Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Article
- Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 104 (sequence 5)
- Language
- German
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104 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Theafinersfraße 7i Graf-Arco - Palais Neue Modelle Kosfüme - Kleider Mänfel - Pelze Vornehmste Maß-Anfertigung Handlungen im Sinne der Wünsche, die uns entgegengebracht worden sind, zu führen und den Erwartungen, die an sie geknüpft werden, zu entsprechen. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist die Wahl von zwei Mitgliedern des Rats und Ersatzmännern für sie. Die, Tagung hat zwei Persönlichkeiten zu bestimmen, die in den Rat einzutreten haben. Es sind hierfür vorgeschlagen Herr Kommerzienrat Braunschweiger (Würzburg) und Herr Katzenberger (Nürnberg). Wenn sich kein Widerspruch erhebt, dann nehme ich an, daß Sie, der Wahl der in Vorschlag gebrachten Herren zustimmen. Da sich kein Widerspruch erhebt, stelle ich fest, daß Herr Kommerzienrat Braunschweiger und Herr Katzenberger in den Rat gewählt sind. Was die Ersatzleute betrifft, so wird als Ersatzmann für Herrn Katzenberger Herr Justizrat Dr. Feuchtwanger (München) vorgyschlagen. Erhebt sich hiergegen Widerspruch? Ich stelle fest, daß das nicht der Fall ist. Herr Justizrat Dr. Feuchtwanger (München) ist somit als stellvertretendes Ratsmitglied gewählt. Auf die Wahl des zweiten Ersatzmannes werden wir morgen zurückkommen, da hierfür bisher kein Vorschlag vorliegt. Ich stelle weiter fest. Laß die drei gewählten Herren die Wahl angenommen haben. Ich danke Ihnen dafür. Sie, sind uns keine Unbekanten, sie haben bisher schon mit uns zusammengearbeitet. Ich freue mich, daß Sie von der Tagung dazu ausersehen sind, nunmehr im Rat zu wirken. Wir verlassen nunmehr diesen Punkt der Tagesordnung und ich bitte Herrn Rabbiner Dr. Behrens das Wort zu nehmen zu seinem religionswissenschaftlichen Vortrag. Rabbiner Dr. Behrens (Fürth): Hochgeehrte Versammlung! Meine Damen und Herren! Die altehrwürdige Israelitische Kultusgemeinde Fürth, reich an Erinnerungen, ausgezeichnet durch eine weit in die Vergangenheit zurückgreifende Geschichte, hat durch den Mund ihres Vorsitzenden der Verwaltungskörperschaften Ihnen Gruß und Willkommen in ihren Mauern entboten. Sie weiß die Ehre zu schätzen, daß der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden ihrer Einladung gefolgt ist, und sie darf es als ein wertvolles Moment ansehen, daß gerade in diesem Saale die Eröffnung der Tagung ihren weihevollen, denkwürdigen Auftakt empfängt. Verknüpft sich doch mit dieser Stätte die Erinnerung an die großzügige und hochherzige Gesinnung, die einen Sohn unserer Stadt und unserer Gemeinde einst bewog, dieses Haus den edelsten Bildungsbestrebungen der Volksgemeinschaft zu widmen, verbindet sie doch mit dieser Schöpfung das befreiende Bewußtsein, daß von der friedlichen Stille dieses Raums eine Fülle des Segens, der Anregung und der geistigen Kraft in alle Kreise unserer Heimatstadt strömen und alle divergierendm Strömungen und Strebungen glücklich und friedvoll überwinden. Die Stiftung dieses schlichten Volksbildungsheims, so sehr sie das Werk eines Mannes ist, so sehr entspringt sie doch der Geistesrichtung und der Zielrichtung, die uns im besonderen Maße, durch Überlieferung und Erziehung vertraut ist, das Band der Gemeinschaft zu festigen durch wirksame Mitarbeit an der lebendigen Gegenwart, durch die schöpferische Tat, die weit über den flüchtigen Augenblick schwärmender Begeisterung hinausreicht, durch die, wohltuende Gabe des Geistes und des Herzens, die freudig sich in den Dienst der größeren Gesamtheit stellt. Unter dem Eindruck dieser Tat, die aus der Regung des Herzens, aus dem unmittelbaren sittlichen Antrieb ihren Adel empfing, kann niemand der Botschaft sich entziehen, die aus dem stillen Zeugnis edler Menschlichkeit uns zur Arbeit ruft: „Der Ort, auf dem du stehest, ist geheiligter Boden." In diesen Rahmen fügt sich ungezwungen das, was in diesen Tagen die Versammlung des Rats und der Tagung bewegen wird: Die Festigung der Gemeinschaft durch den Aufbau der Gemeinde, dieser Keimzelle ihres Daseins, die Schaffung der Satzung, die das einigende Band schlingen soll um die kleineren und größeren Kreise, der durch Schicksal und seelische Verflochtenheit zueinander geeinten Glaubensgemeinde. Die edelsten Bestrebungen, die der bedeutsamen Arbeit dieser Tagung die tiefere innere Kraft geben werden, werden erst fruchtbar sich erweisen, wenn die uralten Bindungen sich verjüngen und erneuern, die Ausgang und Ziel alles jüdisch gemeindlichen, gemeinsamen Lebens sind und in allen Wandlungen der Zeiten, in allem Wandel durch die Zeiten, sich als zuverlässig bewährt haben: Thorah und Abodah, das Ideal religöser Lehre und religiös-sittlichen Wandels im Geiste des Judentums will uns als eine der ältesten Forderungen und Umgrenzungen jüdischen Gemeinschaftsschaftslebens erscheinen, während das dritte Glied in der alten Kette die Betreuung des Wohlfahrtswesens „Gemillus Chaffadim", wohl dem Impuls und dem Antrieb der Gemeinde anvertraut ist, aber doch bis in die organisationsfreudige Gegenwart hinein so sehr eigene und eigenwertige Wege gegangen ist, daß sie der persönlichen Initiative weite Ausblicke und reiche Möglichkeiten eröffnet, die im Dienste der werktätigen Nächstenliebe unentbehrlich sind. Wir glauben darum unter Ausschaltung dieses weit ausgreifenden, öffentliche und private Arbeit miteinander verknüpfenden Gebietes, Thorah und Abodah allein in den Kreis unserer heutigen Darlegungen ziehen zu sollen. Wie alle religiösen Zeugnisse, die das Wahrzeichen, das Siegel der Wahrheit, de,r Göttlichkeit an der Stirne tragen, kann die Thorah, die Lehre Israels, auf eine uralte Geschichte sich berufen. Weit über den unmittelbaren Kreis, dem zu dienen sie ursprünglich bestimmt war, ist sie uns durch Erziehung vertraut, durch Überlieferung bekannt, durch ihren Einfluß entscheidend geworden, durch die Stimmung besonders teuer, die mit ihrem innersten Wesen mitschwingend uns und unserem Erinnern sich verknüpft. Denn sie hat in ihrem Umkreise überall da, wo sie schöpferisch und fruchtbar werden konnte, die Treue,, der Tradition und darum die Tradition der Treue geschaffen. Sie begnügt sich nicht mit einer Theorie, die einem bestimmten Zeitalter galt, mit Persönlichkeiten und Jdealgestalten, die weit über das Maß der natürlichen Anschauungen hinausragen, sondern sie schöpft aus der Unmittelbarkeit des Lebens jene Bilder verehrungswürdiger Männer und Frauen, die aus dem natürlichen Boden der Heimat herauswachsend, im Kamps um die Heimat ihres Geistes, um das Neuland ihrer Seele in nie versagender Gottesfurcht, in tapferer Treue, in fest wurzelnder sittlicher Kraft ihren Frieden finden. Die Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Glaubens und des Lebens, die ihre Schritte beflügelt, ihre Tat adelt, ihre Menschlichkeit umrankt, hat zu allen Zeiten eine starke Anziehungskraft auf das empfängliche Gemüt, auf das sittliche Empfinden ausgeübt, die lebendigste Illustration zu den strengen, zu den berechtigten Satzungen und Lehren, die die Thorah Israels ihren Bekennern geboten hat. Weisheit und Einsicht von ihr geformt und vertieft strahlen von ihr aus und überhöhen das Wissen, das bei aller Schätzung seines Inhalts die Gefahr der nur formalen Aneignung nicht unter allen Umständen verhindern kann. Ist schon die Thora sorglich bedacht