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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1926-11-08 · 11 (8.11.1926) · p. Seite 26

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1926
Issue
11 (8.11.1926)
Article
Protokoll der 45. Mitgliederversammlung am 20. und 31. August 1926 in Würzburg
Date
1926-11-08
Page
Seite 26 (sequence 3)
Language
German
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26 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 11 Neuschöpfungen darf dem jüdischen Kind nicht fremd bleiben. Besonders wichtig fei eine reiche Bibliothek für die Hand des Lehrers, der aus dem Vollen schöpfen müsse, um so auch dem Kinde das Beste geben zu können. Stoll will, vom Heimatgedanken ausgehend, das Interesse für geschichtliche Darbietungen erwecken. Die Lehrbücher, namentlich für die Mittelstufe, können in ihrer allgemeinen Fassung den Kontakt mit der Seele des Kindes nicht Herstellen. Dr. Bamberger ergänzt die Ausführungen der vorhergehenden Redner, deren Anschauungen er teilt. Ein großer Nachteil der jüdischen Geschichtsdarstellung sei, daß die ganze Geschichte des Mittelalters das Leiden der Juden so sehr betone, aber die positiven Leistungen des Judentums nicht genügend berücksichtige, so insbesondere die Wechselwirkungen zwischen dem Judentum und seiner nichtjüdischen Umgebung. Die reiche hebräische Quellenliteratur müßte viel mehr ausgeschöpft und soweit als möglich den Schülern zugänglich gemacht werden. Dr. Hanooer kann wohl den Ideen des Referenten und den Ausführungen der anderen Redner die Zustimmung nicht versagen, aber das alles scheitert an dem geringen Stundenmaß, welches dem jüdischen Religionsunterricht zur Verfügung stehe. Es fei ein Ding der Unmöglichkeit, hebräische Sprache und jüdische Geschichte in zwei Wochenstunden in dem gewünschten Umfange zu lehren. Erst jüdische Volksschulen mit dem Aufbau einer Mittelschule könnten vielleicht solche Hochziele sich stellen. Der Vorsitzende dankt dem Referenten und den Debatterednern und hofft, daß die Gedanken, wenn sie auch nicht alle in der Praxis sich verwirklichen lassen, doch reiche Anregungen für die Schule und für den Geschichtsunterricht zeitigen werden. Ankrag Brückheimer (Marktbreit). In der Nachmittagssitzung referiert Brückheimer über die zu erwartende Normalsatzung für die israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und begründet den , Antrag: Die Lehrervertreter in Rat und Tagung sollen dahin wirken, daß in das Statut für kleinere Gemeinden die Bestimmung ausgenommen werde: In rabbinerlosen Gemeinden gehört der Lehrer der Kultusverwaltung mit Sitz und Stimme an. In der Begründung führt er folgendes aus: 1. Der Lehrer als Gemeindesekretär der meisten Kleingemeinden muß viele Gemeindeangelegenheiten weit über seine Zuständigkeit hinaus selbständig erledigen. 2. In Württemberg genießt der Lehrer schon lange dieses Recht. 3. Die christlichen Kirchenverwaltungen sind undenkbar ohne den Leiter des Gottesdienstes. Auch die jüdischen Gemeinden sind gleich den christlichen nur R e l i g i o n s gemeinden. 4. Den Verwaltungsmitgliedern in den kleinen Gemeinden fehlt nicht selten die erforderliche Kenntnis des Religionsgesetzes. Die Zuziehung des Lehrers zur Verwaltung kann den jüdischen Gemeinden nur von Nutzen sein. Aus der sehr eingehenden Aussprache heben wir nur zwei Punkte hervor. Lehrer Höxter aus Bebra in Meiningen bemerkt, daß in den thüringischen Staaten der jüdische Religionslehrer kraft seines Amtes Mitglied der Kultusverwaltung sei. Dr. Bamberger (Nürnberg) weist darauf hin, daß die Satzungen der beiden Großgemeinden München und Nürnberg die Wahl eines Gemeindebeamten in den Vorstand ausschließen. Auch hier dürfte in den neuen Normalsatzungen eine Änderung angestrebt werden. Als Ergebnis der Aussprache wird folgende Fassung des Antrags einstimmig angenommen: In rabbinerlosen Gemeinden steht dem unwiderruflich angestellten Lehrer Sitz und Stimme in der Verwaltung zu. Der widerruflich angestellte Lehrer gehört der Verwaltung mit beratender Stimme an. Schiur-Buch von Nathan Adler (Nürnberg). Auf Wunsch des Vorsitzenden referiert Seminaroberlehrer Anfänger über das kürzlich erschienene urid in der Ausstellung von Kauffmann vorgelegte Schiur-Buch „Sefer Niv Sefosojim" des Kollegen Adler. Er wählt aus den 54 den Wochenabschnittm gewidmeten Vorträgen mehrere Musterbeispiele aus und bezeichnet das Buch in der Hand des Lehrers als wertvolles Mittel der sabbatlichen Belehrung. Wünsche und Anträge. Infolge der vorgerückten Zeit mußte die Aussprache über die Arbeit Hirnheimers ausgesetzt werden. Fulder (Treuchtlingen) berichtet im Auftrag der abgebauten Volksschullehrer über die Härten, welche die Bestimmungen des Volkschullehrergesetzes im Zusammenhang mit dem Abbaugesetz für sie haben. Während die Religionslehrer bis zum Höchstgehalt vorrücken, bleiben die abgebauten Volksschullehrer, die in den meisten Fällen als Religonslehrer und Kultusbeamte den Gemeinden vollen Dienst leisten, auf der Gehaltsstufe stehen, in der sie bei der Ruhestandsversetzung waren. Eine Abhilfe sei dringend notwendig. In seiner Erwiderung bemerkt der Vorsitzende, daß er in dieser Sache wiederholt im Ministerium vorsprach, eine Änderung fetze eine besondere Gesetzesvorlage voraus; es bestehe aber wenig Aussicht, daß wegen der geringen Anzahl der betroffenen Lehrer dem Landtag eine Gesetzesänderung unterbreitet werde. Hellmann (Würzburg) beschwert sich, daß einzelne in den Volksschuldienst übergetretene Lehrer Dienstjahre verlieren, die ihnen beim Verbleiben im Gemeindedienst angerechnet worden wären. Da diese Lehrer doch auch als Religionslehrer im Dienste der Gemeinden stünden, sei es eine Frage der Billigkeit, daß die Gemeinden die kleine Differenz übernehmen. Der Vorsitzende stellt in Aussicht, die Angelegenheit nochmals in Behandlung zu nehmen. Auf Anregung von Bamberger (Kitzingen) soll die nächste Mitgliederversammlung, womöglich zu Beginn der Ferien, in München stattfinden. Dr. Bamberger schlägt vor, den Gedanken der Arbeitsschule im Religionsunterricht in den Mittelpunkt der Verhandlungen zu stellen. Trauerkundgebung für Dr. Held (Nürnberg). Kurz vor Abschluß der Verhandlungen traf die Nachricht von dem Ableben des Geh. Justizrats Dr. Held (Nürnberg) ein. Spontan erhob sich die Versammlung von den Sitzen. In tiefer Ergriffenheit würdigte der Vorsitzende die Bedeutung der starken Führerpersönlichkeit Dr. Helds für die bayerische Judenheit, seine Tätigkeit in Gemeinde und Verband und knüpfte daran den ausdruck des Dankes, den die bayerische jüdische Lehrerschaft diesem Manne schulde, der stets mit warmem Herzen und tiefem Verständnis für die Interessen des Lehrerstandes eingetreten sei. Der Lehrerverein wird dem leider zu ftüh Heimgegangenen allezeit ein treues Andenken bewahren. Schluß der Sitzung. Um 51/* Uhr schließt der Vorsitzende die Versammlung. S. Dingfelder, M. Rosenfeld, 1. Vorsitzender. Schriftführer. Cduard Sonder Mit dem Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden beklagt auch der Israelitische Lehrerverein den Verlust eines Mannes, der gleich dem unvergeßlichen Geheimrat Dr. Held seine ganze. Tatkraft und Hilfsbereitschaft in den Dienst der jüdischen Allgemeinheit gestellt hat. Im Namen unseres Vereins widmete Seminaroberlehrer Stoll dem treuen Freunde des Lehrerstandes, der seit Jahren ein Ehrengast unserer Versammlungen war, einen warmen Nachruf. Er hob hervor, wie der Verstorbene in Konsequenz der ihm eigenen Hingabe für die sozial Schwachen seine besondere Fürsorge unserem Stande geschenkt habe. Unvergeßlich bleibe uns, wie unter seiner Führung die Gemeinde Kitzingen sich bereits im Jahre 1906 bereit erklärt hat, zur Durchführung einer freiwilligen Hilfsaktton Mittel in ihren Etat zu übernehmen, um die vom Lehrerverein geforderte Sicherstellung eines Mindesteinkommens aller Beamten zu ermöglichen. Der Lehrerverein wird dem Heimgegangenen ein dankbares Andenken bewahren. vückerfchau S. Rosenfelder, Merkbuch für den israelitischen Religionsunterricht. N. Adler, Sefer niv sefosojim. (Besprechung Vorbehalten.)

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