Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (15.7.1927)
- Article
- Einige Gedanken über die Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig [Rezension]
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 236 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 sein? Der Geist Gottes ist überall. Diese Übersetzung, von Luther stammend, steht im Widerspruch mit der talmudischen Quelle und ist nicht sinngemäß, wenn wir auch an sie gewöhnt sind. Wenn die Übersetzer anstatt Wind Braus setzen wegen der Alliteration Braus — brütend wie ruach — merachefes, so wird diese Lösung außer dem Sinn auch noch der Form gerecht. Erwähnt sei noch die Bemerkung des iben Esra zur Stelle: Der Wind Gottes steht als Bote in seinem Dienst, um das Wasser auszutrocknen. Ferner: „hamolauch timlauch olenu im moschaul timschaul bonu", Targum Onkelos bemerkt den Unterschied zwischen dem eingesetzten König und dem Usurpator. Siehe auch Ressino leger und iben Esra zur Stelle. Walter ist der Herrscher, der sich durch Gewalt dazu machte. Die Übersetzer folgten dem Onkelos und übertrafen ihn sogar, daß sie mit einem Wort dasselbe ausdrücken, wozu er eine Umschreibung benötigt. Misbeach — Schlachtstatt ist historisch unbedingt richtig. Altar ist kirchlichen Ursprungs, und sein sakraler Klang hat nichts mit dem Tisch des Heiligtums zu tun, auf dessen Ecken und Wände das Blut der Opfertiere gesprengt wurde. Überall spricht aus der Übersetzung der wahre Sinn des Bibelwortes in einem Deutsch, das die Übersetzer selbst als das edelste unserer Tage bezeichnen. Es scheint eine glückliche Fügung, daß Buber und Rosenzweig sich fanden, um gemeinsam ein Werk zu beginnen, dem die Geschichte des Judentums unserer Tage nichts an die Seite zu stellen hat. Hoffentlich führt der Segen der unermeßlichen Arbeit zu ihrer Vollendung. Martin Cohen. Juden auf Wanderschaft von Joseph Roth. Verlag „Die Schmiede". Berlin 1927 Joseph Roth, der bekannte Journalist und Schriftsteller, hat ein kleines Buch über die Ostjuden geschrieben: Juden auf Wanderschaft. Joseph Roth schreibt in seinem Vorwort: „Dieses Buch verzichtet auf den Beifall und die Zustimmung, aber auch auf den Widerspruch und sogar die Kritik derjenigen, welche die Osffuden mißachten, verachten, hassen und verfolgen. Es wendet sich nicht an jene Westeuropäer, die aus der Tatsache, daß sie bei Lift und Wasserklosett aufgewachsen sind, das Recht ableiten, über rumänische Läuse, galizische Wanzen, russische Flöhe schlechte Witze vorzubringen. Dieses Buch verzichtet auf die „objekttven" Leser, die mit einem billigen und sauren Wohlwollen von den schwanken Türmen westlicher Zivilisation auf den nahen Osten hinabschielen und auf seine Bewohner, aus purer Humanität die mangelhafte Kanalisation bedauern und aus Furcht vor Ansteckung arme Emigranten in Baracken einsperren, wo die Lösung eines sozialen Problems dem Massentod überlassen bleibt. Dieses Buch will nicht von jenen gelesen werden, die ihre eigenen, durch einen Zufall der Baracke entronnenen Väter oder Urväter verleugnen. Dieses Buch ist nicht für Leser geschrieben, die es dem Autor übelnehmen würden, daß er den Gegenstand seiner Darstellung mit Liebe behandelt, statt mit „wissenschaftlicher Sachlichkeit", die man auch Langeweile nennt. Für wen ist also dieses Buch bestimmt? Der Verfasser hegt die törichte Hoffnung, daß es noch Leser gibt, vor denen man die Ostjuden nicht zu verteidigen braucht; Leser, die Achtung haben vor Schmerz, menschlicher Größe und vor dem Schmutz, der überall das Leid begleitet; Westeuropäer, die auf ihre sauberen Matratzen nicht stolz sind; die fühlen, daß sie vom Osten viel zu empfangen hätten und die vielleicht wissen, daß aus Galizien, Rußland, Litauen, Rumänien große Menschen und große Ideen kommen; aber auch (in ihrem Sinne) nützliche, die das feste Gefüge westlicher Zivilisation stützen und ausbauen helfen — nicht nur die Taschendiebe, die das niederträchtigste Produkt des westlichen Europäertums, nämlich der Lokalbericht, als „Gäste aus dem Osten" bezeichnet. Dieses Buch wird leider nicht imstande sein, das ostjüdische Problem mit der umfassenden Gründlichkeit zu behandeln, die es erfordert und verdient. Es wird nur die Menschen zu schildern versuchen, die das Problem ausmachen und die Verhältnisse, die es verursachen. Es wird nur Bericht erstatten über Teile des riesigen Stoffgebietes, das, um in seiner Fülle behandelt zu werden, vom Autor so viele Wanderungen verlangen würde, wie viel einige ostjüdische Generattonen durchlitten haben." Es ist richttg, dieses Buch ist nur Bericht über Teile des riesigen Stoffgebiets. Und dennoch gibt es mehr, weil es in einem menschlichen Geiste geschrieben ist und soziale Probleme nur aus diesem Geiste heraus eine Lösung finden können. Wenn nicht Strebertum und Angst den Weg zu Mitgefühl und Verständnis versperrt haben, tut sich ein Blick in menschliche Not und Größe auf. Das Verhältnis des Ostjuden zu Westeuropa und zu seinen Ideen, des osffüdischen Chassid und Orthodoxen zum Zionismus, zum Sozialismus erfahren eine interessante Beleuchtung. Die ostjüdischen Städtchen, die Tätigkeit der chassidischen Wunderrabbis, die Feiern der hohen jüdischen Feste im Osten werden mit jener Anschaulichkeit und Lebendigkeit gezeigt, die wir an Roth kennen und schätzen. Im weiteren Verlaufe schildert Roth das Leben der Ostjuden in Wien, Berlin, Paris, Neuyork und Sowjetrußland. In seiner Bedeutung geht das Buch über ostjüdische Fragen hinaus. Denn ostjüdische Fragen sind ja immer auch jüdische Fragen, auch von nichtethischen Gesichtspunkten aus gesehen. I. Babel, Budjonnys Reiterarmee Malikverlag, Berlin Der bekannte Verfasser der „Geschichten aus Odessa" schildert in dem vorliegenden Buch seine Erlebnisse als Angehöriger der Reiterarmee Budjonnys. Auch hier sind seine Schilderungen wiederum von einer ganz unerhörten Kraft und von einer tief verankerten Menschlichkeit. Nicht leicht kann es einer wagen, wie er, Grauenhaftestes aus den russischen Konterrevolutionskriegen Wenn drei Generationen der gleichen Familie den Bedarf an Braut- und Baby-Ausstattungen bei uns gekauft haben, so ist dies das beste Zeichen unserer Leistungsfähigkeit ALBERT ROSENTHAL MÜNCHEN / KAUFINGERSTRASSE 30/31 Das Haus für Ausstattungen Frankfurter Schirmfabrik J. Mayersohn , Im Hotel „Der Königshol“, Schützenstr. Größtes Schirm-Spezialgeschäft Münchens Qualitätsware vom einfachsten bis zum elegantesten Schirm zu billigsten Preisen in enormer Auswahl / Eig. Reparaturwerkstätte Der jüd. Arbeitsnachweis (Berufsberatung) Hänchen, Herzog-Max-Straße 7, Tel. 55283 vermittelt unentgeltlich Stellen jeder Art