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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · p. Seite 101

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Article
Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
Date
1927-04-15
Page
Seite 101 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 101 UNS zur Verfügung gestellt und unsere Bestrebungen in fruchtbringender Weise gefördert. Auch sein Andenken soll gesegnet sein. Sie haben sich zur Ehre unserer teuren Verstorbenen von Ihren Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen. Und nun von den Toten zu den Lebenden. Der Verband ist stolz aus das Interesse, das seine Tagung auch außerhalb unseres Kreises gefunden hat. Wir danken insbesondere dem Herrn Staatsminister für Unterricht und Kultus, Goldenberger, für das Interesse, das er stets unseren Beratungen entgegengebracht und das er heute, von neuem dadurch bekundet hat, daß er Herrn ORR. Mezger als seinen Vertreter zu unseren Beratungen abgeordnet hat. Herr ORR. Mezger ist dem Verband B.J.G. kein Fremder. Ich darf ihn wohl als einen lieben Freund des Verbandes bezeichnen. Er ist ständiger Referent für die Angelegenheiten des israelitischen Bekenntnisses im Ministerium für Unterricht und Kultus und er hat uns seinen Rat und seine Hilfe niemals versagt. Herr ORR. Mezger hat stets für unsere Bestrebungen ein seltenes Verständnis gegeigt und uns stets das größte Wohlwollen entgegengebracht. Ich begrüße daher Herrn ORR. Mezger aufs herzlichste. Wir danken auch der Kreisregierung von Mittelfranken für ihr Interesse an unserer Tagung, das sie durch die Abordnung des Herrn Vorstands des Bezirksamts Fürth, ORR. Broker, zum Ausdruck gebracht hat. Wir begrüßen Herrn ORR. Broker in unserer Mitte und freuen uns, daß er unseren Verhandlungen beiwohnt. Wir begrüßen ferner als Vertretung dieser gastgebenden Stadt, der Stadt, in deren Mauern heute der Verband sich versammeln durfte, Herrn Oberbürgermeister Dr. Wild und die mit ihm erschienenen Mitglieder des Stadtrates. Die Stadt Fürth hat jahrhundertelang ihren jüdischen Bürgern de>n gleichen Schutz und die gleiche Fürsorge bewiesen wie allen ihren Bürgern. Freude und Dank erfüllt uns daher, daß unsere heutige Tagung in den Mauern Fürths stattsindet. Wir danken dem Herrn Oberbürgermeister und den Herren des Stadtrates, daß sie in unserer Mitte erschienen sind. Ich begrüße weiter als den Vertreter des Polizeiamts Herrn RR. Scholz. Auch ihn heißen wir in unserem Kreise herzlichst willkommen. Wir begrüßen ferner alle, die durch ihr Erscheinen ihr Interesse an unseren Verhandlungen beweisen. Wir begrüßen die Mitglieder der Kultusgemeinde Fürth, die Bürger der Stadt Fürth und alle, die von auswärts gekommen sind, um unseren Beratungen beizuwohnen. Ich habe noch die Ehre Herrn Landtagsabgeordneten Eisenbeis zu begrüßen und möchte dabei meiner Freude Ausdruck geben, daß auch ein Mitglied unseres Landtags sein Interesse an unseren Beratungen durch persönliches Erscheinen bekundet. Ich heiße alle Erschienenen herzlich willkommen und danke ihnen. Vor allem aber danke ich der Kultusgemeinde und dem rabbinischen Vertreter der Gemeinde, bei der wir heute zu Gaste sind. Ich danke insbesondere dafür, daß alle Vorbereitungen für die Tagung in prächtigster Weise getroffen worden sind, mein Dank gilt insbesondere dem Vorstand der Gemeinde, Herrn Kommerzienrat Bechmann sowie Herrn Rabbiner Dr. Behrens und allen, die hierbei mitgeholfen haben. Nun wollen wir unsere Beratungen eröffnen. Mit Gottes Hilfe wollen wir sie in einer Weise führen, daß sie zum Segen gereichen sollen dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der gesamten bayerischen Judenheit und unserem bayerischen und deutschen Vaterlande. (Beifall!) K.R. Bechmann (Fürth): Hoher Rat, Hohe Tagung, sehr verehrte Gäste, werte Gemeindeangehörige! Die Gemeinde Fürth erachtet es einerseits als eine besondere Auszeichnung, daß die diesjährige Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Fürth anberaumt wurde, anderseits als eine Anerkennung der Bedeutung der Fürther Gemeinde innerhalb der Entwicklung der Geschichte der Juden in Bayern. Die Gemeinde Fürth kann auf eine 400jährige Vergangenheit zurückblicken und wenn sie auch im Laufe der Jahre viele Stürme erlebt, viele Anfeindungen über sich ergehen lassen muhte, so ist doch im Gegensatz zu fast allen übrigen bayerischen Gemeinden keinerlei Unterbrechung in ihrer Entwicklung eingetreten. Im Jahre 1528 ist der erste Jude in Fürth ansässig geworden, seitdem haben immer Juden hier gewohnt und zu Zeiten, wo im allgemeinen Juden schweren Bedrückungen ausgesetzt waren, haben Fürther Juden unter den Markgrafen von Ansbach und den Bamberger Erzbischöfen Stellungen eingenommen, die sie über das Niveau der Gesamtjudenschaft weit emporgehoben haben. In alter Zeit waren es die Dienste, die sie ihren Schutzherrn leisteten, später ihr Eintreten für allgemeine Wohltätigkeit, für Förderungen der Interessen der politischen Gemeinde, das den Fürther Juden eine bevorzugte Stellung gegenüber den Juden in anderen Gemeinden geschaffen hat. Durch den Umstand, daß die Fürther Judenschaft seßhaft sein konnte, hat sie schon frühzeitig außer den im allgemeinen den Juden zugewiesenen Geldgeschäften auch Handel in Waren aller Art betreiben und verhältnismäßig sehr bald auch an der Industrie sich beteiligen können. — Fürther jüdische Kaufleute haben schon frühzeitig den Namen der Stadt Fürch ins Ausland getragen und sind damit zu Pionieren des Deutschtums im Ausland geworden: die Bronzefabriken, Spiegelglasfabriken, Spielwarenexportgeschäfte, die vielfach von Juden betrieben wurden, haben schon seit etwa einem Jahrhundert die Konsumenten Fürther Artikel im europäischen und überseeischen Ausland aufgesucht, haben verschiedentlich durch ihre Söhne Filialen im Ausland errichtet und damit dem deutschen Namen weiteste Verbreitung gegeben. Auch ihren Sinn für Wohltätigkeit haben die Fürther Juden jederzeit hochgehalten und mit Befriedigung dürfen wir konstatieren, daß außerordentlich viele Wohlfahrts- und kulturelle Einrichtungen unserer Vaterstadt durch Fürther Juden erstellt worden sind; die Einrichtung der Simonpreise für gewerbliche Lehrlinge und Geisellen ist durch Dr. Wilhelm Königswarter ins Leben gerufen worden, die Lungenheilstätte ist durch die Brüder Sigmund und Ludwig Neumann geschaffen worden, das Nathanstift für Wöchnerinnen- und Säuglingspflege ist eine Stiftung des besonderen Wohltäters unserer Stadt, Geheimen Hofrat Alfred Nathan, das Berolzheimerianum, in dem wir heute versammelt sind, ein Volksbildungsheim, ist eine Stiftung des Kommerzienrats Heinrich Berolzheimer, die Krautheimerkrippe ist durch Nathan Krautheimer, die Ferien- und Waldkolonien durch Geheimrat Theodor Löwensohn, die Walderholungsstätte durch Kommerzienrat Max Eiermann be-, gründet, der Grundstock zur Errichtung des Monumentalbrunnens am Fürther Bahnhofvorplatz durch Stiftungen des bereits erwähnten Dr. Wilhelm Königswarter und des Kaufmanns I. P. Morgenstern geschaffen worden; viele andere gemeinnützige Stiftungen — ich erwähne nur noch die Stiftung für Kleinwohnungen durch Kommerzienrat Schwarzenberger, die Stiftung des ersten Freibetts im Kinderspital durch Anton Dünkels — sind durch jüdische Wohltäter errichtet worden, die damit alle chre Befriedigung über das harmonische Zusammenleben ihrer Glaubensgenossen mit der nichtjüdischen Bürgerschaft zum Ausdruck bringen wollten. Dabei hat man aber auch rein jüdische Wohlfahrtsanstalten zu schaffen, keineswegs übersehen; so wurde u. a. das israelitische Waisenhaus, das einzige derartige Institut in Bayern, das jüdische Pfründner- und Krankenhaus, das einzige in Nordbayern, das wir gerade in jüngster Zeit modernisiert und teilweise auch Kranken aller Konfessionen zugänglich gemacht haben, die israelitische Realschule in der Kindern orthodoxer Eltern Gelegenheit gegeben ist, neben den Kenntnissen der staatlichen Mittelschulen auch noch besondere Kenntnisse im Hebräischen und den jüdischen Wissenschaften sich anzueignen, und weiter zum ehrenden Andenken an den großen jüdischen Gelehrten Gabriel Riester, die Gabriel Riesser'sche Stipendienstiftung für jüdische Studierende errichtet. Die Stadt Fürth hat die Verdienste ihrer Mitbürger auch voll gewürdigt und verschiedene jüdische Wohltäter, wie Dr. Wilhelm Königswarter, Geheimen Hofrat Alfred Nachan, Kommerzienrat Heinrich Berolzheimer, außerdem auch den langjährigen Vorsitzenden des Gemeindekollegiums, prakt Arzt Dr. Samson Landmann, zu Ehrenbürgern ernannt; erwähnt darf hier auch werden, daß der in Fürth noch heute bestehende Gewerbeverein, eine Schöpfung des Rabbiners Dr. Löwy ist, der solchen gemeinsam mit Kaufmann Daniel Ley und Medizinalrat Dr. Fronmüller im Jahre 1843 ins Leben rief. Auch die hohe Staatsregierung hat das gemeinnützige Wirken der Fürther Juden schon frühzeitig durch mannigfache, Ehrungen gewürdigt; sie hat im Jahre 1834 Dr. Grünsfeld in Fürth zum ersten bayerischen jüdischen Rechtsanwalt, den Bankier Salomon Berolzheimer, der im Jahre 1851 schon dem städtischen Gemeindekollegium angehörte und viele Jahre den Vorsitz im Fürther Bezirksgremium einnahm, im Jahre 1863 zum ersten jüdischen Handelsrichter, Dr. Ignaz Orteyau in Fürth, am 1. Juli 1862 zum ersten jüdischen Notar in Bayern ernannt; auch der erste bayerische jü-

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