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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-11-08 · 11 (8.11.1926) · p. Seite 283

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
11 (8.11.1926)
Article
Jüdische Lehrkurse der israelitischen Kultusgemeinde München
Date
1926-11-08
Page
Seite 283 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 283 II. Soziale Arbeitsgemeinschaft: Die soziale Diagnose. Leitung: Dr. med. et phil. W. Eliasberg, Großhesselohe. Jeden Dienstag halb 7 bis 8 Uhr im Bibliotheksaal. Beginn am 9. November 1926. Eintritt frei. Anmeldung durch Karte oder persönlich beim Kursleiter. Wenn in der Wohlfahrtspflege, in der Armenpflege, im Jugendgerichtsverfahren, in der Gesundheitsfürsorge Hilfe in Anspruch genommen wird, treten« folgende Fragen heran: 1. Welche Faktoren sind vorwiegend als Ursache des Zustandes der Hilflosigkeit anzusehen? 2. Ist ein konkreter Zustand von Hilflosigkeit ein „Fall", d. h. bestehen typische, sachliche Zusammenhänge? Die soziale Diagnose bemüht sich, das Typische, sowohl in den Persönlichkeiten als auch in ihren Schicksalen zu erkennen. Mit der Bezeichnung der Sozialdiagnose, soll nicht gesagt sein, daß die sozialen Gebilde in erster Linie und mehr als die individuellen Momente für den Sozialhelfer in Betracht kommen. Es wird Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft sein, diese Momente gegeneinander abzuwägen. In den ersten beiden Vorlesungen wird eine Übersicht der wichtigsten Methoden zur Erkenntnis dieser Zusammenhänge gegeben, wie sie von der Psychiatrie, der Tiefenpsychologie (Psychoanalyse), Charakterologie, Psychotechnik, der Nationalökonomie und den Sozialwissenschaften ausgebildet wird (Lebenslaufforschung, Fragenbogenmethode, Auskunftsverwertung, direkte Persönlichkeitsbeobachtung usw.). Die weiteren Vorlesungen sollen nach Bedarf mit der Literatur vertraut machen und dann, unter Berücksichtigung der Anregungen der Teilnehmer, konkreter Beispiele möglichst eingehend erörtern. Eine Besprechung wird unter dem Titel „Soziale Diagnose vom Standpunkt des Berufsberater" von dem Vorstand des Städtischen Berufsberatungsamtes München, Dr. Menne (30. November) geleitet. Es wird ausgegangen von Alice Solomon, Soziale Diagnose (Berlin 1926, Carl Haymanns Verlag). Es ist erwünscht, daß die Teilnehmer sich in den Besitz des Buches setzen (Preis M. 2.50). III. historische Arbeitsgemeinschaft: Das neue Testament und seine Beziehungen zum Judentum. Lektüre und Studium der jüdischen Quellen. Leitung: Dr. Ludwig Feuchtwanger, München, Grillparzerstraße 38. Jeden zweiten Dienstag 8,15 bis 10 Uhr im Beratungszimmer, Herzog-Max-Straße 5/1, Rgb. Beginn 16. November 1926. Eintritt frei. Anmeldung durch Karte oder persönlich beim Kursleiter. Das Studium der Geschichte ist eine besondere Aufgabe für die Erwachsenen: solange wir noch auf der Schulbank saßen, haben wir Geschichte gelernt, und daran erst unser historisches Denken geschult. Erst jetzt vom Standpunkt einer gereiften Persönlichkeit aus gewinnt für uns die Vergangenheit die Plastik und Tiefe, die uns zum rechten Bewußtsein der Geschehnisse und ihres Zusammenhanges mit der Gegenwart führen. Aus diesem Grunde hat eine Reihe von geschichtlich interessierten Damen und Herren in einer Vorbesprechung die Möglichkeiten gemeinsamen Geschichtsstudiums unter sachkundiger Leitung erwogen. Als Arbeitsgebiet soll für die nächsten Monate das neue Testament in seinen Beziehungen zu den jüdischen Quellen zum Ausgangspunkt geschichtlicher Arbeit gemacht werden. Von unserem Sruppenleden (Deutschjüdischer Wanderdüne Kameraden.) Jetzt, da der Sommer sich neigt, wir nach der großen Fahrt wieder zur Winterarbeit im Bunde rüsten, mag es wohl am ehesten angezeigt sein, einmal innezuhalten im rastlosen Tun und eine Überschau über das Geschehen des Jahres zu halten. Am frühen Sonntagmorgen, wenn die „Großen" sich noch einmal im Bett herumdrehen, ziehe ich mit meiner Bubenschar zur Stgdt hinaus. Am Wimpelspeer flattert lustig unser Fähnlein, die weiße Kameradenmöwe im schwarzen Feld. Meine Gruppe ist noch jung: doch sind schon wackere, wetterharte Kerle darunter, aber auch noch manches Muttersöhnchen, das sich erst allmählich in die Reihen unserer Pimpse, so nennen wir unsere Jüngsten, einfügt. Im Marschschritt geht's zum Walde. Und dort lebt unsere kleine Schar wieder einen „ihrer" Sonntage, die so ganz anders sind als die Sonntage früher zu Hause. Bald steht ein Zelt auf breiter Lichtung. Wir spielen fröhlich Völkerball, werfen den Speer, schwimmen im nahen See. Dann sitzt wohl die Schar beisammen, wir singen, einer lieft etwas vor, ein vergnügliches Stück aus irgendeinem Buch, das ihm lieb ist oder auch einen guten Brief, den ihm ein Kamerad aus dem Reick schrieb, wir plaudern. Aber solche Ruhe dauert nie lang. Schon fliegt der Ball wieder von einem zum andern. Und wie freut sich ein jeder, wenn der Freund recht tüchtig spielt. Im Spiel wird die Gruppe zuerst eine Einheit. Nun ist es Mittag: wir kochen ab. Einer hilft dem Führer beim Anlegen der Kochstelle, die, andern sammeln Holz, müßig darf keiner stehen. Bald steigt in achtungsvoller Entfernung vom Waldrand dünner Rauch empor, die mitgebrachten Kartoffeln schmoren bereits im Topf. Und bald ist die ganze Mannschaft im Kreis versammelt, einer teilt aus und nach einem herzhaften „Heil!" beginnt das Essen. Heute schmecken die Kartoffeln ganz besonders gut: das macht Ernstles Kochkunst! Eine kurze Raft nach dem Essen, zwei putzen inzwischen das Geschirr. Müheselig ist das. Aber wir sind doch stolz auf unfern blanken Gruppentopf! — Nun beginnt ein schneidiges Geländespiel. Unter atemloser Spannung schleichen sich vier unserer Buben heran: den Gruppenwimpel gilt es zu erobern. Aber die andern passen gut auf, immer wieder werden die Angreifer entdeckt und in die Flucht geschlagen. Aber am späten Nachmittag brechen sie doch durch und erobern die Fahne. „Nun aber rasch! Aufpacken! Heimwärts geht's. Seht wie die Fahne weht, Wohl dem, der zu ihr steht." klingt unser Lied. Am nächsten Heimnachmittag wird der Kampf vom letzten Sonntag noch lebhaft besprochen. Allmählich leite ich zu andern Dingen über. Das neue „Jungvolk" ist da, das Blatt für unsere Buben. Und im Gespräch darüber kommen wir zu tausend Dingen. Von der Schule erzählen die Buben, von mancherlei Erlebnissen und alles ist mir wichtig. Denn ich will jedem der Buben ganz nahe kommen. Das Gute in ihm stärken, das Hemmende in ihm überwinden. Und so den Einzelnen formend die Gruppe gestalten. Denn die Gruppe, in der jeder sich ganz einfügt, ist das Ziel. Singen, Turnen, Basteln füllen den Rest des Heimnachmittags. Und so wie bei uns ist das Leben auch in den andern Gruppen der jüngern Buben. Und die der kleinen Mädel, haben, in ihrer

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