unangefochten. Die Christen sind im heiligen Land sehr gespalten: es gibt nicht weniger als sechzehn Gemeinschaften. Jedoch wird auch von dieser Seite aus besonders starke karitative Arbeit geleistet. Eingehend besprach dann der Redner das jüdische Leben. Hauptzentrum ist bekanntlich Tel-Awiw, wo alle Berufe vertreten sind. In dieser vollkommen jüdischen Stadt (vom Bürgermeister bis zum Straßenkehrer) leben etwa 40 000 Menschen: Handwerker, Händler, Gelehrte. Wo früher ödes Land war, blüht eine große Stadt — eine Leistung, die in ihrer Größe ans Wunderbare grenzt. Auch die kleine Restgemeinde der Samaritaner wurde erwähnt.

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