Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (19.9.1927)
- Article
- 25. Verbandstag des Kartell-Convents
- Date
- 1927-09-19
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 die den Verband betreffenden Fragen zu diskutieren. Zu Beginn der Veranstaltung besuchten am Freitag abend die K.C-Tagsteilnehmer geschloffen den Gottesdienst in. der Freiburger Synagoge. Am Sonntag abend fand der große Festkommers in der „Harmonie" statt, zu dem außer den zahlreichen Chargierten der Kartell- Verbindungen auch Vertreter von Behörden, Vereinen und der Studentenschaft erschienen waren. An dem Kommers haben etwa 400 Personen teilgenommen. Rach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Alt-Herren-Verbandes der Freiburger K.C.- Verbindung nahm zunächst Herr Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig) das Wort zu der Tendenzrede. Der Redner führte aus, daß es Aufgabe des Verbandes fei, durch die Erziehung der Korporationen Persönlichkeiten heranzubilden, die dem Vaterlande nützen können. Der Redner erneuerte das Gelöbnis, die alten bisher gegangenen Wege weiter zu wandeln, aus den Quellen des Optimismus zu trinken, Deutschtum und Judentum zu vereinen und Persönlichkeiten zu erziehen, die diese Aufgaben leisten können. Namens des gefchäftsführenden Ausschusses des K.C. sprach Dr. Berlak an Stelle des durch Krankheit verhinderten ersten Vorsitzenden, Dr. Holländer. Cr betonte, daß in jüngerer Zeit alte Verleumdungen in neuer Gestalt wieder aufgetaucht seien. Man hat uns als Störenfriede der Hochschulen bettachtet, aber heißt denn ein Kämpfer sein, auch ein Störenfried sein? Ich glaube, daß wir K.C.er stolz darauf sind, daß wir nicht nur Waffen des Geistes geführt, sondern auch stolz, daß wir sie nur dann geführt, wenn man uns angegriffen hat. Wir können auch heute mit gutem Gewissen sagen, daß wir nicht Störenfriede gewesen sind. Was wir auf unsere Fahne geschrieben haben, ist der Kampf um die Gleichberechttgung des deutschen Juden an der Deutschen Hochschule. Die Vaterlandsrede hielt Dr. Urias (Hamburg). Ausgehend von den großen Erlebnissen des Krieges, wo es einen Unterschied von Konfessionen und Rassen nicht gegeben hat, kam er auf die Empfindungen der jüdischen Akademiker über die Ereignisse der Nachkriegszeit zu sprechen. Der Krieg ist zu Ende; unsere Besten sind gefallen. Was hat das Kriegserlebnis uns jüdischen Studenten besonders gesagt? Wir haben neben dem Krieg beinahe noch unser Vaterland verloren. Darum steht vor uns Jungen die Ausgabe: Erobert euch euer Vaterland! Junge Menschen müssen bereit sein, für die Dinge, die sie im Herzen tragen, auch einzustehen. Es gehört dazu die leidenschaftliche Hingabe an eine Sache. Wir sind jung und wollen es auch bleiben. Wir wissen, daß wir ein Teil unseres Vaterlandes sind, für das wir gekämpft, gestritten und geblutet haben. Im Anschluß an die mit großem Beifall aufgenommene Rede sang die ganze Festversammlung stehend das Deutschlandlied. Am Sonntag fanden die Verhandlungen der Tagung statt. Zu Beginn gab der zweite Vorsitzende, Dr. Berlak, seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß in diesem Jahre zum ersten Male der erste Vorsitzende, Dr. Holländer, nicht persönlich der Tagung beiwohnen könne. Es wurde einstimmig beschlossen, ein Begrüßungstelegramm an Dr. Holländer zu senden. Ferner wurde folgendes Telegramm zur Verlesung gebracht: „Den K.C. begrüßt mit den besten Wünschen für erfolgreiche Verhandlungen der Bund Vereinigung freier Akademiker." Dr. Berlak gab zunächst den Geschäftsbericht und teilte mit, daß die Zahl der Aktiven sich im Gegensatz zum Vorjahre nahezu verdoppelt hätte. Das Hauptreferat hielt Herr Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig) über das Thema: „Probleme der inneren jüdischen Politik." Dr. Goldmann führte ungefähr folgendes aus: Von den vielen Problemen, die den jüdischen Menschen umgeben, ist das Problem des Abschlusses eines der wesentlichsten. Sollen wir uns abschließen oder nicht? Man darf nicht vergessen, daß dann nur die Frage der Taktik entschieden wird, aber nicht des Prinzips. Taktik und Prinzip streiten miteinander. Für uns K.C.er gilt der Grundsatz, daß wir vom allgemeinen uns nicht entfernen dürfen. Es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns nicht abzuschließen. Zur Frage des nationalen Judentums gab der Redner zu denken, daß das nationale Judentum unser Leben ganz anders werten will. Es will das Judentum herausnehmen aus den Kreisen der Menschen und es damit zu einer Sonderstellung verurteilen, die sich politisch auswirkt. Es muß von jedem K.C.er Kenntnis der jüdischen Probleme verlangt werden und eine Erkenntnis der Grundzüge ihrer Entwicklung. Nicht als ob Diskutierklubs herausgebildet werden sollen, auch nicht um die Ubergeistigkeit zu vermehren, sondern wenn man jugendliche fröhliche Menschen haben will, müssen diese auch Raum haben für Probleme der jüdischen Gemeinschaft. Wir wollen keine problematischen Menschen, aber dennoch die Probleme kennen lernen. Als zweiter Referent hielt cand. iur. W. S. Matzdorsf (Berlin) ein Referat über „die gegenwärtige Lage an den deutschen Hochschulen" und berichtet dabei besonders die Ergebnisse des Würzburger Studententages. Nach eingehender Debatte, die insbesondere eine Intensivierung der Hochschulpolitik im K.C. forderte, nahm der K.-C.-Tag einstimmig zur Hochschulpolitik folgende Resolution an: „Der 25. ordentliche Verbandstag des K.C. (Kartell-Convent der Verbindungen Deutscher Studenten jüdischen Glaubens) in Freiburg nimmt in Übereinstimmung mit den von den früheren Verbandstagungen festgelegten hochschulpolitischen Richtlinien zu dem Ergebnis des Würzburger Studententages folgende Stellung: Der Würzburger Beschluß kann die Grundlage einer Verfassung der Deutschen Studentenschaft nicht sein, da seine Urheber die Einheit der deutschen Kulturgemeinschaft aus völkischen Gesichtspunkten bestreiten, aus politischen Erwägungen die Staatsautorität verneinen und einen wahrhaft großdeutschen Zusammenschluß, wie er das Ziel der Kriegsteilnehmer-Generation war, durch rassische Scheidung unmöglich machen." Getteu seiner Grundtendenz erstrebt der K.C. die Vereinigung aller sich zur deutschen Kulturgemeinschaft bekennenden Studierenden in einer deutschen Studentenschaft als einer vom Staat mit öffentlichen Rechten versehenen Organisation. Der K.C. macht es seinen Angehörigen zur Pflicht, nach wie vor in der studentischen Selbstverwaltung mit aller Kraft zu arbeiten und in der Front der freiheitlichen, den heutigen Staat bejahenden Studentengruppen den Kamps gegen den Geist des Würzburger Beschlusses für das hochschulpolitifche Ziel des Verbandes zu führen." Es wurde weiter ein Anttag angenommen, der die Beschäftigung mit Staatspolitik den einzelnen K.C.-Verbindungen besonders nahelegt. Zur Frage der interkorporativen Schiedsgerichte wurde nach eingehender Debatte folgender Anttag angenommen: „Die Schaffung interkorporatioer Schiedsgerichte mit allen nichtvölkischen Verbänden, entsprechend den Grundsätzen des Erlanger Verbändeabkommens ist anzustreben." Der Beschluß des Heidelberger K.C.-Tages 1910 (der K.C. bedauert jeden einzelnen Fall eines Ehrenhandels zwischen jüdischen ZUBERBÜHLER’S WINTERGARTEN Theatinerstrasse 16 / Fernsprecher Nr. 91285 Eingang Passage: Modehaus Krell Ucko Täglich von 4-6 Uhr Nachmittagskonzerte Abends 81/2 Uhr Künstlerische Darbietungen mit Tanz ELITE-TANZ-ORCHES TER Kein Weinzwang