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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-12-03 · 12 (3.12.1926) · p. Seite 310

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
12 (3.12.1926)
Article
Die Jahrhundertfeier der Universität München
Date
1926-12-03
Page
Seite 310 (sequence 3)
Language
German
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310 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Vorurteil und ihrer Ungerechtigkeit, dann bleibt die erhabene Idee, der die besten Geister unserer Hochschule dienen, der auch wir huldigen und für deren Reinheit und Wirksamkeit wir unser Gebet zum Himmel richten. „Gott sei uns gnädig und segne uns, lasse Dein Antlitz uns leuchten." Gib, o Herr, daß Dein Geist der Wahrheit sich auf Erden immer mehr ausbreite, daß er beseele alle, die an hoher vie Jubiläumsfeier der und die jüdischen Der Rektor der Universität München, Geheimrat Prof. Dr. Boßler regte bei dem Rabbinat München wie bei den christlichen Kirchen an, bei der Jahrhundertfeier der Universität einen Gottesdienst zu veranstalten. Vorstand und Rabbinat erklärten sich bereit, den Gottesdienst abzuhalten, erhoben aber gleichzeitig in persönlicher Rücksprache folgende Vorstellungen: den jüdischen Verbindungen müsse gestattet sein, gleichberechtigt mit den übrigen Korporationen aufzutreten, ausländische jüdische Studierende seien, wie dies auch an den übrigen bayerischen Universitäten geschehe, zur Immatrikulation zuzulassen. Der Rektor erwiderte, er erachte beide Beschwerden für begründet, er werde sich für ein Zusammengehen der Verbindungen nachdrücklich einsetzen, er könne die Mitwirkung der jüdischen Korporationen aber nicht anordnen, weil dies in die durch die Universitätsverfassung begründete Zuständigkeit des Korporationsausschusses falle; hinsichtlich der Immatrikulation der ausländischen Studenten erklärte er für sofortige Abhilfe Sorge zu tragen. Die Verbindungen, deren Mitglieder Juden sind oder die Juden als Mitglieder aufnehmen, wurden vom Korporationsausschuß zur Feier nicht eingeladen. Der Ausschuß lehnte vielmehr jedes Entgegenkommen ab. Erft die Vorstellungen der jüdischen Verbindungen und hervorragender Persönlichkeiten hatten im Verein mit der Beschwerde der Gemeinde das Ergebnis, daß der Stelle stehend das Volk lehren und Kenntnis verbreiten; laß diesen Deinen Geist wirksam werden in unserem Vaterlande, daß es wieder aufsteige und ein Hort wahrer Kultur, reiner Gesinnung, eine Quelle der Religion und Sittlichkeit werde, damit unser Land und Volk die hohe Aufgabe erfülle, mitzuwirken am Bau der Menschheit nach Deinem heiligen Willen. Universität München Korporationen Rektor, dessen gerechte und vornehme Gesinnung deutlich hervortrat, die jüdischen Korporationen zu den Veranstaltungen der Universität einlud, jedoch gleichzeitig erklärte, daß sich die Einladung auf einen Teil der Veranstaltungen, nämlich den Fackelzug, den Festzug, das Chargieren bei dem Festakt im Nationaltheater und beim Kommers nicht erstrecke, da dies an dem geschlossenen Widerstand der anderen Korporationen scheitere. Unter diesen Umständen erklärten die jüdischen Verbindungen der Feier fernzubleiben. Der Vorstand der Gemeinde beschloß in Würdigung der Tatsache, daß die Haltung der Gemeinde gegenüber der Universität als der Trägerin der Wissenschaft durch die Jahrhunderte nicht von den Verirrungen des Tages abhängig gemacht werden könne und hervorragende jüdische Hochschullehrer aus der nämlichen Erwägung die Abhaltung des Gottesdienstes verlangt hatten, den in der Festordnung der Universität und in der Presse schon bekanntgegebenen Gottesdienst nicht abzusetzen. Der Gemeinderabbiner und der Vorsitzende des Vorstands erklärten jedoch in einem Schreiben an den Rektor unter Anerkennung seiner Bemühungen, daß sie nicht in der Lage seien, an den Festakten teilzunehmen, da die studierende jüdische Jugend sich nicht mit voller Gleichberechtigung daran beteiligen könne. Gemeinde und Landesverband werden mit allem Nachdruck für die Rechte der jüdischen Studentenschaft eintreten. Oer preußische Landesverband lehnt den Cntwmf zur Verfassung des Neichsverbandes der deutschen Juden ab Der VerbandStag des Preußischen Landesverbandes hat den Beitritt auf Grund der vorgelegten Verfassung einstimmig abgelehnt. Die Einstimmigkeit war allerdings nur eine formale. Tatsächlich war für Annahme der Vorlage die ganze konservative Fraktion und ungefähr die Hälfte der Liberalen. Da bei dieser Sachlage die Annahme der Vorlage aber ausgeschlossen war, stimmten schließlich alle dagegen, die Konservativen, weil sie, falls der Entwurf der Verfassung nicht angenommen würde, ihre ursprünglichen Forderungen in ganzem Umfange wieder aufsiellen wollen. Die Gründe für die Ablehnung waren naturgemäß bei den verschiedenen Fraktionen verschieden. Übereinstimmend verlangen alle die Reichstagung auf Grund von Urwahlen. Der Volkspartei gehen die Aufgaben des Reichsverbandes nicht weit genug. Ferner verlangen sie, daß jede Beschränkung der preußischen Stimmen beseitigt werde. Das gleiche Verlangen wird von einem Teil der Liberalen gestellt. Diese lehnen außerdem ihrerseits die Aufgaben des Reichsverbandes ab, welche über die einer Religionsgesellschaft hinausgehen. Ferner bemängeln sie den § 17 der Verfassung, durch dessen Bestimmungen auch jede Regelung einer religiösen Angelegenheit verhindert werden kann, die ausschließlich nur eine Richtung betrifft. Von einem Teil der Liberalen wird der Name „Reichsverband der deutschen Juden" beanstandet. Die religiöse Mittelpartei verlangt, daß sie selbst und nicht nur die beiden Hauptrichtungen in der Verfassung berücksichtigt werden. Dies sind ungefähr die Haupteinwände, die erhoben wurden und die für die Ablehnung maßgebend waren. Der Weg, auf dem ein Reichsverband geschaffen werden kann, wurde nicht gezeigt. Spendet zur Opferwoche 1926 zugunsten der Notleidenden Münchens / Haus- und Straßensammlung 1. bis 8. Dezember

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