Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1927
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Jahresbericht 1925 - 26
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 8 (sequence 3)
- Language
- German
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8 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 3 Mandat zu erhalten. Da muß ich zu meinem Bedauern einen Mißerfolg feststellen. In verschwindend wenigen Kultusgemeinden Bayerns ist ein Beamter Mitglied der Verwaltung. Nur Nürnberg hat in Kollegen Dr. Bamberger, den die Volkspartei in den Vorstand entsandte, einen Gemeindevertreter, dessen Arbeitskraft im Dienste der Gemeinde auch von politischen Gegnern hoch gewertet wird. In der Gemeinde der Landeshauptstadt verzichtete man darauf, nach dem Ableben des allverehrten Kollegen Frei wieder einem Beamten das Mandat zu übertragen. Bei den Wahlen zur Tagung ersuchte ich die liberale Fraktion in München und Nürnberg je einen Kantor aus die Liste der Abgeordneten zu stellen. In München wurde Freund Kirschner als dritter Ersatzmann gewählt, in Nürnberg hatte ich keinen Erfolg. Eine rühmliche Ausnahme bildete die Wahlliste der Pfalz, die Kollegen Krämer als Abgeordneten, Wetzler als dessen Ersatzmann aufstellte. Auch die konservative Partei, die sonst ängstlich bemüht war, allen Wünschen Rechnung zu tragen, opferte diesen Wünschen zwei Lehrer-Abgeordnete: Fulder und Wähler. So zählt die zweite Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden weniger Lehrerabgeordnete als ihre Vorgängerin. Daß auch auf diesem sozialen Felde sich ein Umschwung der Anschauungen vollzieht, dafür möchte ich mit dankbarer Freude zwei Dokumente anführen: Herr Geheimrat Professor Dr. Frankenburger erwiderte den Glückwunsch des Lehrervereins zum 70. Geburtstage mit folgendem Briefe: „Ich schätze es als besondere Ehre, daß Sie durch Widmung eines Glückwunsches mich als einen der Ihren kennzeichnen. Als Sohn eines Lehrers weiß ich aus Erfahrung, wie der - Lehrer zwar durch freudige Berufsausübung sich gehoben fühlt, aber auch mühselig und beladen um die verdiente Anerkennung immer noch zu kämpfen hat; früher durch das Bestreben um die Stellung als Staatsbeamter, jetzt immer noch um die Hebung der Stellung in Gesellschaft und Gemeinde. Der jüdische Lehr ex darf nicht verzagen, bis allgemein die Ansicht sich durchgerungen hat, daß er als Mitglied der Verwaltung in jeder Gemeinde nicht zu entbehren ist. Meine Sympathien gehören und verbleiben den Lehrern." Das zweite Dokument ist der „Entwurf einer Verfassung des jüdischen Reichsverbandes". Der Verfasser, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, begründet die uns hier interesiirrende Bestimmung über die Kulturträger im Reichsverband in Nr. 7 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung": Von besonderer Bedeutung erscheint die Mitgliedschaft der „Kulturträger" in der Reichstagung. Nicht der Zahl nach, denn sie beträgt nur den fünften Teil der Gesamtzahl und fällt darum bei Abstimmungen über religionspolitische Fragen gegenüber den in der Reichstagung vertretenen Parteien nicht ins Ge- Jhre Beteiligung gibt der Versammlung aber ein besonderes geistiges Gepräge und die einzelnen Organisationen haben die Gelegenheit und das Recht, von einer weit vernehmbaren Stelle im Reich ihre Anträge und Anregungen bekanntzugeben und zur Debatte zu stellen und wenn auch mit geringerer Vertreterzahl bei der Beschlußfassung mitzuwirken. In Betracht kommen hier Vertreter der theologischen Lehranstalten oder auch des deutschen Rabbinerverbandes, der Lehrer- und Kantorenverbände, der Zentralwohlfahrtsstelle und der übrigen auf das Reich sich erstteckenden nichtpolitischen Vereinsorganisationen nach besonderer Bestimmung der Wahlordnung. Zu diesen letztgenannten Organisaüonen ist z. B. der jüdische Frauenbund zu rechnen. 3 Lehrer- und 1 Kontorenoertreter sind für die Reichstagung von Lehrer- bzw. Kantorenverbänden zu bestimmen. Wir sind gewohnt, daß uns Früchte nur langsam reifen, sowohl auf rechtlichem wie auf materiellem Gebiete, ganz besonders schwer auf sozialem Felde. Ein Ziel zu erreichen, setzt Kampf und Einsatz aller geistigen Energien, aber auch Opfer an Geld, Zeit und Kraft voraus. Jeder Kollege muß diesen Einsatz wagen als einzelner, aber auch alst ätiges Glied seiner Gemeinschaft. Ich erwarte von euch, ihr lieben Amtsbrüder, daß ihr heute die Gemeinschaft auf Alldeutschland ausdehnt: Einer für alle^ alle für einen. Das Wort eines jüdischen Meisters zeige uns Ziel und Weg: „Trenne dich nicht von der Gemeinschaft. Wer sich um die Aufgaben der Gemeinschaft müht, tue es um des Himmels willen." Mit dem Wort eines deutschen Meisters, Goethe, rufe ich euch zum Schlüsse zu: „Entzwei und gebiete — tüchtig Wort! Verein und leite — besserer Hort!" An die Vereinsmilglieder! Wir geben hiermit bekannt, daß laut Verwaltungsbeschluß vom 16. Januar 1927 der erstmalig im Jahre 1895 abgeschlossene Vertrag mit der Buchhandlung I. Kauffmann in Frankfurt a.M. wieder in Kraft gesetzt worden ist. Nach diesem Vertrage gewährt die genannte Firma auf Bezüge unserer Mitglieder einen Rabatt, der der Unterstützungskasse des Vereins zugeführt wird. Zur Erleichterung der Abrechnung sind die Vyreinsmitglieder verpflichtet, bei jeder Bestellung die Bemerkung „Mitglied des Israelitischen Lehreroereins für Bayern" anzufügen. Auf die außerhalb Bayerns wohnenden Mitglieder des Vereins finden die Bestimmungen keine Anwendung. Im Sinne dieses Vertrages ersuchen wir die Kollegen nachdrücklichst, ihren Bedarf an Ritualien, Büchern, überhaupt in den Artikeln des Kauffmannschen Lagers, von Herrn I. Kauffmann zu beziehen, was um so eher erwartet werden darf, als damit zugleich Gelegenheit zur Förderung unserer Hilfskasse geboten ist. S. Dingfelder, M. Rosenfeld, 1. Vorsitzender. Schriftführer. An die fortbildungspflichtigen Junglehrer in Bayern Aus den Kreisen der jüngeren Kollegen, welche vor der Ablegung der Anstellungsprüfung stehen, ist vielfach der Wunsch an mich gekommen, ihnen für die Vorbereitung auf die Prüfung im Lehrverfahren des jüdischen Religionsunterrichtes beratend zur Seite zu stehen. Einer Anregung der Verwaltung des jüdischen Lehrervereins folgend, habe ich in Aussicht genommen, für die in Frage kommenden jungen Herren, welche die amtlichen Fortbildungskonferenzen besuchen, gelegentliche Fortbildungstage in Würzburg abzuhalten. Eine solche Fortbildungskonferenz, die selbstverständlich nach jeder Seite hin den Charakter der Freiwilligkeit trägt, soll erstmalig am Sonntag, 3. April, im Seminar stattfinden. Als Thema ist in Aussicht genommen: „Die Methodik des hebräischen Sprachunterrichtes in der Volksschule (in Theorie und Praxis)." Zur Einführung in die Literatur werden empfohlen: Hebräische Lesefibel nach Grundsätzen der Arbeitsschule von M. Goldschmidt, Verlag A. I. Hofmann (Frankfurt a.M.); I. B. Levy: Schaare Tauro mit methodischem Vorwort, Verlag Kauffmann (Frankfurt a. M.); Hirnheimer: Hebräischer Sprachunterricht im Sinne des Arbeitsprinzips. Diejenigen Herren, welche diese Konferenz besuchen wollen, werden gebeten, Mitteilung hierüber mit etwaigen Wünschen über die Stunde des Beginns der Konferenz mir möglichst umgehend zugehen zu lassen. Würzburg, 16. Februar 1927.. Jakob Stoll. Talmud-Thora-Präparandenschule Höchberg Die israelitische Präparandenschule Höchberg hat schwer unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse zu leiden. Ihre Lage wird dadurch noch er^chwertz daß der Direktor infolge Überarbeitung und Aufregung erkrankt ist und seit 2 Monaten seinen Dienst nicht mehr versehen kann. Es ist eine Ehrenpflicht aller Kollegen, mitzuhelfen, daß diese Schule, die zusammen mit dem Lehrerseminar in Würzburg gegenwärtig in Deutschland die einzige Bildungsstätte für jüdische Lehrer ist, ihre Arbeit weiter ungestört erfüllen kann. Es wird deshalb gebeten, wenn möglich, aus Anlaß des Purim-Festes Sammlungen zu ihren Gunsten zu unternehmen. Hirnhelmer. Neue Vezirkskonferenz München. Die hiesigen Vereinsmitglieder haben sich vor kurzem zu einer Bezirkskonferenz zusammengeschlossen. Den Vorsitz derselben übernahm Studienprofessor Dr. Klugmann, das Amt des Schriftführers Lehrer Adler. Als erste Aufgabe wurde, die Beratung von Lehrplanfragen des Religionsunterrichts im Anschluß an die neue Lehrordnung für die bayerischen Volksschulen in Aussicht genommen. Die Erweiterung der Konferenz durch Einbeziehung der oberbayerischen und schwäbischen Kollegen ist geplant. Bezirkskonferenz Ansbach Nächste Konferenz Sonntag, den 13. März, im Sitzungssaals der Gemeinde Ansbach. Kollege Fulder (Treuchtlingen) wird einen Schiur-Vortrag in Anlehnung an den Midrasch halten.