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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-12-13 · 12 (13.12.1927) · p. Seite 352

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
12 (13.12.1927)
Article
Geschichte des israelitischen Lehrervereins für Bayern
Date
1927-12-13
Page
Seite 352 (sequence 1)
Language
German
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352 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Geschichte des Israelitischen Lehrervereins iür Bayern Von M. Rosenfeld Der Israelitische Lehrerverein sür Bayern kann in diesen Tagen auf ein 48jähriges Bestehen zurückblicken. Seine Geschichte schreiben heißt zugleich die Geschichte der jüdischen Gemeinden oder mindestens eines wichtigen Ausschnittes aus derselben, ihre Entwicklung, ihre Rechtsstellung, ihre soziale und finanzielle Lage wie ihre kulturelle Einstellung zur Darstellung bringen. Im Rahmen dieser Arbeit muß es bei wenigen Hinweisen sein Genüge haben. Als Vater des Vereins ist Nathan Eschwege s. A., Präparandenlehrer, später Präparandenhauptlehrer und Vorstand der Präparanden- und Talmud-Thora-Schule Höchberg anzusprechen. In einem von A. Blum, Würzburg, L. Ehrenreich, Kisstngen, W. Neumann, Burgpreppach, I. Schlenker und N. Unna, Würzburg, mitunterzeichneten Zirkular vom 20. September 1879 wurden die jüdischen Lehrer Unterfrankens zu einer auf den 6. Oktober anberaumten Besprechung behufs Gründung eines jüdischen Lehrervereins, der sich vorerst nur auf diesen Kreis erstrecken sollte, eingeladen. Dem zu gründenden Verein wurde als Aufgabe gestellt: Die Vertretung jüdischer Lehrerrnteressen nach außen, gegenseitige Verständigung über innere Angelegenheiten, materielle Hebung der jüdischen Lehrer durch Unterstützung notdürftiger Kollegen resp. deren Hinterbliebenen. Neununddreißig Lehrer hatten sich an dem festgesetzten Tage in der Metropole Unterfrankens eingefunden, alle von dem festen Vorsatze beseelt, durch einen Verein das zu erzielen, was dem einzelnen zu erreichen unmöglich war. Die helle Begeisterung, die alle Teilnehmer erfüllte, führte die Versammlung rasch zu dem erstrebten Ergebnis. Schon am 16. Dezember folgte die konstituierende Versammlung, die mit zweiundsiebzig ordentlichen und acht außerordentlichen Mitgliedern den Verein endgültig ins Leben rief. Schuldirektor Stern, Würzburg, ging als erster Vorsitzender aus der Wahl hervor. Entgegen dem zuerst gefaßten Plan wurde beschlossen, daß der Verein sich auf die drei fränkischen Kreise erstrecken sollte, vier Jahre später wurde er auf ganz Bayern ausgedehnt und erhielt den Namen „Israelitischer Lehrerverein für das Königreich Bayern". Bei der gedrückten, ja vielfach erniedrigenden Lage der Lehrer war es klar, daß der junge Verein, wollte er feiner Aufgabe gerecht werden, zunächst den an letzter Stelle angeführten Punkt seines Programms in Angriff nehmen mußte, vor allem galt es, die Verhältnisse der Lehrerhinterbliebenen, die ohne jeden Versorgungsanspruch oft der bittersten Not preisgegeben waren, zu verbessern. Mit wahrem Feuereifer und einer seltenen Opferwilligkeit ging man ans Werk, das von der unterfränkischen Kreisregierung und auf deren Veranlassung auch durch die dortigen DistriktSrabbinate aufs nachdrücklichste unterstützt wurde. Mit dem inzwischen angesammelten Kapital wurde im Jahre 1885 eine öffentliche Wohltätigkeitsstiftung unter dem Namen „UnterftützungSstiftung des Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern" begründet, der unter 25. Dezember 1885 die landesherrliche Bestätigung erteilt wurde. Im gleichen Jahre wurde mit der UnterstützungStätigkeit begonnen; ein Unterftützungöanteil betrug 50 M., die erstmals verteilte Summe 512.50 M. Die Entwicklung dieser Stiftung mögen folgende Zahlen veranschaulichen: Unterstühungs- ' Zahl der Empfänger Leistung der U-Kaffe RM. Vermögen RM. 1885 50 4 512.50 9099.24 1890 80 10 940.- 19 748.02 1900 110 27 5 589. - 66 676.78 1910 200 55 11 525.- 141 259.12 1918 240 78 17 566.70 200 000. - Gleich so vielen anderen Stiftungen, die frommer Sinn und werktätige Bruderliebe geschaffen, ist auch dieses Werk brüderlicher Fürsorge der Sintflut der Inflation zum Opfer gefallen. Ungebrochener Wille ging nach Wiederkehr normaler Geldverhältnisse an den Wiederaufbau der inzwischen in eine „Hilfskaffe" umgewandelten UnterftützungSstiftung. So segensreich auch diese soziale Hilfstätigkeit wirkte, so zeigte sich doch bald, daß der Rahmen zu eng, das Ziel zu kurz gesteckt war. Sollte die Forderung der Vereinssatzungen: Kräftigung des israelitischen Lehrerstandes, zur Verwirklichung kommen, so mußte die bessernde Hand an die Wurzel des Übels gelegt und eine Änderung der materiellen Lage der aktiven Lehrer erstrebt werden, die namentlich in den kleinen und kleinsten Gemeinden bei einer beschämenden Besoldung und oft unter unwürdigster Stellung ausharren mußten. Schon im Jahre 1888 wurde in einer Mitgliederversammlung beantragt, statistische Erhebungen über die Zahl der israelitischen Lehrer und Lehrerftellen, über den Modus der Anstellung und über die Höhe der Besoldungen zu pflegen, 1891 stand ein Antrag „zur Bildung einer Zeutralkaffe, um daraus die Gehälter der israelitischen Lehrer zu bestreiten", auf der Tagesordnung, der aber — abgelehnt wurde. Das gleiche Schicksal wurde im darauffolgenden Jahre den in gleicher Richtung sich bewegenden, von einer Kommission ausgearbeiteten Anträgen zuteil. Jahre gingen ins Land. 1904 wurde neuerlich eine Kommission von drei Mitgliedern zur „Ausarbeitung einer Denkschrift" eingesetzt. Die Kommission sollte gemeinsam mit drei von der Freien Bayerischen Rabbinerkonferenz zu entsendenden Delegierten „alle Schritte unternehmen, die zur rechtlichen und sozialen Besserstellung der Lage des Lehrerftandes nötig sind". 1908 erschien die von Dingfelder, München, bearbeitete, von Dr. Werner, München, Dr. Cohn, Burgpreppach, Dr. Stein, Schweinfurt, H. Goldftein, HeidingSfeld, A. Mandelbaum, Würzburg, und dem Verfasser Unterzeichnete Denkschrift. Hier wurde zum ersten Male ein auf genauen statistischen Grundlagen erarbeitetes Bild der jüdischen Gemeinden, ihrer Schulen (Volks- und Religionsschulen), der rechtlichen Stellung und der Gehaltsverhältnisse der Religionslehrer, des Pensions- und Reliktenwesens entworfen. Die Schrift klang unter Aufnahme eines damals von der bayerischen Staatsregierung ausgestellten Grundsatzes: „Gleiche Vorbildung und gleichwertige Tätigkeit und Verantwortung — gleiche Besoldung" in die Forderung aus: „Die jüdischen Religionslehrer sind den Volksschullehrern gleichzuftellen." Die Denkschrift hatte ungeheueres Aufsehen erregt. Die Öffentlichkeit konnte an dem erschütternden Bild nicht ungerührt vorübergehen. Landtag und Staatöregierung, die Tagespresse befaßten sich mit den Verhältnissen der jüdischen Gemeinden und ihrer Lehrer. Man hatte geglaubt, daß der „Landesverein für Israelitische Kultusgemeinden", an den sich die Denkschrift in einem Schlußworte in eindringlicher Vorstellung gewandt hatte, die Aufgabe lösen würde. Doch die hochgespannten Erwartungen

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