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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-01 · 2 (1.2.1928) · p. Seite 20

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
2 (1.2.1928)
Article
Warum und wie führen wir die jüdische Frau zur Landwirtschaft?
Date
1928-02-01
Page
Seite 20 (sequence 2)
Language
German
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20 Bayerisch« Israelitische Gcmeindezeitung Nr. 2 richt im Garten und im Geflügelhof, wenn wir die jungen Mädchen auf das Land oder in die Kleinstadt ziehen wollen. Selbstredend ist die Arbeit im Garten und im Geflügelhof in noch größerem Maße dazu geeignet, die jungen Mädchen innerlich mit dem Landleben und mit der Natur zu verbinden als die Tätigkeit im Haus. Es berührt einen merkwürdig, wenn z. B. nicht mehr ganz junge Mädchen der gebildeten Schicht unter den Schülerinnen sind, die täglich ihre Freude darüber ausdrücken, einmal ein volles Jahr ihres Lebens die Natur beobachten zu können, die sie bisher nur aus dem Sommeraufenthalt in den großen Ferien kennengelernt hatten. Die jungen Mädchen beobachten nicht nur, wie im Garten förmlich unter ihren eigenen Händen die Pflanzen werden, blühen und Früchte tragen, sondern verfolgen auch auf ihren Spaziergängen das Wachsen des Getreides, der Wiesen und der Felder. Doch auch darüber hinaus haben sie größtenteils erstmalig in ihrem jungen Leben Gelegenheit, große Naturbeobachtungen insbesondere beim frühen Aufftehen am Morgen, beim Spaziergang an klaren Abenden und bei vielen anderen schönen Momenten zu erleben. Es ist kein Zweifel, daß diese Erlebnisse im entwicklungsfähigen Alter, in dem die jungen Mädchen eine derartige Schule besuchen, so tiefe Wurzeln schlagen, daß sie für ihr späteres Leben von einflußreichster Bedeutung sind. Die harmonischen, schönen Bilder der Natur wandern mit hinaus oder hinein in das Getriebe der Großstadt und sind stark genug, die jungen Menschen, die das einmal empfinden durften, immer wieder hinaus auf das Land zu ziehen, wo sie auch eine innere Ruhe gewannen, die ihnen die Großstadt nicht so leicht gibt und die doch notwendig ist, um eine starke Persönlichkeit zu bilden. Diese Kräfte werden natürlich nicht nur im Garten geweckt, sondern bei den verschiedensten Gelegenheiten, die das Frauenschuljahr im reichsten Maße bietet. So ist auch von großer erzieherischer Bedeutung die Beschäftigung mit der Tierhaltung und der Tierpflege. In fast noch größerem Umfang als im Garten kommen hier die jungen Mädchen mit der Natur in Verbindung und müssen sie hüten und pflegen. Es zeigt sich meistens schon bald, daß diese Beschäftigung den jungen Mädchen eigentlich von Natur aus liegt, denn sie haben schon nach kurzem Aufenthalt in der Schule ein großes Interesse und lebhafte Freude, wenn z. B. im Geflügelhof der Tag gekommen ist, an dem die jungen Tierchen aus dem Ei schlüpfen, die sie dann alle mit lebhafter Begeisterung und großer Freude aufziehen möchten. Da wir die Aufzucht nach den neuesten Zuchtmethoden vornehmen, kommen sie auch hier wieder in engste Verbindung mit Naturwissenschaft und Technik. Auf diese Weise wird ihnen die kleinste Arbeit interessant. Die wissenschaftliche und technische Erkenntnis zeigen ihnen deutlich, daß die Arbeit und das Leben auf dem Lande heute in keiner Weife mehr die physischen Kräfte der Frau in so starkem Maße beanspruchen, wie es in früheren Zeiten der Fall war, sondern daß ihr wirtschaftliches Vorwärtskommen in der Arbeit darin begründet liegt, ob ihre Tätigkeit durch Kopfarbeit vollständig vorbereitet und durchdacht gewesen ist. Dieses Moment kommt vielleicht als beachtenswertestes zu den gesundheitlichen und seelischen. Interessen hinzu, die imstande wären, die jungen Menschen für längere Dauer auf das Land zu bringen. Es war sicher früher von abschreckender Wirkung, wenn junge Mädchen beobachtet haben, daß es die Landfrauen so verhältnismäßig schwer gegenüber den Stadtfrauen gehabt haben. Wenn es heute gelingt, den jungen Mädchen zu zeigen, daß durch den ständigen Fortschritt der Technik große Erleichterungen in der Arbeit der Landfrauen möglich sind, und daß sie durch den wissenschaftlichen Fortschritt große Möglichkeiten haben, selbst Neuerscheinungen, die wieder Fortschritt bringen, zu durchdenken, so wird das auch gerade für die jüdischen jungen Mädchen ausschlaggebend sein, auf das Land zu ziehen, das sie während ihrer Ausbildungszeit schätzen und lieben gelernt haben. Sie werden so tüchtige Landfrauen werden und sind als Stütze des Mannes im landwirtschaftlichen Betrieb von wesentlicher, ja entscheidender Bedeutung. Aber auch diejenigen Mädchen, die nach ihrer Ausbildung in die Städte gehen, nehmen eine seelische und körperliche Erfrischung mit, die segensreich weiter wirken wird. So hoffen wir, daß wir durch die Gründung der wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande wesentlich dazu beitragen können, jüdische Frauen mit der Natur und dem Lande zu verbinden und ihnen durch die Berührung mit der Natur körperlich und seelisch die Möglichkeit zu geben, starke und tüchtige Persönlichkeiten zum Wohle des Judentums zu werden. Neue Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Die Büroräume der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, soweit sie sich bisher in Berlin C 2, Rosenstraße 2/4, befanden, sind am 1. Januar 1928 nach Berlin N 24, Oranienburger Straße 69/11, verlegt worden. Fernsprecher Amt Norden 12 7 70. Die Geschäftsstellen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände sowie der Arbeitsgemeinschaften für Jüdische Tuberkulosefürsorge und Jüdische Gefährdetenfürsorge sind ebenfalls nach Berlin N 24, Oranienburger Straße 69/11, verlegt worden. Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege Der neue Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege, der einen Überblick über sämtliche Anstalten wie Krankenhäuser, Altersheime, Waisenhäuser, Kindergärten, Kinderhorte usw., ferner Jugendpflegeeinrichtungen, Wohlfahrtsvereine und Organisationen in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands geben soll, wird jetzt in Druck gegeben. Leider fehlen noch immer von einer ganzen Anzahl von Wohlfahrtseinrichtungen die notwendigen Angaben (ausgefüllte Fragebogen, Satzungen, Berichte usw.) Da es im größten Interesse der jüdischen Öffentlichkeit liegt, daß der Führer vollständig und mit den neuesten Angaben erscheint, bittet die Zentralwohlfahrtsstelle der deuschen Juden Berlin N 24, Oranienburger Straße 69, dringend um umgehende Übersendung oder Ergänzung des Materials. Tanz-Unterricht Lasskorn Pettenbeckstraße 5 am Rosentai rosa heinzmann gesch. Fernsprecher 296487 4 Abende je 2std. Faschings-Schnellkurse rm. 12.—/ Einzelslunden Jederzeit / ki. Zirkel V. rm. 3.- an Leiterin des Institut bis heute unerreichte Pädagogin / Auskunft u.Anmeldung täglich ab 10 Uhr morgens (auch Sonntags)

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