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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · p. Seite 9

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Article
Neue Beiträge zur Geschichte der Juden in Bamberg
Date
1927-01-07
Page
Seite 9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 9 Rechts von der Judenschule (Richtung Langgasse), im Hause „zum Walfisch", wohnte Sal. Marx mit 2 Söhnen und 3 Töchtern (nebst 2 Bedienungspersonen),.. auf der anderen Seite (Richtung Zinkenwörth) „beim Brücklein an der Judenschul" wohnte die aus 9 Kindern bestehende Familie des verstorbenen Elias, im schräg gegenüberliegenden „Elephantenhaus" der uns bereits bekannt gewordene Hofjude Marx», damals bereits 45 Jahre im bischöflichen Schutze, und sein verheirateter Sohn, ferner 2 arme Jungens, die im Hause des wohlhabenden Hofjuden verköstigt wurden. Auch in anderen Stadtteilen gab es jüdische Hausbesitzer?, so in der „Wolfsgrube", im Hause „zur steinernen Kemmet" und im Hause „zum blauen Stern" (Langgasse). Im Hause des Simon Fries am „Hafen-Plätzlein" (jetzt etwa Eckenbüttner) fanden nicht weniger als 29 Personen Platz, darunter 1 armes Kind und 1 Schulmeister oder Hauslehrer. Einen eigenen Hauslehrer in schulloser Zeit hielten sich auch Sam. Hamburger für seine 6 Kinder und Wolf Nathan für seine 8 Kinder. Am zahlreichsten aber war die Familie des Hofsaktors Mos. Heßlein, der von seinem in Kurland sich aushaltenden Tochtermann 6 Kinder (mit 3 Bedienungspersonen) bei sich wohnen hatte, ferner seinen verheirateten Sohn Süßmann mit 4 Söhnlein und 3 Mägdlein, dazu Bedienungspersonen und einen Schulmeister, im ganzen also einen Haushalt von etwa 24 Personen, und dieser Mann beherbergte noch ein armes Waisenkind, ohne über Wohnungsnot zu klagen. II. Zum Kapitel der Hofjuden« Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß diese 48 israelitischen Familien im geschäftlichen Leben der Stadt eine Rolle gespielt und eine Lücke ausgefüllt haben. Der obengenannte, schon aus früheren Mitteilungen bekannte, Hofjude Sal. Marx u. Söhne hatten für einen Vorschuß, den sie der Hofkammer aus kaiserliche Subsidiengelder geleistet, im Jahre 1716 eine größere Forderung an Wechselbriesen, die der berühmte kaiserliche Hoffaktor Samson Wertheimer in Wien gelegentlich der Frankfurter Herbstmesse ausgestellt. Daß zum Bau des bischöflichen Klerikalseminars auch bei jüdischen Kapitalisten jener Zeit Anlehen ausgenommen wurden, war bereits bekannt». Zu diesem Zwecke wurde auch Zacharias Fränkel in Fürth in Anspruch genommen, den der Fürstbischof Friedrich Carl von S ch ö r n b o r n am 29. April 1736 anweisen läßt, zur Fortsetzung des Seminarbaus dem Obristleutnant Reumann auf Anforderung die Summe von 5000 Rth. „abermahlen" verabfolgen zu lassen und sofort Kapital und Zinsen „als eine zur gemeinsamen Wohlfahrt erforderliche sach in aufrechnung zu bringen"^». Der Großlieferant jener Zeit war der Hoffaktor Jk. Js. H e ß l e i n, Sohn des obengenannten M. I. Heßlein, der insbesondere Livreen und Chaisen, aber auch sogar Spitzen für Meßgewänder und andere Pontifikalien lieferte und dafür im Jahre 1739 eine Forderung von 15 434 fl. 21/4 Kr. hatte. Auch für Bekleidung der Husaren hat er dem Hofe gute Dienste geleistet, und es wird ihm in einer Kammersitzung bezeugt, daß er sich jederzeit „wohl und ehrlich » Vgl. G. I. B., S. 262 u. 294 u. Nachträge z. Gesch. der Juden im Fürstbistum, S. 45.? Vgl. G. I. B., S. 109. Die Bedienungspersonen sind als meist jüdische anzunehmen. « Ergänzung zu G. I., Bbg., S. 262—263, vgl. auch Nachträge. S. 60—62. » G. I. B., S. 220. Bamb. Staatsarchiv, Rep. 113. 1. Bd. 13 u. 15. Über Zach. Fränkel, vgl. S. Haenle: Gesch. der Juden im ehem. Fürstentum Ansbach, S. 85. aufgeführet". Mit ihm konkurrierte der Hoffaktor Sußmann, der im Oktober 1733 in einer Eingabe nachsuchte, ihm unter Berücksichtigung der Tatsache, daß er an dem im vorausgegangenen Jahre an Zahlungsstatt angenommenen Getreide einen Verlust von über 1000 Th. erlitten, die Lieferung der Hoslivreen allein zu überlassen, deren Gegenwert er zur Hälfte wieder in Getreide zum Marktpreise auf dem Lande anzunehmen sich erbiete. Es wird ihm auch eine Lieferung für 100 Personen übertragen, während Heßlein eine solche für 60 Personen erhielt". Auch Meyer, Sohn des David E g e r , bereits anfangs des 18. Jahrhunderts in Schutz ausgenommen, von dem die hiesige Bankierfamilie Wassermann in weiblicher Linie abstammt, hat während des 7jährigen Krieges zur „Unterhaltung" der kaiserlichen Hilfsvölker Fourage aufgekauft und zu diesem Zwecke vom fränkischen Kreiskonvent einen Paß ausgefertigt erhalten. Dessen Sohn, der gelehrte Jakob Meyer Eger, wird mit seinem Schutzgesuch für seinen älteren Sohn Wolf trotz guter Vermögensverhöltnisse, im Jahre 1676 mit der Begründung abgewiesen, weil „ohnehin die Juden gegen die vorige Zeiten allzustark übersetzet seynd"; nachdem er aber bei Wiederholung seines Gesuches geltend machte, daß er sich als Rabbiner in das Schwarzenbergifche begeben wolle, fein Realvermögen aber im Hochstift belassen werden und sein Sohn eine „ansehnliche bemittelte Heyrath" machen würde, wurde dasselbe im Juni 1768 mit Rücksicht auf Vermögensstand und mit dem Bemerken genehmigt, daß bei nächster Erledigung einer Schutzstelle dieselbe nicht wieder besetzt werden solle". Auch Gabriel Moses Ullmann wurde 1765 in Schutz ausgenommen, weil er mit einer „reichen Juden-Tochter" (Mitgift 3000 fl.) aus Dresden verlobt war und schon seit einigen Jahren mit hiesigen Kaufleuten einen beträchtlichen Handel durch Einführung von Waren aus Berlin und Leipzig getrieben habe. Endlich sei (nach Akten aus dem Jahre 1785) ein Hoffaktor Sam. Wolf genannt, der zusammen mit Simon Sommerhäuser für sich und im Namen der „Haagischen Eompagnie" zur Betreibung ihres Holzfloßwesens aus dem Forst von Lichtensels Weißtannen erwerben wollte. Der bekannteste und angesehenste unter den Hoffaktoren am geistlichen Hofe war S. S. H e ß l e i n, der, seit 1777 Bambergischer Schutzjude, am 18. Juni 1797 von der fürstlichen Obereinnahme als „Admodiateur" (Großpächter) angestellt wurde und an die kaiserliche Armee umfangreiche Getreidelieferungen vermittelte. Er war der Bankier und Geschäftsagent des Hochstifts, der erste großzügige Kaufmann, der aus dem hiesigen Ghetto hervorgegangen. Sein Einfluß am Hofe mußte bedeutend gewesen sein, da man sich im Volke erzählte, daß Heßlein mit der Tabakpfeife im Munde freien Zutritt zum Fürstbischof habe, und bei den hohen Beamten genoß er hohes Ansehen und eine gewisse Vertraulichkeit. In einem Briese an Geheimrat Pflaum in Kronach von 12. September 1800 fügt er bei: „an dero Frau Gemahlin mein unterthänigster Respect". Als Porsteher seiner Gemeinde mußte der „Herr Hoffakwr", tme man ihn in Regierungskreisen titulierte, öfter seinen Einfluß in die Wagschale legen, um eine Stundung rückständiger Neujahrsgelder und anderer Abgaben zu erwirken. " Die Genannten sind bereits in G. I. B., S. 263, 319 u. 321 erwähnt. 12 Vgl. über dieselben daselbst die Liste v. I. 1746 aus S. 320. (Archiv Rep. 113 II, Nr. 44). 13 Sein Bildnis aus biedermeierlicher Zeit, mitgeteilt in meiner Schrift „Die isr. Kultusgemeinde Bbg. von 1803—1853", S. 41, macht den Eindruck einer vornehmen Persönlichkeit. Weitere Mitteilungen über denselben G. I. Bbg., S. 263 u. Nachträge, S. 61. Vgl. noch Alt-Bamberg von Schuster, Bd. 5, S. 160. Seidenhaus J. Haimann A.-G., München Gründungsjahr 1845 Maximiliansplatz 12 Gründungsjahr 1845 SPEZIALHAUS GROSSEN STILS FÜR SAMT UND SEIDE Geschäftsstellen: KREFELD — ZÜRICH — MAILAND - LYON — PARIS

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