Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Dr. Alfred Neumeyer zum 60. Geburtstag
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 79 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 79 organisatorische Zusammenfassung erhalten, die ihm bis dahin gefehlt hat. Die innere Einheit und das äußere Ansehen des bayerischen Judentums sind durch die Gründung des Verbandes sichergestellt worden. WaS der Verband inzwischen auf religiösem und vor allem auch auf sozialem Gebiete geleistet hat, braucht hier nicht auseinandergesetzt zu werden. Es ist in erster Linie ein Verdienst Dr. Neumeyers, der den Verband seit seiner Gründung leitet und mit sicherer Hand durch alle Schwierigkeiten, an denen eS nicht gefehlt hat, hindurch seinem Ziele zugcführt hat. Die großen gesetzgeberischen Arbeiten, die der Verband inzwischen bewältigt hat (endgültige Verfassung, Beamtenordnung usw.) tragen das Gepräge Nenmeyerischen Geistes. Auch die nächste Tagung des Verbandes wird sich mit wichtigen Entwürfen Neumeyers zu befassen haben. — Die Verfassung des Verbandes, ebenso wie die gleichfalls von Neumeyer geschaffene neue Verfassung der Gemeinde München zeichnen sich aus durch die großzügige Erfassung der Aufgaben der jüdischen Gemeinden in der Gegenwart und durch die von jeder Engherzigkeit religiöser oder politischer Art freie Gestaltung der Gemeindeorganisation. Der Geist der Gerechtigkeit, der Neumeyers Wesen bestimmt, gibt seinen Verfassungswerken das Gepräge, Versöhnlichkeit und Milde bestimmen seine Führerschaft. Hierfür sei dem verehrten Manne auch an dieser Stelle der Dank der bayerischen Iudenheit ausgesprochen, die innigft hofft, ihn noch viele Jahre an ihrer Spitze zu sehen. E. S. Ekalberatung in der Gemeindeverwaltung Vor Eintritt in die Tagesordnung nahm Dr. O e st r e i ch das Wort, um Oberlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r die herzlichsten Wünsche der Gemeindevertretung zu seinem 60. Geburtstage auszusprechen. Der Redner würdigte die Verdienste, die sich Dr. Neumeyer um die Kultus gemeinde erworben habe, die er durch die Stürme der Revolution, durch die Schwierigkeiten der Geldentwertung und durch den Schlamm des Antisemitismus hindurchgeführt habe. Im Namen des Vorstandskollegiums sprach Dr. Elias Straus es aus, daß sie sich menschlich wohl fühlten, diesen Führer in ihrer Mitte zu haben. Dr. Neumeyer habe es verstanden, durch seine ausgleichende Tätigkeit alle Schwierigkeiten glücklich zu überwinden. Rabbiner Dr. Baerwald betonte, daß die Leistungen Dr. Neume,yers der Geschichte angehörten. Von juristischen Interessen der Rechtsgestaltung ausgehend, fei er gewachsen zu immer tieferer Anteilnahme an den geistigen Gütern des Judentums. Zugleich sprach der Redner im Namen der Beamten der Kultusgemeinde, die ihm durch seine Initiative in der Schaffung eines Beamtenrechts im besonderen sich verpflichtet fühlten, und im Auftrags der bayerischen Rabbinerkonferenz. Für die Frauen überbrachte Frau Recha Stark die herzlichsten Wünsche. Dr. Neumeyer brachte in seiner humorvollen Antwort zum Ausdruck, daß ihm die melancholische Betrachtungsweise nicht liege, wohl aber die Selbstbesinnung nach getaner Arbeit. Das köstlichste Gut, das es gebe, die gute Gesinnung der Mitmenschen, sei ihm heute in überreichem Maße zuteil geworden. Justizrat Dr. Emil Frankel, der gleichfalls vor seiner 60. Geburtstagsfeier steht, wurden von Dr. O e st r e i ch und Dr. Neumeyer die Glückwünsche beider Kollegien zum Ausdruck gebracht. Es wurde hierauf in die Etatberatung eingetreten. Der Referent, Dr. Elias Straus, erörtert die allgemeinen Grundzüge des Etats und erläutert die einzelnen Positionen; er erklärt die Erhöhung der Etatziffern gegenüber der Vorkiegszeit in der Hauptsache damit, daß der Ausgabenkreis der Gemeinde, vor allem auf sozialem Gebiete, außerordentlich gewachsen sei. Die Kultusgemeinde München sei heute die größte fötale Einrichtung im jüdischen Wohlfahrtsleben Münchens. Auch sei die Beamtenbesoldung in einer den Zeitverhältnissen entsprechenden Weise geregelt worden. Trotzdem sei es möglich, für den diesjährigen Etat eine Herabsetzung des Umlagensatzes vorzuschlagen, und zwar seit der im Vorjahre erhobenen 12% (zuzüglich 3% für den Landesverband) dieses Jahr zuzüglich 3% für den Landesverband. In der Diskussion sprachen zum Etat zunächst für die liberale Fraktion Dr. Ludwig Wassermann. Eine Reihe von Positionen, wie hebräische Sprachschule, Talmud Thora und ostjüdische Betsaalorganisationen, hätten nicht den unbedingten Beifall seiner politischen Freunde gefunden. Man habe denselben jedoch im Interesse einer friedlichen Zusammenarbeit zugestimmt. Besonders wichtig erschienen die Schuldentilgung und die Refundierung der gemeindlichen Stiftungsvermögen mit dem Endziel, die Schäden der Inflation wieder wett zu machen. Ein Abbau der Steuerlasten sei raschestens herbeizuführen, wenn auch in der jetzigen Zeit ein solcher Abbau moralisch nur verantwortlich sei, wenn die sozialen Aufgaben der Gemeinde in München in gleicher Weise fortgesührt werden könnten. Es sei allerdings richtig, daß der jetzige Aufwand auf diesem Gebiete eine Folge der augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse sei, mit der zunehmenden wirtschaftlichen Gesundung müsse jedoch auch auf diesem Gebiete eine Reduzierung der Ausgaben eintreten, da die gemeindlichen Umlagen zu hoch feien. Daß auch zur Vermögens-, Haus- und Gewerbesteuer die Zuschläge erhoben würden, widerspreche dem Grundsatz der Steuergerechtigkeit. Der Aufstellung neuer Projekte und Pläne müsse man skeptisch gegenüberstehen, solange, alte und bewährte Einrichtungen noch nicht ohne Zuschüsse der Gemeinde auskommen könnten. Dr. Julius Siegel führte für die jüdische Volkspartei aus, daß der Etat den Wünschen seiner Fraktion nur in bescheidenem Umfange Rechnung trage; trotzdem stimme seine Fraktion dem Etat in Berücksichtigung der Finanzlage zu. Auch er begrüße die Refundierung der gemeindlichen Stiftungen. Einen Abbau der sozialen und kulturellen Leistungen der Gemeinde halte er nicht für angängig. Für die konservative Fraktion stimmt Herr Rosenthaler dem Etat zu. Eine künftige Herabsetzung der Kultussteuern halte er nicht für empfehlenswert, besser sei es, den sozialen Aufgabenkreis der Gemeinde entsprechend zu erweitern. Ein Antrag, 10 000 Mark für eine gemeindliche Darlehenskasse zur Verfügung zu stellen, wurde abgelehnt. Die 12Vn prozentige Aufwertung der gemeindlichen Anleihen soll bereits 1927 erfolgen, wofür 20 000 Mark bewilligt werden. Von etwaigen Überschüssen sollen 10 000 Mark für die Erneuerung der Synagogenorgel bereitgestellt werden. Der Etat wurde schließlich einstimmig angenommen. Wie verweisen aus die im amtlichen Teile dieser Nummer erschienene Etataufstellung. ff ■■ spielt mit Denno 99l5K jf Elite-Kapelle Konzert und Jazz Täglich künstlerische Darbietungen mit Tanz, Kein Weinzwang / Eintritt frei TheatinerstraBe 16 «Telephon 26285 J. ZUBERBUHLER Von 4 bis 6 Uhr das gute Nachmittags Cafe Wintergarten