Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Der Mensch und die Bibel
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
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68 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 hineingestellt in den Kosmos. Im zweiten Kapitel steht der Mensch im Miueipunkl de>r Scyupsung, die Pflanzen wachsen um ihn herum, er ifr verufen, ihnen alten Namen zu geben und so das Werk der Sawpfung forlzu,etzen, als einer, der wählen und verwerfen, ja Gorr verwerfen rann, ist er hinemgefetzt. Las Wort ruaeü im erfren Kapirek darf nicht mit Geist uno darf auch nicht mit Wmd übersetzt werven. Es vedeuret beides, es bedeutet geisttge und weltliche Bewegung, es wurde daher von den Übersetzern mit „Braus" übersegr. Las milteiyochdeuiiche Wort geist bedeutete seinerzeit auch noch Wind. Lei Sucher isl dies schon getrennt und der Ausdruck Geist eindeutig „geylig". In der biblischen Erzählung vom Manna veüeMet das Wort ruacn verschiedenes, bald Wind, bald Geisr, es hl unrer die veiden Sphären aufgeteilt, aver auch hier zeigr es sich, datz Geist und vcamr ihren Ursprung im selben haoen. Die gleiche Einheit von Geist und Welt zeigt uns die Errichlung des oenes. Hier wird berichtet, wie Moses von der Wolke sechs ^.age umyullt war. Am siebenien Lage ries Gott Moses aus der Mine der Wolke und Moses stieg hinauf zum Berge Sinai. Hier keyrt ein Moment der L>a-vpfungsge,a)icyle wieder: Die sechs Lage und der siebente Lag. Aucy hier hr in sechs Lagen ein Werk gelassen, das am siebenren Lag als vollendet gefeiert wurde. Dem Weltbau Gottes entspricht der ^eltbau Gottes. Gott jagt zu Moses: Ein Heiligtum svilen sie mir machen, datz ich wohne in ihrer Mitte. Las zweite Buch Moses schließt mit der Kundgebung des Antens des Menschen an dem Werke Gottes und zwar des Anteils an dem Werke, das das Gegenwärtig-fein-wollen Gottes in feiner Welt bezeichnet. Dies führt zur Offenbarung. Die Offenbarung geht dem heutigen Menschen gegen seinen Wirklichkeitssmn. Auch um die Osfenvarung kann man nicht herumkommen, indem man sie symbolisch-allegorisch nimmt. Man mutz sie entweder als Wirklichkeit nehmen oder als Wirklichkeit verwerfen, d. h. überhaupt verwerfen. Auch hier gibt es einen Zugang durch eigene Erfahrung, so wie es eine Erfayrung gwt um die wchopfung. Die Erfahrung nämlich, die jeder Mensch macht, auch wenn er sie nicht merkt, datz in einem bestimmten ^eltpuntt etwas in ihn tritt, was er vorher noch nicht hatte. Eine Kraft, eine Gegenwart, ein Gedanke, so wie es das edle Wort der schönen deutschen Sprache sagt: eine Eingebung. Die heutige Psychologie erklärt dies als ein aus dem Unoewußgein Hervorsteigen. Loch ist das „Unbewußte" ein weniger tauglicher Ausdruck als die Sprache der Bibel und der Wirtlichkeit weniger gerecht werde. Offenbarung ist wie alles Geschehen eine Mischung von Welt und Geist, eine Mischung von Göttlichem und Menschlichem, sie ergreift den Träger und schmilzt ihn um oder schmilzt sich in ihn hinein, so datz wir nicht mehr wissen, was der einen oder der anderen Herkunft ist. Die Offenbarung ist nicht einmalig, sondern allmalig. Dies kommt zum Ausdruck in der Geschichte vom Traume Jakobs. Jede Statte der Welt ist eine solche Stätte, jeder Augenblick der Welt kann ein solcher Augenblick sein, in dem sich Gott offenbart. Unberührt von der Allmählichkeit der Offenbarung bleibt die Geschichte der einmaligen Offenbarung. Aber irgendwie find wir auch ihr teilhaftig, oa wir Kinder Gottes genannt werden. Dies ist die von jedermann nachprüfbare und bewährbare Lehre, die uns die Geschichte Jakobs zeigt. Gott spricht immer zu wandernden und irrenden Menschen, nicht zu den Eingesessenen und nicht zu den Gesicherten, und wenn Gott zu dem Menschen sprechen will, holt er ihn aus seinen Sicherungen heraus. Aber keine Gestalt Gottes wird gesehen. Moses tritt zu dem Dornbusch, um, wie er sagt, zu sehen, warum der Dornbusch brennt und nicht verbrennt. Moses schaut das, was im Dornbusch geschieht und, während er diesen Vorgang in unserem Raum und unserer Welt schaut, schaut er das, was ihm zu schauen gegeben ist. Den Gott Israels sieht man, indem man die Wirklichkeit sieht. In der neuen Bibelübersetzung ist an jener Stelle nicht mehr übersetzt, wie, üblich: „welcher ist sein Name?" sondern: „was ist um seinen Namen?" und die Antwort nicht: „ich bin, der ich bin!" sondern: „ich werde da sein, als der ich da sein werde!" Der Name Gottes, den als Jahwe die moderne Bibelwissenschaft sinnlos umschreibt, war den Vätern bekannt. Die Väter sprachen zu Gott unter diesem Namen, es war also nicht ewa so gemeint, daß Moses gefragt hätte, wie, der Gott der Väter heißt. Bibelforscher haben behauptet, der wirkliche Gott könne keinen Namen haben, weil er ja keiner Unterscheidung von anderen Göttern bedürfe. So aber läßt es sich nicht betrachten. Für den Naturmenschen bedeuten Namen keine Hifsmittel der Unterscheidung, es bedeutet das Anrufenkönnen, das Gegenüberstehen gegenüber einem Wesen, die Bezeichnung, in der ein Wesen Modelle Vornehmste Jlassanfertigung Adolf Rothschild München Theatinerstr. 7/1 Graf-Arco-Palais. Eingang Masfeistr.