Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (15.7.1927)
- Article
- Einige Gedanken über die Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig [Rezension]
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Mmeindezeitung 235 AMTLICHER ANZEIGER Nummer 7 Beilage der bayerischen Israelitischen Semeindezeitung 15. Zuii 1927 vekanntmachungen des Verbandes vaveriscder IsraeUliscder Gemeinden Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinden Augsburg» Fifchach. Ichenhaufen, Illereichen-Alkenftadt, Ingolstadt» Kempten, Krumbach» Memmingen und Oettingen Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen» ihr Gebiet wie folgt auszudehnen: Die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg auf die Finanzamtsbezirke Aichach, Augsburg II, Friedberg, Landsberg, Schongau und Schwabmünchen. Die Israelitische Kultusgemeinde Fischach auf den Finanzamtsbezirk Zusmarshaufen. Die Israelitische Kultusgemeinde Ichenhaufen auf die Finanzamtsbezirke Burgau, Günzburg, Lauingen, Neu-Ulm und Weihen- Die Israelitische Kultusgemeinde Illereichen-Altenstadl auf - den Finanzamtsbezirk Jllertissen. Die Israelitische Kultusgemeinde Ingolstadt auf die Finanzamtsbezirke Ingolstadt, Pfaffenhofen, Neuburg a. d. D. und Schrobenhausen. Die Israelitische Kultusgemeinde Kempten auf die Finanzamtsbezirke Buchloe, Füssen, Jmmenstadt, Kaufbeuren, Kempten, Lindau und Markt Oberdorf. Die Israelitische Kultusgemeinde krumbach auf den Finanzamtsbezirk Krumbach. Die Israelitische Kultusgemeinde Memmingen auf die Finanzamtsbezirke Memmingen, Mindelheim, Ottobeuren und Türkheim. Die Israelitische Kultusgemeinde Oettingen auf den Finanzamtsbezirk Oettingen mit Ausnahme des Gebietes der Gemeinde Hainsfarth.! i v\ Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den von der Ausdehnung betroffenen Gebieten wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 1. September 1927 bei dem Vorstand der betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündlich einzulegen. München, den 7. Juli 1927. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Dr. Neumeyer Bekanntmachung über die Unterbringung von Kindern im Jüdischen Landheim Wolfrakshausen (Wiederholung der Bekanntmachung in Nr. 4/1927 der Zeitung) Der Verband hat Mittel bereitgestellt, um bedürftigen, unbemittelten Kinder aus Verbandsgemeinden verbilligten oder, falls nötig, unentgeltlichen Aufenthalt im Landheim Wolfratshaufen zu ermöglichen. Aufnahme in der Anstalt finden Knaben und Mädchen, die schwächlich oder kränklich sind und zu ihrer Gesundung eines Erholungsaufenthaltes in Wolfratshausen bedürfen. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind Kinder mit ansteckenden Krankheiten oder solche mit psychischen Leiden. Altersgrenze: 4—14 Jahre. Die Aufnahme kann ab 1. September erfolgen. Wir stellen den Gemeinden anheim, die Einreichung von Gesuchen um Aufnahme von Kindern, bei denen die obigen Voraussetzungen zutreffen, beim Wohlfahrtsamt des Verbandes, München, Herzog-Max-Straße 7/0, zu veranlassen. Dem Gesuch ist eine ärztliche Begutachtung über die Erholungsbedürftigkeit in Wolfratshausen sowie eine Beglaubigung der Mittellosigkeit der Gesuchsteller' durch den Gemeindeoorstand beizufügen. München, den 7. Juli 1927. Das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Dr. Elias Straus. an Richard Wagner erinnert, wenn Worte gebildet werden wie „Wolken wölken" oder „König, wärst du wohl gern bei uns, König?" oder „Walter Du, über uns Walter?". Damit wird ein Element eingeführt, das der Bibel fremd, eine Sprache, die das Leben nicht kennt. Dadurch verliert die Bibel die Sprache der Wirklichkeit, ein Substanzverlust der Sprache. Die Bibel ist stumm geworden für die Wirklichkeit. — Rühmlich hervorzuheben ist, daß die Übersetzung sich jüdisch gebärdet. Z. B. durch die Benennung der Bücher: „Das Buch im Anfang", „Das Buch Namen" usw. Die Kapiteleinteilung ist nur winzig angedeutet, weil sie christlichen Ursprungs ist. Dagegen ist die Sidraeinteilung beibehalten. Besonders angenehm berührt die würdige Behandlung des Gottesnamens, der durch „Er" und „Ihm" usw. in Form dierkter Rede wiedergegeben wird. Ferner das Nachschaffen der Neginoth, der füllen Interpunktion der Bibel. Dennoch ist die Übersetzung im ganzen keine befriedigende Lösung. Zwar wird sie für viele spätere eine Fundgrube glücklicher Lösungen sein, aber als Gesamtwerk ist sie nicht von allgemeiner Bedeutung, sondern nur eine literarische Delikatesse für Ästheten. Der Referent zeigt noch an einigen Beispielen das Lebensfremde der Übersetzung. Misbeach — Schlachtstatt, für das gewohnte Altar. Braus Gottes brütend allüber den Wassern, anstatt Geist Gottes schwebet über den Wassern. Chag laschen — Rundreihgang Ihm, anstatt Fest für Gott. Lel Schimurim— durchwachte Nacht, anstatt Nacht der Behütung u. a. Durch derartige Umschasfung gewohnter Übersetzungen ist die von Buber und Rosenzweig für die Allgemeinheit nicht geeignet. Diese Gedanken des verehrten Referenten können vom Schreiber dieses nicht geteilt werden. Vor allem sind es zwei wichtige Momente, die von dem Herrn Referenten nicht beachtet wurden, aber für das Wesen der neuen Übersetzung bestimmend sind. 1. Die Bibelübersetzung will nicht gelesen, sondern gesprochen werden. Mikro — Schrift bedeutet in der Ursprache Lesen und Rufen zugleich. Die Übersetzer haben dieser Tatsache Rechnung getragen, indem sie den Rhythmus des Metrums anglichen an die Interpunktion der masoretischen Tonzeichen, die Worte auswählten nach den Klanggesetzen ihrer Vokale. Die hebräische Bibel ist sprechbar, eine Photographie der Bibelsprache. Nur dazu dient die sorgfältige Formung des Ausdrucks, die Benutzung einer Sprache, die nicht alltäglich, aber dem wirklichen Leben, dem Leben des Denkens entliehen ist. Nicht Feierlichkeit, nicht Romantik, sondern ein gewaltiges Ringen um Form und Sinn. 2. Das Ringen ist siegreich, denn überall wird der Sinn getroffen, der durch die Tradition begründet und festgelegt wurde. Talmud und Midrasch sind die Quellen für die glücklichen Lösungen, die oft nur in einem einzigen Buchstaben ihren Ausdruck finden. Durch nicht abzuschätzende Geistesarbeit sind die Übersetzer in den Sinn des Bibelwortes eingedrungen, nicht um der Form willen, nicht um der Ästhetik willen, sondern nur, um den wahren Sinn der Thora zu verdeutschen. Der wahre Thorasinn liegt in der Übersetzung „Braus Gottes allüber den Wassern." Denn in Chagiga 12 a zählt Raw Iehuda im Namen Raws zehn Dinge auf, die am ersten der Schöpfungstage geschaffen wurden: Schomajim woorez, tauhu wowauhu, aur wechaufchech, ruach umajihm u. a., also lauter physische Begriffe. Man kann nur lesen Wind und Wasser, nicht Geist und Wasser. Warum soll der Geist Gottes nur gerade über den Wassern