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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · p. Seite 99

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Article
Jüdische Museen
Date
1927-04-15
Page
Seite 99 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 99 Mische Von Hauptlehrer A. Verhältnismäßig kurz, kaum ein Vierteljahrhundert ist es her, daß man auch jüdische Altertümer würdigte und in Museen zur Schau stellte. Wohl gab es private Liebhaber für dieses Spezialgebiet, aber deren Sammlungen waren der großen Öffentlichkeit nicht zugänglich. Erst allmählich, nachdem leider viel kostbares Altgut durch Unverstand und Pietätlosigkeit zerstört oder ins Ausland gewandert war, erkannten führende jüdische Kreise den unermeßlich hohen, idealen Wert dieser Reliquien einer reichen jüdischen Geschichte und Kultur auf deutschem Boden und suchten den kostbaren Rest der Heimat zu sichern und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Diese Bestrebungen, nicht selten unter Mithilfe, vorurteilsfreier christlicher Kunstfreunde, führten zur Gründung rein jüdischer Museen, so in Frankfurt am Main und Wien oder zur Einfügung ganzer Sammlungen altsynagogaler Herkunft als eine geschloffene Einheit in schon länger bestehenden, allgemeinen Museen, wie z. B. in B r a u n s ch w e i g, Altona, Göttingen und neuerdings in Darmstadt. In unserer bayerischen Heimat schuf, abgesehen vom Nationalmuseum (München) mit kleinen Ansätzen, das Würzburger Luitpoldmuseum in sehr geeigneten Parterreräumlichkeiten altjüdischer Kunst und Kultur aus Franken eine repräsentable Heimstätte; es sei diesbezüglich nur an die dortselbst eingebaute berühmte Synagoge aus Kirchheim (Baden) erinnert. Es dürfte aber ein zweites Mal kaum Vorkommen, daß ein kleines Heimatmuseum wie das in Uffenheim, dessen Sammelgebiet innerhalb der Grenzen eines Bezirksamtes liegt, unter seinen Beständen eine eigene Abteilung jüdischer Antiquitäten aufweist. Freilich war sie bei der Museumsgründung nicht geplant, und erst als unter den Eingängen sich einige Gegen st ände jüdischen Gepräges vorfanden, taucht die Idee auf, die Sammeltätigkeit auch auf dieie auszudehnen. Wer den konservativen Sinn unserer jüdischen Bevölkerung aus dem Lande kennt, ihr zähes Festhalten an überkommenen Gebräuchen und den Besitz jüdischer Altkunst, ihre Scheu, Dinge, die dem Kultus dienen, aus Furcht vor Spott öffentlicher Schau preiszugeben, vermag zu ermessen, daß die Verwirklichung dieser Idee nicht leicht war. Leidenschaftlicher Sammeleifer überwand aber diese und andere Schwierigkeiten und brachte schließlich eine entsprechende Anzahl Gegenstände sakralen und geschichtlichen Charakters zusammen, so daß sie nun ein kleines Zimmer ausfüllen, welches, als „Klause eines jüdischen Gelehrten" eine Sehenswürdigkeit des Museums bildet und von den Besuchern mit ehrfurchtsvollem Respekt gewürdigt wird, insbesondere, wenn die Führung geeignete Erklärung gibt. Kostbarkeiten und Raritäten würde man in diesem Raum vergeblich suchen, dagegen sind die hier untergebrachten Überbleibsel einer entschwundenen Zeit nach Form, Inhalt und Herkunft bodenständig, mit der Heimat aufs innigste verwachsen. In der Voraussetzung, daß sich weitere Kreise für die jüdische Abteilung dieses Museums interessieren, soll der wichtigste Teil nachfolgend beschrieben werden. Beim Eintritt in den stimmungsvollen Raum bemerkt man die rechts angebrachte „M e s u s s o", enthaltend im Blechgehäuse die hebräische, pergamentene Pfosteninschrift aus 5. B. M., Kap. 6, Vers 4. Rechts hängt neben dem „Z w e h l" (Handtuch) das große zinnene „Gießfa ß" mit Becken. Es diente dem hygie- 1 Abgebildet in der Sondernummer vom 2. Oktober 1926: „Die Juden in Bayern", der altangesehenen illustrierten Zeitschrift: „Das Bayernland". Museen Strauß (Uffenheim) nisch-rituellen Händewaschen vor jeder Mahlzeit. Solche Waschgesäße waren noch vor 50 bis 60 Jahren fast in jedem jüdischen Hause in Gebrauch. Hart am Eingang steht der primitive, aber charakteristische Opferstock, „H e k d e s ch" genannt, aus der ehemaligen Synagoge in Burgbernheim. Weiterschreitend sehen wir eine Lithographie von Junker: „Gottesdienst der jüdischen Soldaten am Versöhnungstage vor Metz, 18 7 0/7 1." Nun folgen 5 Thoramäntelchen und ein Vorhang der hl. Lade, „P o r a u ch e s" genannt, alle aus feinstem Brokat, die in der ehemaligen Synagoge zu Welbhausen verwendet wurden. Ursprünglich dienten solche kostbare, etwa in der Zeit um 1730 entstandene Stoffe („Stuss") als Brautgewänder. Bald nach der Hochzeit stifteten nämlich die jungen Frauen, zur Erinnernug an den schönsten Tag ihres Lebens, in frommem Sinne das Hochzeitskleid zu sakralen Zwecken in die Synagoge. Daneben steht der „I ü t s ch - st u h l". Mit ihm hat es folgendes Bewandtnis: Früher fand die „Brismiloh" (Beschneidung) in der Synagoge statt. Zu diesem Zwecke stand ein Stuhl mit zwei Sitzen bereit. Im linken nahm der Gevatter mit dem Kinde Platz, während der rechte nur mit einem weißen Kissen bedeckt, für den Propheten Elija sreiblieb, der nach jüdischer Altgläubigkeit jeweilig bei dem feierlichen Akte zugegen sei. Das interessante Möbelstück entstammt der früheren Synagoge in Welbhausen, ebenso eine Anzahl anhängender, mehrere hundert Jahre alter, gestickter „Wimpel n". Am Fenster steht der achtzinkige „C h a n u k a l e u ch t e r", in der bekannten traditionellen Form, aus Zinn gegossen und graviert. Nebenan sehen wir einen weiteren alten Beleuchtungskörper: „Blacker" oder „Blende r", aus Messing getrieben, wie solche früher vielfach in Synagogen und Schlössern als Wandleuchter verwendet wurden. Weiterschreitend folgt das, etwa 100 Jahre alte, „Gebet für den Landesherrn"; damalig für König Ludwig I., Königin Theresa und den Kronprinzen Maximilian, eine guterhaltene, hebräische, etwa einen Meter lange Pergamentinschrist (Herkunft: Welbhäuser Synagoge). An der nächsten Wand hängt ein altes „Misrach", das verschiedene biblische Darstellungen, sowie Teile des salomonischen Tempels im Bilde wiedergibt. Ein zweites Exemplar zeigt den Misrach-Gedanken in kabbalistischer Auffassung. Hier hängt auch das kostbarste Stück der ganzen Sammlung, ein „S ch l a ch -M o n o s - T e l l e r" aus Zinn, in feinster Ziselierarbeit, um 1600 gefertigt. Mit solchen mehr oder weniger wertvollen Zinntellern, die häufig eine entsprechende jüdische Inschrift tragen, wurden am Purimfeste den Freunden Geschenke ins Haus geschickt. Der Usus, im Buche Ester angeordnet, ist in frommen Familien noch heute gebräuchlich. Diesem köstlichsten reiht sich das kulturgeschichtlich bedeutendste, Objekt der Abteilung an: „Schutzbrief" für den neuangehenden Schutzjuden Elkan David zu Markt Leuckersheim, A. D. 2. August 1776", ausgestellt in Markt Jppsheim, Kgl. Preußisches Kastenamt Hoheneck". Das guterhaltene Dokument einer schimpflichen Ausnahmestellung unserer Glaubensgenossen in vergangenen Jahrhunderten verdankt das Museum Herrn Lehrer Strauß in Windsheim. Uns zur Mitte des Raumes wendend, sehen wir den mit einem „Tallis" (Gebetmantel) halb verdeckten alten Sessel. Hart am Tischrande liegt ein aufgeschlagener „T a l m u d" - F o l i a n t, zwischen den beiden Druckseiten eine alte, große Hornbrille, als sei sie vom „Gelehrten" eben erst hingelegt worden. Auf dem Tische selbst steht nebenan das schöne Exemplar eines zinnenen Schreibzeugs. Als sein Zubehör interessieren 1. der Stempel des ehemaligen Distriktsrabbinats Welbhausen, 36id6nhau8 J.Haimann A.-G., München Gründungsjahr 1845 Maximiliansplatz 12 Gründungsjahr 1845 SPEZIALHAUS GROSSEN STILS FÜR SAMT UND SEIDE Geschäftsstellen: KREFELD — ZÜRICH — MAILAND — LYON — PARIS

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