Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (20.10.1927)
- Article
- Aus dem Arbeitsgebiet der israelitischen Kultusgemeinde in München
- Date
- 1927-10-20
- Page
- Seite 311 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 311 findet sich bekanntlich auch der Betsaal der Gemeinde, der samt seinem Zugang von Grund auf völlig neu erstellt werden mußte. Im Rückgebäude war das Parterre für die Armenpflege, im ersten Stock Räume für Büros nebst einem gemeindlichen Sitzungszimmer neu zu schaffen. Das Ritualbad war in einem geradezu mittelalterlichen Zustand. Seine gänzliche Modernisierung im Innern einschließlich vollkommen neuer Zentralwarmwasserbereitung, neuer Wannen und Waschtische, wie überhaupt der ganzen Inneneinrichtung, war unerläßlich. Die äußere Gestalt wird im kommenden Jahre verbessert werden. Die Vordergebäude Mathildenstraße 8 und 9 erfuhren ebenfalls eine durchgreifende Veränderung. Die Fassaden, Dächer, Küchenbalkone, viele Türen und Fenster wurden völlig erneut. Die dort untergebrachte Versorgungsanstalt, in welcher etwa 20 Pfründner leben, wurde mit allen den heutigen Bedürfnissen entsprechenden Einrichtungen wie Zentralheizung, fließendes kaltes und warmes Wasser, Verbesserung der Beleuchtung, Linoleumbelag in allen Zimmern versehen, das gesamte alte Mobiliar, wurde entfernt und durch zweckentsprechendes völlig neues ersetzt. Das israelitische Pensionat an der Kaulbachstraße mit 31 Insassen wurde ständig betreut. Eine Reihe von gründlichen Verbesserungen, z. B. in der Beleuchtung, wurden vorgenommen. Ein Speiseaufzug steht vor der Installation. Zu unserem Bedauern konnte der fehlenden Mittel halber der an sich nicht schwierige Ausbau des Dachgeschosses zur Gewinnung von 8—10 neuen Zimmern noch nicht durchgeführt werden. Die baupolizeiliche Bewilligung ist erwirkt. Erfreulicherweise ist es den Bemühungen des Bauauschusses dort gelungen, mit Bewilligung der gemeindlichen Kollegien ein Vork a u f s recht und Vor miete recht nach Ablauf des Reichsmietengesetzes für das angebaute Nachbaranwesen zu erwerben, wogegen nur ein für uns untergeordnetes Lichtrecht und die Abtretung eines wenige Quadratmeter großen Gartengrundstücks gewährt werden mußte. Auch das Haus in der Klenzestraße 4 samt der Speiseanstalt bedurfte äußerster Pflege und endlich war unser Haus Herzog-Rudolf-Straße 1, das wir vor 2 Jahren erwarben und voriges Jahr übernahmen und in welchem bis dahin eine Fabrik betrieben wurde, außen und innen völlig umzubauen. Im kleinen Vordergebäude haben wir für zwei von auswärts berufene, gemeindliche Beamte, die in München kein Recht auf Zuweisung einer Wohnung hatten, gute Wohnungen eingerichtet, während das umfangreiche Rückgebäude dringenden jüdischen Bedürfnissen dienstbar gemacht wurde. Im Parterre ist ein etwa 100 Personen fassender Vortragssaal samt Garderobe und Toiletten eingerichtet worden; die übrigen Stockwerke dienen orthodoxen, zionistischen und studentischen Organisationen. Zu erwähnen sind noch die Renovierungsarbeiten an den Friedhöfen, teils an den Gebäuden, teils an den Umfassungsmauern, teils an der Entwässerung und die Tätigkeit für die Begutachtung der Grabsteine, Erneuerung der verwahrlosten Gräber samt Grabsteinen, Pflege der Ehrengräber, sowie der ganzen Friedhofsanlagen einschließlich Gärtnerei. Eine Trambahnwartehalle am Nordfriedhof befindet sich auf Gemeindekosten im Bau. Wohl ist der Gemeindeleitung der betrübliche Zustand der Aussegnungshallen, hauptsächlich im Südfriedhof bekannt. Sobald zur Behebung dieser Schäden Mittel zur Verfügung stehen, wird auch hier das Erforderliche geschehen. Schließlich muß ich noch in Kürze auf den baulichen Zustand der Synagoge zurückkommen. Was zunächst den Zustand im Innern betrifft, so war das Hauptaugenmerk auf das tadellose Funktionieren der Beleuchtung zu richten. Hier wurden erhebliche Reparaturen durchgeführt. Weiterhin ist es gelungen, einen immer wieder beklagten Mißstand durch Schaffung von Garderoben abzuhelfen. Daß uns zur Zeit die Mittel fehlen, einem Herzensbedürfnis vieler Synagogenbesucher durch den Neubau einer Orgel nachzukommen, bedauert die Verwaltung am meisten; sie wird an diese Neuanschaffung herantreten, sobald es die Verhältnisse gestatten. Im Souterrain der Synagoge haben wir im Vorjahr einen gut ausgestatteten Warteraum für Hochzeitsgäste einbauen können. Der vor allem in den Frauenemporen immer wieder beklagten Zugluft haben wir durch Neueinbau von Zwischentüren entgegenzutreten versucht. Dagegen war uns eine völlige Modernisierung der Beheizungsanlage und eine Reihe von Schönheitsreparaturen noch nicht möglich, doch wird auch dies baldmöglichst nachgeholt werden. Leider bereitet uns aber der äußere Zustand unserer Synagoge große Sorgen. Die im Laufe der Jahre schlechtgewordenen Kupferdächer haben wir durch Zinkblech wieder Herstellen müssen. Die stark angerosteteten Fenster und Gitter wurden größtenteils wiederhergestellt, aber der Verwitterung der Sandsteine — einer Krankheit, unter der ganz München durch die schwefelhaltigen Abdämpfe der oberbayerischen Kohlen leidet — einschließlich der schönen Ornamente werden wir schon aus dem Gesichtspunkt der persönlichen Sicherheit der Passanten und der Besucher des Gotteshauses entgegentreten müssen. Hier steht eine erhebliche Ausgabe, die wohl nahe an RM. 100 000.— heranreichen wird, unmittelbar bevor. Noch sind Erhebungen im Gange, wie diesem Übel beizukommen ist. Feststeht aber schon heute, daß keine Zeit mehr nutzlos verstreichen darf, um hier nach dem Rechten zu sehen. Zur Behebung der bisherigen Wiederherstellungen mußte sich die Gemeindeverwaltung entschließen, umfangreiche Mittel in ihr Budget zu all diesen Arbeiten einzustellen, die für das Jahr 1926 rund RM. 40 000.— betrugen, während solche Ausgaben für das Jahr 1927 sich bis Ende September etwa auf RM. 70 000.— beliefen, wodurch gleichzeitig den Handwerksleuten dieser Stadt, natürlich auch den jüdischen, in diesen besonders schweren Zeiten erwünschte Arbeitsgelegenheit geschaffen wurde. Es war mir darum zu tun, in Kürze einen Ausschnitt aus der Tätigkeit der Kultusgemeinde zu geben. Daß die Verwaltung der gemeindlichen Bauten ein mühseliger, wenn auch nur ein bescheidener Teil am ganzen Werke ist, bedarf nach dem obengesagten keiner weiteren Erläuterung. Jeder aber, der die Freude hat, unter und mit der derzeitigen Leitung der Gemeinde zu arbeiten, ist seiner Pflicht eingedenk und seiner Verantwortung, die er den Gemeindemitgliedern gegenüber übernommen hat. Eingedenk aber auch dessen, daß er, wenn er im emsigen Fleiße an der ihm zugewiesenen Stelle arbeitet, zugleich arbeitet am großen Werke des Wiederaufbaues unseres niedergedrückten deutschen Vaterlandes und zugleich mit an dem Wiederaufstieg unserer geliebten Heimatstadt München. Damit wird sich auch diese Arbeit auswirken zum Segen der jüdischen Gemeindeangehörigen. Trauerfeier von Vorstand und Gemeindevertretung für Albert Landauer und Isidor Popper Am 22. September d. I. fand in dem schwarzausgeschlagenen Sitzungssaale der Gemeindevertretung die Trauerfeier zum Gedächtnis von Albert Landauer und Isidor Popper statt. Die Trauerfeier erösfnete der Chor des jüdischen Gesangvereins unter der bewährten Leitung von Kapellmeister Ziegler mit Enosch kechozir von Lewandowski. Anschließend ergriff der Vorsitzende der Gemeinde- Zionistische Ortsgruppe München Mittwoch, 26. Okt. 1927, abends 8 Uhr, spricht Herr Rabbiner Dr. Max Elk, Stettin im Mathildensaal, Mathildenstr. 4 über Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintritt »Wandlungen jltt UberaliimUS* von RM. 1.—, Jugendliche RM. 0.50