Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6 (22.6.1927)
- Article
- Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
- Date
- 1927-06-22
- Page
- Seite 200 (sequence 16)
- Language
- German
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200 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 geben können. Wenn die Verbandsleitung den Entwurf der Statuten eine Mustersatzung genannt hat, so bin ich überzeugt, daß alle Vorarbeiten zu dieser Mustersatzung in so idealer Weise vor sich gehen werden, daß nicht nur eine Mustersatzung sondern eine Meistersatzung herauskommen wird. In nicht allzu ferner Zeit werden wir Gelegenheit haben, dazu Stellung zu nehmen und es wird den Gemeinden eine noch willkommenere Tagung sein. Wir haben im übrigen die kleinen Vorlagen, die zur Beratung standen, Verfassung, Beamtenordnung, Besoldungsordnung, Schiedsgerichtsordnung gewissenhaft behandelt. Wir haben den Etat verabschiedet und haben uns zu Bewilligungen verstanden, auf die wir stolz sein können. Ich wünsche Ihnen, meine Damen und Herren, daß Sie alle das Gefühl der Befriedigung über das Geleistete mit sich nehmen mögen und daß wir uns alle zur nächsten Tagung gesund und froh Wiedersehen. RA. Jung (Nürnberg): Der Herr Vorsitzende hat betont, daß die Fürther Tagung nicht so reich war an positiven Ergebnissen als die bisherigen. Das ist richtig. Aber wir gehen deshalb nicht unbefriedigt auseinander, im Gegenteil, mit einer höheren Befriedigung als sonst. Wo finden Sie sonst noch die Erscheinung, daß Männer eine stärkere ehrenamtliche Belastung fordern, daß sie getragen sind von dem Willen, in noch viel größerem Umfange zu Arbeiten aus ehrenamtlichen Gebiete herangezogen zu werden! Und wenn wir hier einmal das wirklich Außergewöhnliche erleben, so kommt das daher, daß an der Spitze des Verbandes Männer stehen, die ganz Außergewöhnliches leisten. Es ist uns ein Herzensbedürfnis, diesen Männern aufs neue zu danken. Es ist davon gesprochen worden, daß wir die Kinderjahre hinter uns haben. Ich möchte deshalb den Wunsch aussprechen, daß unser Landesverband unter der gleichen vorbildlichen Führung, getragen von dem Vertrauen und der bewußten Mitarbeit seiner Tagung, frisch und froh erfolgreich hindurchschreiten möge durch die Jugendjahre. Das walte Gott! KR. Bechmann (Fürth): Ich möchte unseren Dank aussprechen, daß Sie unserer Einladung Folge geleistet haben. Es ist mir eine außerordentliche Freude, daß die Tagung in so schöner Weise verlaufen ist. Wir werden den 13. und 14. März 1927 als ein Ruhmesblatt in unserer Gemeinde in Erinnerung behalten. RA. Dr. Silberschmidt (Bad Kissingen): Es ist mir eine äußerst angenehme Pflicht, Herrn Kommerzienrat Bechmann als dem Führer der Kultusgemeinde Fürth für die außerordentlich freundliche Aufnahme und die große Gastfreundschaft unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Weiter ist es uns eine angenehme Pflicht, allen Mithelfern, insbesondere Herrn RA. Stahl für die Vorarbeiten für die Tagung und den Festabend unseren herzlichsten und verbindlichsten Dank auszusprechen. Auch uns wird es eine unauslöschliche Erinnerung sein, wie weihevoll die Stunden waren. Ich möchte die Tagung nicht schließen, ohne nochmals dem allerdings leider abwesenden Vertreter der Staatsregierung, Herrn Oberregierungsrat Mezger, der unsere Verhandlungen mit so großem Interesse verfolgt hat, unseren Dank auszusprechen. (Beifall.) Schluß der Sitzung 7 Uhr. öefährdetenMsorge Am 12. Mai trat in Berlin die bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bestehende Arbeitsgemeinschaft der Gefährdetenfürsorge zusammen. In der von Sanitätsrat Dr. Seligsohn geleiteten Sitzung waren die Vertreter aller angeschlossenen Organisationen, sowie die der Kommission angehörenden Sachverständigen anwesend. Hauptgegenstände der Verhandlung waren die Fragen des Ausbaues der Psychopathenfürsorge und der Gefangenenfürsorge, sowie ein Bericht über den Stand der Reform der Fürsorgeerziehung. Zur Frage der Psychopathenfürsorge konnte mitgeteilt werden, daß erfreulicherweise sowohl in den Kreisen der Lehrer, wie der Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen das Interesse für diese Spezialausgaben im ständigen Wachsen begriffen ist, und daß eine Reihe von Anmeldungen zur Spezialausbildung in der Psychopathensürsorge vorliegen. Die Zentralwohlfahrtsstelle wird bemüht sein, durch Ausbildungszuschüsse, die sie entweder selbst geben oder vermitteln kann, diese Bestrebungen möglichst zu fördern. Ebenso ist sie zu eingehender Auskunftserteilung für die Ausbildungswege und -Möglichkeiten bereit. Sodann wurde die Frage der Beratungsstellen für Heilerziehung eingehend besprochen und auf die Notwendigkeit ihrer Einrichtung, gegebenenfalls in Angliederung an die bestehenden Einrichtungen der allgemeinen Psychopathenfürsorge hingewiesen. Ein Verzeichnis der bestehenden Beratungsstellen — bei denen auch eine Umfrage über ihre Tätigkeit und deren Ergebnisse eingeleitet ist — wird veröffentlicht werden. Schließlich wurde von den Plänen der Errichtung eines Heilerziehungsheims Mitteilung gemacht und eine besondere Sachverständigenkommission für Psychopathenfürsorge gebildet, der insbesondere Rabbiner, Anstaltsleiter, Lehrer und Fürsorgerinnen angehören werden. In der Frage der Gefangenenfürsorge ist eine Abgrenzung der Arbeit mit dem „Sozialen Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes" dahin erfolgt, daß diesem die seelsorgerische der Zentralwohlfahrtsstelle bzw. den zuständigen Wohlfahrtsstellen im Reiche die fürsorgerische Arbeit obliegt. Die seelsorgerische und sürsorgerische Arbeit soll in dauerndem engen Zusammenwirken untereinander, vor allem aber mit allen Organisationen der allgemeinen Gefangenen- und Strafentlassenenfürsorge tätig sein. Diese Notwendigkeit der Zusammenarbeit gilt natürlich ebenso für alle anderen Gebiete der Gefährdetenfürsorge. Im übrigen sind die Zentralwohlfahrtsstelle und der Soziale Ausschuß des Rabbinerverbandes zur Zeit mit der Aufstellung von Verzeichnissen der in Frage kommenden Strafanstalten und Gefängnisse mit Angabe der für sie zuständigen Rabbiner und jüdischen Wohlfahrtsstellen, sowie allgemeinen Gefangenenfürsorge-Organisationen beschäftigt. Endlich wird ein Merkblatt für die Durchführung der Arbeit aufgestellt. Auf dem Gebiet der Reform der Fürsorgeerziehung konnte über das Fortschreiten der Arbeiten sowohl bezüglich der Anstalten für männliche, wie für weibliche Jugendliche berichtet werden. Die Reformarbeiten sind noch nicht zum Abschlüsse gelangt, so daß auf diese Frage später eingehend zurückgekommen werden muß. Schließlich beschäftigte sich die Arbeitsgemeinschaft noch mit der Delegation zur Konferenz über Fragen des Mädchenschutzes und Mädchenhandels in London im Juni d. I. Die zu entsendenden Vertreter werden mit den beteiligten Organisationen voraussichtlich noch kurz vor der Londoner Konferenz zu einer Beratung in Berlin zusammentreten. ruberkulosenlürsorge Bericht über die Tätigkeit der Jüdischen Tuberkulofenfürsorge für das Jahr 1928 Die Arbeit erstreckte sich in der Hauptsache darauf, Tuberkulosekranken durch Bereitstellung der erforderlichen Mittel den notwendigen Aufenthalt in einer Heilstätte oder einer Krankenanstalt zu ermöglichen. Der sogenannte „Offene Fonds", der von der Arbeitsgemeinschaft 1925 zu diesem Zweck geschaffen worden ist, erwies sich auch weiterhin als überaus segensreiche Einrichtung. 1926 wurden der Jüdischen Tuberkulosenfürsorge 187 Fälle gemeldet, von denen in 111 Fällen Beihilfen zu Heilstättenkuren gewährt wurden. Für diese 111 Patienten wurden JL 20 296.50 ausgegeben, so daß durchschnittlich auf einen Patienten eine Beihilfe von JL 183.— entfiel. Da die Kurdauer durchschnittlich auf drei Monate vorgesehen ist, und die Kosten für einen Monat ungefähr JL 200.— betragen, so hat die Tuberkulosenfürsorge, so wie sie es auch in ihren Richtlinien vorgesehen hat, etwa ein Drittel der entstehenden Kurkosten gedeckt. An dieser Stelle muß bemerkt werden, daß die Durchprüfung der Gesuche durch die Jüdische Tuberkulosenfürsorge zur Folge hatte, daß die lokalen Quellen, vor allen Dingen die Möglichkeiten, durch Versicherungsträger, durch die städtischen Wohlfahrts- und Gesundheitsämter Kurbeihilfen zu erlangen, viel stärker ausgenützt wurden, als es früher der Fall war. Wir Haben in sehr vielen Fällen die kleineren Gemeinden und Organisationen erst darüber aufgeklärt daß sie Versicherungsträger und öffentliche Für-