Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-10-20 · 10 (20.10.1927) · p. Seite 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
10 (20.10.1927)
Article
Aus dem Arbeitsgebiet der israelitischen Kultusgemeinde in München
Date
1927-10-20
Page
Seite 310 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727847-2732030--02486-2732114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

310 Bayerische Israelitische Gemeindezeilung Nr. 10 5lus der Gemeinde Aus dem Arbeitsgebiet der Israelitischen Kultusgemeinde in München von Sigmund Weil Die Bedürfnisse der Kirchen- und Kultusgemeinden sind gleich denen der politischen Gemeinden äußerst vielgestaltig. Kommt bei einer Gemeinde wie bei der Kultusgemeinde München hinzu, daß sie über 10 000 Seelen umfaßt, also vergleichsweise mehr, wie etwa die Städte Nördlingen oder Traunstein Einwohner zählen, so bedarf es keinen weiteren Hinweises, um zu erkennen, daß deren Verwaltungstätigkeit überaus umfangreich ist und sorgsamster Pflege bedarf. Neben den Bedürfnissen, die Kultus, Ritus und Religionsunterricht mit sich bringen, — Bedürfnisse, die auch bei haushälterischer Arbeitsweise infolge der allgemeinen Verhältnisse ein Vielfaches der Friedensausgaben erfordern — hat die derzeitige Verfassung im Gegensatz zu der früheren der Kultusgemeinde in München auch die jüdisch-sozialen Angelegenheiten als Aufgabe übertragen. Welch ungeheure Arbeitslast allein dieser eine Zweig dem Vorstand der Gemeinde aufbürdet, wissen bei der gebotenen Diskretion nur die allernächsten Eingeweihten. Die Öffentlichkeit braucht aber nur an die Epoche erinnert zu werden, in der wir leben — die Nachinflationszeit — in welcher nicht nur ehemals wohlsituierte Einzelpersonen, sondern auch einst reich ausgestattete Stiftungsvermögen, die in früherer Zeit unendlich viel Gutes in sozialer Hinsicht leisten konnten, sich dem Ruine nahe sehen, um zu erkennen, mit welch' beispiellosen Schwierigkeiten und mit welch' erheblichen Mitteln, die nur aus Umlagen fließen können, derzeit zu rechnen ist. Kommt hinzu, daß die gemeindlichen Jmmobiliarbesitzungen zu ihrer Erhaltung alljährlich gewaltige Mittel verschlingen, so wird den Mischen Mitbürgern verständlich werden, warum sie so stark, zu den Kultussteuern herangezogen werden. Zur Orientierung einer größeren Öffentlichkeit möchte ich mir im folgenden erlauben, zunächst über das „Bauwesen der Gemeinde" in gebotener Kürze zu berichten. Die Israelitische Kultusgemeinde München verwaltet zweierlei Grundbesitz. Zunächst denjenigen, der in ihrem Eigentum steht, aber auch denjenigen, der staatlich anerkannten, von ihr verwalteten Stiftungen gehört. Zur ersteren Kategorie gehören die Gemeinde-Synagoge an der Herzog-Max-Straße, die beiden Friedhöfe im Süden und Norden der Stadt, die Häuser Herzog-Max-Straße 3/5 und 7 samt Rückgebäude, zur zweiten das Israelitische Pensionat an der Kaulbachstraße (Mittelstandsheim), das Gebäude Klenzestraße 4, in welchem sich die bekannte Rittersche Speiseanstalt befindet, die Häuser Mathildenstraße 8 und 9, auch als Lippfchützsche Versorgungsanstalt bekannt samt Rückgebäude, in welchem sich das Ritualbad befindet und endlich das Haus Herzog-Rudolf-Straße 1 samt Rückgebäude, nebst etwa 10 Tagwerk Grundstücken in den nördlichen und südlichen Vororten. Schließlich hat die Kultusgemeinde auch bei gewissen Baufallwendungen mitzuwirken, die die im Besitz des Vereins Ohel Jakob befindliche Synagoge an der Herzog-Rudolf-Straße betreffen. Diese äußerst umfangreichen Aufgaben vermehren sich noch um die mit den Friedhofanlagen bzw. den Grabsteinen auf den Friedhöfen verbundenen Arbeiten ständig und um die Arbeiten zeilenweise, die mit der Miete und Einrichtung von Wohnungen verbunden sind, die für hierher berufene Beamte bereitgestellt werden müssen — eine Aufgabe, die in den Zeiten der Zwangswirtschaft nicht unterschätzt werden darf. Zur Verwaltung dieser Aufgaben hat die Verfassung der Gemeinde einen Bauausschuß vorgesehen, der alljährlich neu gewählt wird. Zur Zeit gehören ihm 6 Männer an, die im praktischen Leben stehen und bis auf einen Mitglieder der gemeindlichen Kollegien sind, und die sich zu ihrer Unterstützung eines Architekten bedienen. Ohne ein Geheimnis zu verraten und ohne überheblich zu sein, darf gesagt werden, daß aus diesen 6 Männern — abgesehen von den Herren des Präsidiums — wohl die größte Arbeitslast ruht, die im gemeindlichen Verwaltungswesen von den einzelnen geleistet werden muß und es ist eine besondere Freude, festzustellen, daß in diesem Ausschuß die Repräsentanten der 3 Misch-politischen Richtungen in vollkommener Harmonie zum Wohle des Ganzen Zusammenarbeiten. Die zu ihrer Zeit durchaus dankenswerte Sparsamkeit der Verwaltung in den Vorfeldzugsjahren, dann die Not der Feldzugs¬ und Nachfeldzugszeit mit der verheerenden Wirkung der Inflation und die modernen Bedürfnisse haben es naturgemäß mit sich gebracht, daß die Wiederherstellungsarbeiten an all diesen Besitzungen im Laufe der letzten Jahre nie gekannte Ausmaße angenommen haben. Da diese gemäß den Bewilligungen der gemeindlichen Kollegien vorgenommenen Arbeiten mit Ausnahme der Synagoge, auf die später zurückzukommen sein wird, zu einem gewissen Abschluß gekommen sind, sei hier kurz über sie berichtet. Es waren zunächst die an Dritte vermieteten 26 Wohnungen in der Herzog-Max-Straße, Mathildenstraße und Klenzestraße in einer den berechtigten Ansprüchen der Mieter gerecht werdenden Weise in Stand zu setzen. Dann waren entsprechend der vermehrten Arbeit die Bedürfnisse der Gemeindeleitung an Büros im Verwaltungsgebäude zu dekken, es trat weiterhin eine große Anzahl jüdischer Organisationen an den Vorstand zur Bereitstellung von Räumen für ihre eigenen Bedürfnisse heran und endlich waren auch die schon aufgeführten gemeindlichen Anstalten, wie Ritualbad, Altersversorgungsheim, Pensionat, Speiseanstalt in ihrem äußeren und inneren Zustand zu modernisieren. Beginnend mit dem Verwaltungsgebäude Herzog-Max-Straße 7 berichte ich, daß dort ganz neu die Amtsräume des Wohlfahrtsamtes untergebracht wurden, wie auch durch eine innere Veränderung (Herausnahme einer Treppe) zwei große Räume gewonnen werden konnten. Eine umfangreiche Dachreparateur fand hier im Jahre 1926 statt. Ferner wurden die Toiletten, die den Synagogenbesuchern dienen, in einen modernen Ansprüchen genügenden Zustand versetzt. In den Häusern Herzog-Max-Straße 3 und 5 waren die Fassaden, die Dächer, Küchenbalkone, eine große Anzahl Fenster und Türen vollkommen zu erneuern. Im Parterre dieser Häuser be- Uur^MuJ. A . POBZ£LLAIV-M£D£BLAGE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 GRÖSSTE AUSWAHL IN GEBRAUCHS- UND LIJXUS ■ DIE FÜHRENDE WELTMARKE ■PORZELLAN

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.