Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Article
- Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 102 (sequence 3)
- Language
- German
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102; Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 dische Landtagsabgeordnete ist in der Person des Fürther Dr. David Morgenstern im Jahre 1849 nach München entsandt worden. Auch die Fürther Bevölkerung ist sich bewußt geworden, daß ihre jüdischen Mitbürger ihre staatsbürgerlichen und sozialen Pflichten in gleicher Weise wie sie selbst erfüllten, ein Umstand, der auch im gesellschaftlichen Leben und in frühzeitiger Assoziation jüdischer und nichtjüdischer Kaufleute befriedigendst Ausdruck gesunden hat. Wohl haben die Wühlereien der Nachkriegszeit hierin bedauerliche Wandlung gebracht und auch die Fürther Judenschaft ist nicht von den Stürmen der antisemitischen Bewegung verschont geblieben: bei der Einstellung unseres verehrten Stadtoberhauptes jedoch, seiner Kollegen, des Stadtrates, wie auch des Leiters der Fürther Staatspolizei und bei dem gesunden Sinn des weitaus größten Teils der nichtjüdischen Bevölkerung unserer Stadt, darf mit Sicherheit erwartet werden, daß allseitig alles aufgeboten wird, um jene von auswärts hereingetragene Bewegung rasch wieder verschwinden zu lassen und damit das traditionelle angenehme Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in unserer Stadt wieder ne-u zu fördern. Das Verhältnis der Fürther Juden zur Gesamtbürgerschaft, zu städtischen und staatlichen Einrichtungen, ist ein Schulbeispiel für das Verhalten der gesamten deutschen jüdischen Bevölkerung zum Staat; es ist heroorgegangen aus gegenseitiger Wertschätzung, aus Würdigung des gemeinnützigen Wirkens jüdischer Bürger für die Gesamtheit; möge ein gleiches Verhältnis sich in unserem gesamten Bayernland, im großen Deutschland herausbilden; dann wird das aufrichtige Streben der deutschen Juden, am Wiederaufbau Deutschlands kräftigst Mitarbeiten zu können, erheblich gefördert werden und für unser deutsches Vaterland, dem wir deutsche Juden in gleicher Liebe und Treue anhängen, wie unsere nichtjüdischen Volksgenossen, eine Zeit kommen, in der allen Deutschen, ohne Unterschied des Glaubens, Gelegenheit gegeben ist, ihre ganze Kraft, ihre ganzen Fähigkeiten zum Wohls der Gesamtheit einzusetzen. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden ist wohl eine rein jüdische Einrichtung: sie hat aber nicht nur den Zweck, leistungsschwachen Gemeinden, bedürftigen Witwen und Waisen von Rabbinern, Beamten und Lehrern die Existenzmöglichkeit zu sichern; unser Verband ist auch der Vertreter der bayerischen Juden bei den bayerischen Staatsbehörden, die seinen Bestrebungen immer mit wohlwollendster Sympathie gegenüber gestanden Haben; der Verband hat in allen seinen Tagungen dies auch rückhaltslos anerkannt und bei jeder Gelegenheit vaterländische Gesinnung bekundet; möge der gleiche Geist auch in der heutigen Tagung herrschen, unsere Liebe zum Judentum auch fernerhin mit unserer Liebe zum bayerischen und deutschen Vaterland innigst vereint bleiben können. In diesem Sinne begrüße ich nochmals die Mitglieder des Rats und der Tagung auf das Herzlichste; möge ein gütiges Geschick Ihren Beratungen seinen Segen verleihen! ObstLGR. Pros. Dr. S i l b e r s ch m i d t: Sie haben durch Ihren Beifall bereits gezeigt, wie sehr Ihnen die Worte unserers verehrten Herrn Kommerzienrat Bechmann zu Herzen gegangen sind. Herr KR. Bechmann konnte, mit Stolz Hinweisen auf die Leistungen der jüdischen Gemeinde Fürth und ihrer Mitglieder sowie das gute Einvernehmen, das stets gegenüber den Mitbürgern in Fürth und den städtischen Behörden bestanden und das die Voraussetzungen für das Blühen und Gedeihen der Fürther jüdischen Gemeinde geschaffen hat. Ich danke Herrn Kommerzienrat Bechmann für die herzlichen Worte der Begrüßung, danke auch nochmals der Stadt Fürth für das Verständnis und Wohlwollen, das sie stets auch für ihre jüdischen Bürger gezeigt hat. ORR. Mezger: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Im Auftrag des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus und des Herrn Unterrichtsministers darf ich dem Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu seiner Tagung 1927 zugleich mit dem Dank für die ergangene, Einladung die besten Grüße übermitteln. Die klare Linie einer geradlinigen Entwicklung, die ich im Vorjahre aus Anlaß der Augsburger Tagung als besonderes Merkmal der Verbandsgeschichte Herausstellen durfte, hat. soweit ein Außenstehender ein Urteil sich .gnmahen darf, der Verband im verflossenen Jahre weiter eingehalten. Ich kann mit Genugtuung feststellen, daß die Arbeit und die öffentliche Betätigung des Verbandes auch in diesem Jahresabschnitt das Vertrauen in jeder Weise gerechtfertigt haben, das die, bayerische Staatsregierung zu dem Verbände hegt. Was allein die Tatsache bedeutet, daß das Judentum in Bayern nunmehr über eine öffentliche Organisation verfügt, die die Belange des Judentums im Staatsleben zu vertreten nicht nur äußerlich, satzungsgemäß, sondern getragen von dem Vertrauen aller Richtungen mit innerem Recht den Anspruch erheben darf, das kann nur der ermessen, der sich in die früheren Zeiten zurückversetzt. Aus diesem Grunde bringt das Staatsministerium für Unterricht und Kultus den Beratungsgegenständen der Verbandstagung 1927 reges Interesse entgegen und erhofft sich von dem Geiste bewußter Einigkeit, der seither das Merkmal der Verbandstagungen war, von ihren Verhandlungen weitere Förderung und innere Stärkung des Verbandes. Aus solcher Anteilnahme heraus darf ich der Fürther Verbandstagung für ihre Beratungen und dem Verband selbst für seine Weiterentwicklung die besten Wünsche entbieten. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt: Ihr lebhafter Beifall zu den Worten, die Sie soeben vernommen haben, stimmt zusammen mit den Gefühlen, die mich bewegen. Wir danken Herrn ORR. Mezger für die Grüße, die e,r uns von dem Herrn Minister überbracht hat und wir bitten ihn, der Dolmetsch unserer Gefühle zu sein und dem Herrn Unterrichtsminister unseren Dank zu übermitteln. Wir danken auch Herrn Oberregierungsrat selbst für seine freundlichen Worte, mit denen e,r die bisherigen Leistungen des Verbands anerkannt und der Hoffnung Ausdruck gegeben hat, daß die Arbeit des Verbandes in Zukunft in gleicher Weise fruchtbringend sein möge. Und wenn Herr ORR. Mezger von der Einigkeit, die die bisherige, Tätigkeit des Verbandes ausgezeichnet hat, sich besondere Förderung für die Weiterentwicklung versprochen und dem Ausdruck gegeben hat, so danke ich ganz besonders dafür und betone, daß wir stets bemüht sein werden, die Einigkeit in unseren Reihen aufrechtzuerhalten. Und ich gestatte mir nochmals, Herrn ORR. Mezger für seine Worte zu danken. ORR. Dr. Broker: Hochansehnliche Versammlung! Seitens des Herrn Regierungspräsidenten und der Regierung von Mittelfranken ist mir der ehrenvolle Auftrag zuteil geworden, den Verband im Regierungsbezirk Mittelfranken bei seiner Tagung zu begrüßen und herzlichst willkommen zu heißen. Zugleich bin ich vom Herrn Präsidenten beauftragt, namens der Kreisregierung den Dank für die freundliche Einladung zur heutigen Versammlung zu übermitteln. Gerade die Regierung von Mittelfranken birgt in ihrem Bereich eine Reihe hochangesehener Kultusgemeinden, die sie in ihren weltlichen Angelegenheiten mit zu betreuen hat. Da ergibt es sich ohne weiteres als eine Selbstverständlichkeit, daß auch die Regierung von Mittelfranken Ihren Beratungen lebhaftes Interesse entgegenbringt und dieselben mit aufrichtiger Teilnahme verfolgt wird. Sie entbietet Ihnen dm Wunsch, daß die Verhandlungen von Einigkeit und Entschlußfreudigkeit getragen sein mö- Benno Sarsky Täglich künstlerische Darbietungen mit Tanz / Kein Weinzwang / Eintritt frei Theatinerstraße 16 «Telephon 26285 J. ZUBERBÜHLER spielt mit seiner Elite-Kapelle Konzert und Jazz Von 4 bis 6 Unr da« gute Nachmittags-Cafe Wintergarten