Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1926
- Issue
- 11 (8.11.1926)
- Article
- Protokoll der 45. Mitgliederversammlung am 20. und 31. August 1926 in Würzburg
- Date
- 1926-11-08
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 11 Mitteilungen des Israelitischen LchrervereinS für Bayern 25 Er stellte daher den von der Verwaltung einstimmig beschlossenen Antrag: 1. Eine Unterstützungsquote für alle Pensionisten und Witwen soll für die Folge nicht mehr bestimmt werden. 2. Die Unterstützungskommission ist berechtigt und beauftragt, nach Maßgabe der verfügbaren Mittel der Hilfskasse dort Beihilfen zu gewähren, wo eine dringliche Notlage (Krankheitsfälle, Mangel einer Pension oder ungenügende Pension infolge frühzeitiger Ruhestandsversetzung) vorliegt. Dieser Antrag wurde ohne Debatte einstimmig zum Beschluß erhoben. Im Anschluß daran begründete Dr. Bamberger nachfolgenden Antrag: In Würdigung der restlosen Eingruppierung der Religionslehrer und der Fürsorge für Pensionisten, Witwen und Waisen durch den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und den Versorgungsverband soll 1. die Werbetätigkeit durch Sammlungen für unsere Hilfskasse unterbleiben. 2. Dagegen können freiwillige Zuwendungen der Kasse zugeführt werden. 3. Es wird den Mitgliedern des Lehrervereins empfohlen, für unsere Lehrerbildungsanstalten werbend tätig zu sein. Auch zu diesem Antrag wurde keine Aussprache beliebt und der Antrag einstimmig angenommen. Jahresbeitrag: Der Vorsitzende gibt den Antrag der Verwaltung bekannt, wonach der Jahresbeitrag pro 1927 1. für ordentliche Mitglieder 30 JC 2. für Gewerkschaftsmitglieder 20 JC 3. für Pensionisten 15 J(, zahlbar in Halbjahresraten am 1. Januar und 1. Juli, betragen soll. Hierzu stellt Oppenheimer (Laudenbach) nachfolgenden Antrag: Der Vereinsbeitrag wird auf Grundlage der Gruppengehälter festgesetzt und soll auf 1 Prozent des Grundgehaltes normiert werden. Der Antragsteller ist, nachdem Dr. Hanover darauf hingewiesen hat, daß der Rabbineroerband auf ähnlicher Grundlage die Beiträge seiner Mitglieder erhebt, damit einverstanden, daß seine Anregung der Verwaltung als Material überwiesen wird. Dagegen entspinnt sich über den Antrag der Verwaltung eine längere Aussprache, in welcher sich Heipert (Scheinfeld) gegen denselben wendet, während Stoll (Würzburg), Müller (München) und Strauß (Nördlingen) für den Antrag eintreten. In der Abstimmung wird der Antrag mit allen gegen eine Stimme zum Beschluß erhoben. Auf Anfrage Hellmann, ob ein Teil der Anträge nicht einer Statutenänderung gleichkomme, stellt der Vorsitzende in Aussicht, die Beschlüsse in dieser Richtung zu prüfen und im nächsten Jahre nochmals zur Beratung zu stellen. Mitteilungsblatt. Der Vorsitzende berichtet über die Verhandlungen mit dem Präsidium des Verbandes, dem Verleger und dem Schriftleiter der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung über die Aufnahme unserer Mitteilungen in diesem Organ. Nach der getroffenen Vereinbarung stehen uns monatlich zwei Seiten der Gemeindezeitung zur Verfügung, wofür jährlich 300 JC zu entrichten sind. Die Schriftleitung der Beilage r^führt wie bisher der Schriftführer des Lehrervereins. Die Mitteilungen erscheinen bis zum 1. Januar 1927 im „Jüdischen Echo" und gleichzeitig in der Gemeindezeitung, ab Januar 1927 tritt der Vertrag mit letzterer voll in Kraft. Der Vorsitzende spricht dem Verlag und der Schriftleitung des „Echos" für das große Entgegenkommen, das sie in den Jahren 1923 bis jetzt uns gezeigt haben, herzlichen Dank aus und bittet die Kollegen, auch ferner ihr Interesse dem „Echo" zu erhalten. Gegen die getroffenen Abmachungen wird eine Erinnerung nicht erhoben. Beitritt zum Verband der Jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich. Schriftführer Rosenfeld referiert über die im vergangenen Jahre mit dem Verband geführten Verhandlungen und führt im einzelnen aus: 1. Die vorjährige Mitgliederversammlung hatte im Prinzip die Bereitwilligkeit zum Anschluß an den Verband ausgesprochen. 2. Eine Kommission hatte die Richtlinien festgelegt, welche in den Statutenentwurf des Verbandes übernommen wurden. 3. Die preußischen Provinzialvereine haben sich, unserer Forderung entsprechend, zum Jüdischen Lehrerverband in Preußen zusammengeschlossen. 4. Nach erfolgter Konstituierung des Reichsverbandes löst sich der Pfälzische Lehrer- und Kantorenverein auf, die Mitglieder desselben bilden einen Bezirksverband des Bayerischen Israelitischen Lehrervereins. Er gibt hieraus die erwähnten Richtlinien im Wortlaut bekannt und verliest den Satzungsentwurf des Verbandes. Referent stellt am Schlüsse seiner Ausführungen namens der Verwaltung den Antrag: Die Mitgliederversammlung wolle beschließen: Der Israelitische Lehreroerein für Bayern erklärt sich bereit, dem Reichsverband auf Grundlage des mit Schreiben vom 4. März 1926 eingereichten Satzungsentwurfs beizutreten. Hierzu stellt Stoll folgenden Zusatzantrag: Die Zahl der Ausschußmitglieder sei so zu bemessen, daß auch kleinere Verbände mindestens zwei Mitglieder, welche die verschiedenen religiösen Richtungen vertreten, delegieren können, um im Gesamtausschuß eine möglichst paritätische Vertretung der Richtungen sicherzustgllen. Ohne Debatte wird der Antrag der Verwaltung mit dem Zusatz Stoll mit allen gegen eine Stimme angenommen. Als Delegierte werden Dingfelder und Stoll, als Ersatzleute Rosenfeld und Hellmann gewählt. Resolutton zur Schächtfrage. Außerhalb der Tagesordnung erbittet Dr. Bamberger das Wort und weist auf die große Erregung in jüdischen Kreisen hin, die der Beschluß des Landtages in der Schächtfrage hervorgerufen hat. Die Mischen Gemeindebeamten fühlen sich verpflichtet, zu dieser, die religiöse Gleichberechtigung der Juden bedrohenden Maßnahme Stellung zu nehmen und sprechen dies in nachfolgender Entschließung aus. Der Israelitische Lehreroerein in Bayern spricht die Hoffnung aus, daß es der bayerischen Staatsregierung gelingen möge, trotz der Beschlüsse des Landtags in der Schächtfrage die bayerische Judenheit vor schwerer Gewissensbedrückung zu schützen. Wir sehen in diesen Beschlüssen eine Minderung der staatsbürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung, die in der freien Ausübung ihrer religiösen Satzungen durch ein Schächtverbot bedroht ist. Wir hoffen, daß die bayerische Staatsregierung, welche die religiösen Interessen der Juden stets in gerechter Weise schützte, die Durchführung eines Schächtverbots ablehnen Auf Vorschlag des Vorsitzenden wird die Entschließung dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden zur Kenntnisnahme und Verwendung übermittelt. Reftzrat Dr. Hammelburger (Würzburg): „Welche Forderungen stellen wir an den jüdischen Geschichtsunterricht und seine Lehrmittel?" In einstündigen Ausführungen behandelte Redner die Aufgabe des jüdischen Geschichtsunterrichts, der.wesentlich andere Ziele habe als der profane Geschichtsunterricht; er verbreitet sich dann über die Methode dieses Unterrichtsgegenstandes und gibt einen Überblick über die Werke und Lehrbücher, die die jüdische Geschichte behandeln, und kommt nach Würdigung der vorhandenen Schulbücher zu dem Ergebnis, daß ein Lehrbuch, dasden Ansprüchen des modernen Unterrichts genügt, erst zu schaffen wäre. Der Vortrag wird in unseren Mitteilungen erscheinen. Fräul. Löb (Köln), der der Vorsitzende besondere, Begrüßungsworte widmet, kommt als, erste.., in der Debatte zum Wort. Sie verlangt, daß das jüdische Kind nicht bloß in die große Geschichte seines Volkes eingeführt werde, sondern daß es auch mit dem Gegenwartsleben der jüdischen Gemeinschaft vertraut gemacht werde. Darum sollen die moderne jüdische Literatur, soweit sie kindertümlich ist, ebenso die Werke jüdischer Künstler in der Schule ihren Platz finden. Das moderne Palästina mit seinen vielen