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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-12-13 · 12 (13.12.1927) · p. Seite 360

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
12 (13.12.1927)
Article
Alter Geist und neue Form
Date
1927-12-13
Page
Seite 360 (sequence 4)
Language
German
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360 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Jahrzeittafeln in der Würzburger Seminarsynagoge ztt '-n^TC «52 gelaffen werden können, um so an den einzelnen Tagen des Monats jeweils in der Höhe der Namen der Verstorbenen eingestellt zu werden (siehe Abbildung). Bemühungen der früheren Kämpfer und der jetzigen Berufsorganisation, verkörpert im Allgemeinen Deutschen Kantorenverband, vorzugsweise nach einer Richtung hin von dem erstrebten Erfolg gekrönt waren. Zu weitaus überwiegendem Teil machen nunmehr die jüdischen Gemeinden die Anstellung eines Kantors abhängig von der Beibringung eines Qualifikationsnachweises nicht nur aus dem Gebiete der kantoralen Disziplinen, sondern auch aus dem einer erworbenen allgemeinen Bildung durch Absolvierung eines Lehrerseminars. Dieser Erfolg hat uns aber nicht blind gemacht gegen die unzureichende seminaristische kantorale Ausbildung. Schon vor zwanzig Jahren wies ich in der Allgemeinen Zeitung des Judentums darauf hin, wie von Jahr zu Jahr sich die Klagen mehren über einen fühlbaren Mangel an seminaristisch gebildeten, zugleich aber auch tüchtigen, wohlgeschulten Vorbetern. Auf Grund eigener Erfahrungen und vielfach anderweitig gemachter Beobachtungen mußte ich für die kantorale Ausbildung eine durchgreifende Reform fordern, sowohl im Hinblick auf die methodische Anordnung, Darreichung und Verarbeitung des Lehrstoffes, als auch bezüglich einer den praktischen Anforderungen besser entsprechenden Feststellung des Lehrzieles. Für die Weckung und Pflege des Tonsinns, für die rationelle Entwicklung und Vervollkommnung der Singftimme, desjenigen Instruments, mit dessen Beschaffenheit, Behandlung und Widerstandskraft die Existenzbedingungen des zukünftigen Kantors unlösbar verknüpft sind, dazu fehlte es im Seminar an der verfügbaren Zeit, noch mehr aber an geschulten Stimmbildnern. Unsere immer wiederkehrende Forderung, dem ftimmbegabten Seminaristen, der Luft und Liebe für den Kantorenberuf an den Tag legt, der die Lehrerbildungsanstalt mit Erfolg absolviert hat, die Möglichkeit zu bieten, zunächst noch ein weiteres Jahr in einer Anstalt, die lediglich Kantorenausbildung bezweckt, sein bereits erlangtes Wissen und Können zu ergänzen und zu vervollkommnen, fand bei den maßgebenden Instanzen kein Gehör. Durch diesen Raum hat Würzburg, das schon das Schmuckkästchen der Kirchheimer Synagoge im Luitpold-Museum und die von der Familie Seligberger gestiftete, aus' einer altfränkischen Synagoge stammende Wochentagschul (die „Mazzeftube") besitzt, eine neue als -Kunstwerk außerordentlich beachtenswerte Synagoge erhalten, in der, wie wir meinen, beste moderne Baugesinnung sich mit dem Geist des guten Alten verbunden hat; die in Würzburg Heranwachsenden Lehrergeneration kann und soll in diesem „Mikdosch meat" nicht nur andächtig beten, sondern auch ihren Geschmack bilden. Kantor und Lehrer Von Emanuel Kirschner, 1. Kantor und Lehrer a. D. Schon seit Jahrzehnten'bemühen sich einsichtsvolle, führende Kantoren um die geistige, künstlerische, soziale und wirtschaftliche Hebung des Kantorenftandes. Ältere Berufsgenossen werden sich sehr wohl jener Zeit noch erinnern, in der dem Scholiach zibbur, dem Hauptträger der gottesdienstlichen Funktionen, die entwürdigende Bezeichnung eines „Meschubod" anhaftete. Wenn diese Zeit der Vergangenheit angehört, wenn in deutschen Landen der Kantor jetzt zumeist Achtung und Ansehen genießt, dann ist dieser Wandel nicht zuletzt dem Umstande zuzuschreiben, daß die Trotzdem kann und darf nicht bestritten werden, daß durch zielbewußte, private Fortbildung eine recht stattliche Anzahl seminaristisch gebildeter Kantoren jenen Grad künstlerischer Schulung sich erworben hat, der sie befähigt, auch den Anforderungen einer anspruchsvollen Gemeinde Genüge zu leisten. Ob sie nun das Amt eines Nurkantors oder eines Kantors im Hauptberuf bekleiden, in jedem Fall war der Nachweis eines geordneten Studienganges zu erbringen. In neuerer Zeit jedoch mehren sich die Fälle, in denen von diesem Usus, um dessen Herbeiführung wir jahrzehntelang gekämpft haben, abgewichen wird. Gegen solche rückfälligen Erscheinungen erhob Kollege Kornitzer (Hamburg) in Nr. 32 des Israelitischen Familienblatts seine warnende Stimme, die, mit Ausnahmen einer einzigen ablehnenden Erwiderung, zuftimmenden Widerhall fand. Der ablehnende Artikel des Herrn Leo Kopf, Chordirigent der Jüdischen Gemeinde Berlin, erschienen in Nr. 34 des Israelitischen Familienblatts, enthält zweifellos mancherlei Wahres und Beherzigenswertes. Daneben aber ergeht sich Herr Kopf in unberechtigten Verallgemeinerungen, die als Verunglimpfung empfunden werden müssen und die geeignet sind, an Stelle der so notwendigen Einigkeit, Zwietracht in unsere Reihen zu tragen. So spricht er gleich zu Beginn seiner Ausführungen ganz allgemein, ohne jede Einschränkung, von pädagogisch gebildeten Lehrern, „deren stimmliche und musikalische Qualitäten auch bei

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