Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (11.11.1927)
- Article
- Hebräische Büchereien im Gebiete des heutigen Bayern
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 327 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 327 Abb. Nr. 1. Der grüne Einband der hebräischen Fuggerbände: Vorderdeckel (B. St.-V. 4» A. hebr. 307). werden zu lasten. Auch die Erziehung, die Raymund diesem seinem Sohne — Johann Jakob hatte übrigens noch vier jüngere Brüder — angedeihen ließ, war eher die eines jungen Gelehrten der damaligen Zeit. Die Fuggerchronik berichtet uns, daß Johann Jakob „mit seinen praeeeptores (Lehrern) in den Teutschlanden, Italia, Hispania, Frankreich und in den Niderlanden so lange geftutirt (studiert habe), daß er zu seinen teutschen noch mer sprachen, als italiänisch, französisch, hispanisch, niderlentisch, lateinisch und kriechisch ergriffen, auch dise wol erlernt und so fertig gered, als ob er auf denselben allen und jedes in sonderheit erborn (geboren)". Daneben scheint er auch die „böhmische", d. h. slawische, die polnische und die ungarische Sprache beherrscht zu haben. In unserem Zusammenhänge müssen wir freilich bemerken, daß Johann Jakob keine orientalische, insbesondere nicht die hebräische Sprache beherrschte oder erlernte. In den Jahren 1534 und 1555 weilte Johann Jakob als Studierender der Rechte auf der bekannten Universität in Bologna, nachdem er schon vorher französische Universitäten, so die in Bourges, besucht hatte. Da starb Ende des Jahres 1555 plötzlich sein Vater, an dessen Stelle er neben seinem Oheim Anton nunmehr die Leitung des Geschäftes hätte übernehmen müssen. Allein er war froh, daß Anton ihn für zu unerfahren hielt und ihn lieber auf eine Studienreise zu den über alle Welt zerstreuten Fuggerschen Faktoreien schickte. Er erweiterte dadurch seinen Horizont und schuf sich auch manche für seine spätere Tätigkeit als Politiker wichtige persönliche Bekanntschaft. Seit dem Jahre 1542 war Johann Jakob im Dienste seiner Vaterstadt Augsburg tätig, deren Geheimer Rat er schließlich wurde. Bei den vielen politischen und religiösen Wirren und Kämpfen, die sich innerhalb und außerhalb Augsburg abspielten, auch auf Reichstagen, sehen wir immer wieder Johann Jakob Fugger an hervorragender Stelle. Im Jahre 1560 mußte der von Jugend an gesundheitlich nicht ganz feste Mann infolge des Todes Antons nun doch die Führung des Hauses übernehmen. Allein die geschäftliche Lage der Fugger war, nicht zuletzt durch die politischen Verhältnisse, insbesondere durch das Finanzdekret Philipp II. vom Jahre 1557, das eine allgemeine Suspension der Staatsschulden des den Fuggern stark verschuldeten Spanien brachte, nicht die beste und Johann Jakob, der Verfasser der „Geschichte des Schmalkaldischen Krieges", war gewiß nicht der Mann, das Riesenunternehmen zu sanieren. Da auch Zwistigkeiten in seiner Familie ihm den Aufenthalt in Augsburg verleideten, schied er im Jahre 1564 mit einer Schuldenlast von über einer Million Gulden endgültig aus dem Geschäfte aus, um sich in seine Besitzung Taufkirchen in Oberbayern zurückzuziehen. In seiner Not kam ihm seine langjährige Freundschaft mit Herzog Albrecht V. von Bayern zustatten. Dieser half ihm nicht nur mit Darlehen aus, sondern schickte ihn auch auf Reisen, nahm ihn unter seine Geheimen Räte auf und schuf sogar, um ihm mehr Bewegungsfreiheit zu geben, eigens für ihn die überflüssige Stelle eines „Hofkammerpräsidenten". Im Jahre 1575 schied der Tod die Unzertrennlichen. Freilich — Albrechts Großmut wurde belohnt. Teilweise durch Kauf, teilweise durch Verpfändung waren einzelne Teile der prachtvollen Bibliothek Fuggers der Reihe nach in Albrechts Besitz übergegangen, bis sich endlich im Jahre 1571 die gesamten, viele tausend Bande zählenden, auf 70 — 80 000 Gulden Abb. Nr. 2 Hinterdecke! zu Abb. Nr. 1.