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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-02-09 · 2 (9.2.1927) · p. Seite 32

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (9.2.1927)
Article
Körperliche und seelische Ertüchtigung
Date
1927-02-09
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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32 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 Die Natur draußen und die innere Natur muß stets die Richtung geben. Auch beim Sport dürfen wir nie vergessen, daß wir Juden sind. Geht man von diesem volkshygienischen und ethischen Gesschtspunkte aus, dann wird man leicht eine Norm für den jüdischen Sport finden. Man wird von den Wegen der Leidenschaft und der Reklamesucht abrücken. Man wird sich an seiner Körperentsaltung freuen, aber nicht damit prunken. Man wird sich mit der Genugtuung im eigenen Kreise begnügen, ohne gewaltsam nach Rekorden zu streben. Man wird auch nicht allen Zweigen des Sportes huldigen. Vor allem wird man jeden Sport, der an Roheit grenzt, meiden. Jede Roheit ist — beim Kulturmenschen wenigstens — pervers. Man erreicht also damit das Gegenteil von der erstrebten normalen Ertüchtigung. Nicht nur den Statuten und der Zusammensetzung nach, sondern auch in der Auffassung des Lebenszieles und der ganzen Art des Wirkens. Und das führt ganz natürlich zum Grundzug der jüdischen Psyche, zur Verbindung von Körper und Geist. Körperliche und seelische Ertüchtigung sollen nicht nebeneinander, sondern ineinander gehen. Der Sport muß vergeistigt werden. Eine veredelte Geselligkeit muß Hand in Hand gehen mit der körperlichen Übung. Lieder, Musik und Rezitation und heitere und ernste Vorträge lassen sich sehr gut mit dem Sport verbinden. Der Sport würde dadurch Schwung und Seele erhalten. Unsere Alten haben es ja so gut verstanden, körperliche und geistige Genüsse miteinander zu verbinden. Sport allein macht stumpf, Geistigkeit allein zermürbt, beide müssen einander ergänzen. Wir leben heute in Deutschland im seelischen Gewirr. Wir sind zwischen zwei Kulturen, tappen im Dunkeln und experimentieren, ohne einen Ausweg zu finden. Aber wir Juden dürfen uns nicht den Luxus leisten, die Richtung zu verlieren, weil unser Leben doppelt ernst ist. Die Geschichte gibt uns die Richtung und der jüdische Geist leuchtet uns wie eine Feuersäule im Leben voran. Wir gehen trotz aller Hemmnisse einer gesunden Zukunft entgegen, wenn wir die Pfade des modernen Lebens wandeln, ohne die Auswüchse mitzumachen, wenn wir mit dem Geiste der Zeit unsere berechtigte Eigenart organisch verbinden. James Bieberhraut, der Maler und Radierer Von Adolf S ch a a l m a n n Es geht in der Kunst nicht besser, wie im Leben überhaupt. In der Zeiten Hast bleibt mancher vor einer großen Lichtreklame stehen, wenige achten auf die im Brennpunkt des Geschehens stehenden Persönlichkeiten und nehmen sich die Mühe, ihres Wesens Kern zu ergründen, kaum einer hält vor einem Menvielleicht auch, um nach der Uhr zu sehen, ob wir noch rechtzeitig alle Säle durchlaufen können. Nur wenige meiden die Suggestion der gerade herrschenden Modeurteile und suchen aus ihrem Eigenen heraus einen Standpunkt zu dem oder jenem Künstler zu nehmen. Nur wenige erinnern sich der zeitgenöffi- ,Der Morgen' i m Mi* schen stille, der seine Wirksamkeit aufs Begrenzte gestellt hat, um hier um so totaler wirken zu können. Kümmern wir Juden uns um die Kunst? Ja, mit dem Katalog in der Hand durcheilen wir — ganz wie die anderen auch — die kilometerlangen Gänge der offizielleU. Ausstellungen, bleiben vor einem abgestempelten Namen vielleicht stehen, schen Künstler, die selbst Juden sind, und prüfen, ob nicht gerade hier eine selbständige, aus dem Tiefsten herausströmende Zustimmung, zu deren Arbeit fühlbar wird, eine Zustimmung, welche diesen auf ihrem doppelt schweren Wege — Künstler! Juden! — Kraft und Anregung gibt. Freilich, in der Kunst ist es doppelt schwer, Standpunkt ein-

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