Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
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100 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 2. ein Siegelring mit hebräischer Inschrift und den Insignien des Leviten st ammes, 3. ein Siegelstock mit dem Jnnungszeichen der „Seiler". Die beiden letzten Stücke entstammen einer jüdischen Familie in Weigenheim, die etwa hundert Jahre lang das Seilerhandwerk betrieb und deren Mitglieder heute noch die „Seiler" genannt werden. Auf dem Tische stehen ferner drei schön gedrehte Messin gleuchter aus der früheren Synagoge in Obernzenn und eine „Ze d o k o h - B ü ch f e", die ehemals in keinem jüdischen Hause fehlte. Als bemerkenswert sei noch erwähnt ein sehr alter „S ch o f a r", Widderhorn, verwendet beim Gottesdienst des Neujahrsfestes, ferner eine „Megillo" im Holzfutteral, in Form einer Thorarolle, das Buch Ester enthaltend. Schließlich erregt noch eine mehrere hundert Jahre alte „P e f a ch - H a g a d a" in Grohfolio, mit Bildern verziert, in Sulzbach gedruckt, unsere besondere Aufmerksamkeit. Leider ist das wertvolle Exemplar sehr stark beschädigt. So begrüßenswert die Errichtung solcher jüdischer Abteilungen in bestehenden Provinz- oder Bezirksmuseen auch sein dürfte, insbesondere, we.il sie zur Aufklärung und Beseitigung mancher Vorurteile in ländlichen, nichtjüdischen Kreisen beitragen, so kann das Uffenheimer Vorbild doch nicht zur Nachahmung empfohlen werden. Die Gefahr einer Zersplitterung ist zu groß, wenn jüdische Altertümer, die doch gemeinsames Jdealgut der jüdischen Gesamtheit sein sollte, zwar pietätvoll verwahrt, aber ihres Zusammenhangs beraubt und in einer Anzahl entlegener Städte verstreut sind. Alle Museen haben neben dem der Besichtigung gesammelter Kunstschätze doch auch einen anderen — und zweifellos den wichtigsten — Zweck: Der Wissenschaft und Belehrung zu dienen. Daß er hauptsächlich nur erreicht wird in der vom Fremdenstrom umfluteten Großstadt, dort wo sich Universität und Staatsbibliothek, Bildergalerien, berühmte Kunstsammlungen aller Art befinden, ist ohne weiteres klar. Dasselbe, gilt, nur in noch höherem Maße, für jüdische Museen. Deshalb sollten von nun an alle Reliquien unserer heimischjüdischen Kultur, Geschichte und Kunst, soweit sie nicht schon eine Heimstätte in Museen gefunden haben, in ein Zentralinstitut gebracht werden, dessen Sitz für unsere, engere Heimat naturgemäß nur Bayerns Landeshauptstadt sein könnte. Die Erörterung dieses Projekts, der Gründung eines jüdischen Museums in München, soll einem weiteren Artikel Vorbehalten sein. vericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes vayerischer Israelitischer öemeinden am 13. und 14. März 1927 in §ürth Eröffnungssitzung am Sonntag, dem 13. März 1927, mittags 12 Uhr, im Derolzheimerianum OLGR. Dr. Neumyyer: Nach § 12 der Verfassung des Verbandes B.J.G. eröffne ich die Tagung des Verbandes für den zweiten Wahlabschnitt. 1. Punkt der Tagesordnung ist die Wahl des Büros. Es ist hierzu der Antrag eingegangen, das Amt des 1. Vorsitzenden ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München) zu übertragen und als stellvertretende Vorsitzende RA. Dr. Silberschmidt (Bad Kissingen) und IR. Dr. Haas (Würzburg), ferner als Schriftführer Bankier Wassermann (Bamberg) und David Lehmann (Fürth) zu wählen. Ich frage die Tagung, ob sie, mit der Wahl dieser Herren einverstanden ist. Es erhebt sich kein Widerspruch. Ich stelle fest, daß das Büro gewählt ist und möchte dabei meiner besonderen Freude Ausdruck geben, daß die verdienten Männer wiedergewählt sind, die unsere Tagung durch fünf Jahre geführt haben. Meiner ganz besonderen Freude möchte ich Ausdruck geben, daß an die Spitze der Tagung wieder der von uns allen hochverehrte ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt tritt. Ich bitte Herrn ObstLGR., den Vorsitz in der Versammlung zu übernehmen. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt: Bevor sich die Versammlung als konstituiert erachten kann, darf ich ersuchen, daß die Herren RA. Dr. Silberschmidt (Kissingen) und IR. Dr. Haas (Würzburg) sowie Wassermann (Bamberg) und Lehmann (Fürth) am Präsidententisch Platz nehmen; ich freue mich, daß wir wieder Zusammenarbeiten können. Wir danken der Tagung für das Vertrauen, das sie uns entgegengebracht hat. Der heutige erste Zusammentritt der 2. Tagung leitet einen neuen Abschnitt in der Geschichte des Verbandes ein. Wenn der erste Wahlabschnitt gewidmet war der Schaffung der Grundgesetze des Verbandes, wenn er den Zweck hatte und in glücklichster Weise erreicht hat, dem Verbände seine Verfassung zu geben, die Rechte der Rabbiner, der Lehrer und der sonstigen Beamten der Gemeinden zu sichern und wenn der erste Abschnitt es weiter erreicht hat, daß wir dieses Beamtenrecht in vorbildlicher Weise ausgebaut haben — all das auf Grundlage der Vorarbeiten und Entwürfe, die unser allverehrter Führer in nie rastender Aufopferung gemacht hat — wenn der erste Abschnitt das erreicht hat, so kann der zweite Abschnitt zu neuen Aufgaben übergehen. Diese neuen Aufgaben bestehen darin, den Gemeinden, als den Grundzellen des Verbandes, das Rüstzeug für die Neuordnung ihrer' eigenen Verfassungen zu geben. Der Verband hat es von Anfang an im Bewußtsein, daß die Gemeinden in freiem Zusammentritt dm Verbands geschaffen haben, abgelehnt, die Gemeinden über das hinaus, was sie freiwillig übernommen haben, in ihren Rechten beschränken zu wollen. Die Gemeinden sollen und müssen ihre Angelegenheiten selbständig verwaltm innerhalb des Rahmens, der ihnen zugewiesen ist und der Verband hat die wichtige Aufgabe, ihnen dabei beratend zur Seite zu stehen, ihnen Mustersatzungen zu geben, die sie in den Stand setzen, sich ihr eigenes Haus, so wie sie es für richtig halten, zu zimmern. Das wird die wesentlichste Aufgabe des zweiten Wahlabschnittes und insbesondere der heutigen Tagung sein. Und zu diesem Werke heiße ich die hier Versammelten, heiße ich vor allem die Mitglieder der Tagung und des Rats herzlich willkommen. Möge sich die heutige Tagung würdig anschließen an die Tagungen des ersten Wahlabschnittes, möge ihr Verlauf Zeugnis oblegen von der gleichen Einigkeit, wie sie die Tagungen des ersten Wahlabschnittes so glänzend gezeigt haben. In das Willkommen, das ich Ihnen entbiete, mischt sich ein Gefühl, dem ich an erster Stelle Ausdruck geben muß, das Gefühl des Bedauerns und des Schmerzes, daß wir nicht alle, die der vorigen Tagung angehört haben, heute wieder sehen können. Der Wechsel der Mitglieder ist ein Moment, das sich aus den Verhältnissen eines so großen Verbandes ergibt. Mögen auch die Männer wechseln, wenn nur der Geist der gleiche bleibt! Aber fünf Männer sind es, deren wir heute ganz besonders gedenken wollen, die der Tod seit der letzten Tagung aus unserem Kreise abberufen hat. Wir beklagen den Verlust unseres allverehrten Geh. IR. Dr. Hel d. Was dieser Mann dem werdenden Verbände, was er dem gewordenen Verband, was er dem Deutschtum und Judentum, was er jedem einzelnen von uns war, das läßt sich mit Worten nicht aussprechen. Wenn wir in schwerer Sorge waren, dann haben wir uns vertrauensvoll an ihn gewandt und niemals hat er uns seine Hilfe versagt. Aber Dr. Held steht leider nicht allein. Wir haben weiter verloren unser verehrtes Ratsmitglied Sonder, einen Mann von einer Freudigkeit der Arbeit, von einem Herzen, das voll Liebe gegen alle seine Mitmenschen erfüllt war, der geholfen hat, wo es nur möglich war. Auch seinen Verlust beklagen wir tief. Und ein Dritter ist von uns gegangen, Herr Adolf Beer aus St. Ingbert. Der Verewigte vertrat das von uns losgerissene Saargebiet in selten vorbildlicher Weise. Trotz seines hohen Alters ließ er es sich nicht nehmen, unseren Beratungen regelmäßig anzuwohnen. Ihm ist es zu danken, daß der Zusammenhang mit den Glaubensgenossen dort und dem deutschen Vaterlande aufrechterhalten werden konnte. Trauernd stehen wir auch vor diesem Grabe. Wir beklagen weiter den Verlust unseres Tagungsmitgliedes Herrn Wolf Frankel von Karlstadt, dessen klugen Rat wir nun ebenfalls entbehren müssen. Auch seine Verdienste um unseren Verband werden unvergessen bleiben. Und ein letzter ist von uns gegangen, Herr Moses R e u s aus Hofheim, eine schlichte und vornehme Persönlichkeit, der wir die Stärkung des Verbandsgedankens weit über seinen Heimatbezirk hinaus zu verdanken haben. Mit seltener Aufopferung hat er sich