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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-11-08 · 11 (8.11.1926) · p. Seite 282

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
11 (8.11.1926)
Article
Jüdische Lehrkurse der israelitischen Kultusgemeinde München
Date
1926-11-08
Page
Seite 282 (sequence 1)
Language
German
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282 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Mdische Lehrkurse der Israelitischen kultusgemeinde München. Von Studienrat Adolf Schaalmann. Die jüdischen Lehrkurse haben mit drei wohlgelungenen Abenden im Oktober einen ermunternden Anlauf genommen. Jetzt sollen im November und Dezember zusammenhängende Abendkurse stattfinden. Warum jüdische Lehrkurse in c,iner Großstadt, wo so vielerlei an Wissenswertem jedem geboten wird, der nur irgendwie den Drang nach Erweiterung und Vertiefung seines Wissens hat? Aber gerade deshalb darf eine jüdische Gemeinde es auch nicht versäumen, denen, die nach Bereicherung ihres jüdischen Wissens streben, eine möglichst mannigfaltige und leicht zugängliche Gelegenheit zu geben. Wie stolz ist jeder Jude ob der Anerkennung, die immer wieder trotz aller Anfeindungen von anständigen und wissenschaftlich geschulten Menschen dem Kulturgut seiner Väter und dem unvergänglichen religiösen Verdienst seiner Vergangenheit gezollt wird. Weiß er aber selbst um den Reichtum seines geistigen Erbes? Hat er auch die Fähigkeit, die kommende Generation, seine eigenen Kinder aus die vielfältigen Kulturtaten der Vorfahren auch nur hinzuweisen? — Geh hin und lerne! Was wollen die jüdischen Lehrkurse? Die Lehrkurse wollen Kenntnis und Verständnis der Kultur des antiken Orients vermitteln. Die Lehrkurse wollen Gelegenheit zum Studium der Geschichte des Judentums geben. Die Lehrkurse wollen Beziehungen des Judentums zur abendländischen Kultur auszeigen. Die, Lehrkurse wollen den Erwachsenen die Möglichkeit zur Übersicht und Aussprache über die Probleme der Erziehung bieten. Die Lehrkurse wollen Einblick und Anleitung in sozialer Arbeit gewähren. Dies zeigt folgendes Programm: A. .Lehrkurse. I. Dr. <£. Brandenburg: Einführung in die "Kultur und Kunst des alten Orients und deren Einflüsse auf die Kultur der Gegen- Vortragsserie mit Lichtbildern. Jeden Mittwoch 7 bis 8 Uhr im Bibliotheksaal. Beginn am 10. November 1926. Eintrittspreis: M. 10.— für alle sechs Abende. Jugendliche M. 5.— bzw. M. 1.—. M. 2.— für den Einzelabsnd. 1. Abend: Die ältesten Zeiten bis zum Beginn der Geschichte, der Entwicklung nach den ethnologischen Gesetzen. 2. Abend: Mesopotamien. 3. Abend: Ägypten. 4. Abend: Die Hettiter und der Jnselkreis. 5. Abend: Palästina. 6. Abend: Die Einflüsse des alten Orients auf den Occident und bis heute. Mit diesem Zyklus will Dr. Brandenburg einem bekannten Übelstand abhelsen. Unsere Kenntnisse von der Geschichte und Kultur des alten Orients sind in den letzten Jahrzehnten derart angewachsen, daß es selbst für den Fachmann nicht leicht ist, dieselben zu beherrschen. Liest der gebildete Laie ein Buch oder hört er einen Vortrag über eine bestimmte Epoche der Vergangenheit, so fehlt ihm meist der Überblick. Deshalb will Dr. Brandenburg an verschiedenen Abenden die einzelnen großen Kulturen in folgender Weise schildern: Zuerst gibt er einen möglichst knappen Abriß der Geschichte des betreffenden Landes. Darauf folgt eine ebensolche Schilderung der Religion und endlich der kulturellen Entwicklung. Dabei sollen besonders zwei Punkte hervorgehoben werden. Die Beziehungen dieser verschiedenen Kulturen zueinander und ihre Einflüsse auf die späteren Zeiten. Dadurch kann der Hörer in wenigen Stunden einen Gesamtüberblick über die ganze Entwicklung der Kultur bekommen und außerdem auch lernen, aus welchen Wurzeln die, welche er seine eigene nennt, entsprossen ist. Endlich wird cs ihm durch diesen Überblick auch möglich sein, das, was er über bestimmte Zeiten sonst hört, in diesen allgemeinen Zusammenhang einzuordnen. Da sich nun die Arbeiten des Vortragenden seit 1913 in allererster Linie mit Palästina und seiner Vergangenheit befassen, dieses Land aber gerade an einem Kreuzungspunkt jener alten Kulturen des Orients lag, so wird es in diesen Vorträgen ganz besonders berücksichtigt werden, was gerade für die Mitglieder der Kullusgemeinde von besonderem Interesse sein dürfte. II. Studienprofessor Dr. H. Klugmann: Gestalten der jüdischen Geschichte in dichterischem Gewände. Jeden Mittwoch 8,15 bis 9,15 Uhr im Bibliotheksaal. Beginn am 10. November 1926. Eintrittspreis: 931.2.— für den Kurs (für Jugendliche M. 1—). Der großartige Reichtum religiösen Erlebens, den uns unser biblisches Schrifttum vermittelt, die mannigfaltigen Geschehnisse im Leben des Einzelnen, des ganzen Volkes, und schließlich der gesamten Menschheit, von denen uns seine Blätter in so einfacher und natürlicher und doch so plastischer Sprache Kunde geben und in nicht geringerem Grade die schicksalsbewegte Geschichte des jüdischen Volkes haben zu allen Zeiten anregend und befruchtend auf die Künste gewirkt und der Gestaltungskraft des Künstlers gesunde Nahrung gegeben. So wurden Religion und Geschichte des jüdischen Volkes zu einer Fundquelle, aus der auch die Dichtung in hohem Maße zu schöpfend verstand. Die Fülle der poetischen Bearbeitungen religiöser und geschichtlicher Stofse gibt davon ein beredtes Zeugnis. Aus der großen Zahl der Dichterwerke sollen die folgenden sechs einer näheren Betrachtung unterzogen werden: 1. Abend: „Jeremias" von Stefan Zweig; 2. Abend: „Die Makkabäer" von Otto Ludwig; 3. Abend: „Judith" von Friedrich Hebbel; 4. Abend: „Herodes und Marianne" von Friedrich Hebbel; 5. Abend: „Uriel Akosta" von Karl Gutzkow; ö.Äbend: „Nathan der Weise" von G. E. Lessing. Wie aus der Formulierung des Themas ersichtlich, ist beabsichtigt, jeweils zunächst das historische Bild der Persönlichkeit zu skizzieren, um alsdann zur Betrachtung der dichterischen Bearbeitung überzugehen. Bei der Auswahl der Themen war der Gedanke mitbestimmend, sowohl die biblische wie die nachbiblische Zeit und aus der letzteren wiederum Mittelalter und Neuzeit zu Worte kommen zu lassen. B. Außer diesen Lehrkursen werden folgende Arbeitsgemeinschaften geführt. I. Pädagogische Arbeitsgemeinschaft: Das Kind in den ersten vier Schuljahren. Leitung: Studienrat Adolf Schaalmann. Jeden Donnerstag 8,15 bis 10 Uhr im Bibliotheksaal. Beginn am 11. November 1926. Eintritt frei. Die pädagogische Arbeitsgemeinschaft des vorigen Winters hat nachhaltige Wirkung gezeigt. War damals das Kind im Alter der Reife Gegenstand der Berichterstattung und Aussprache gewesen, so soll diesmal der A-B-C-Schütze und seine Gefährten bis zum Alter von etwa 10 Jahren in den Brennpunkt erzieherischer Arbeit gestellt werden. Für sechs Abende sind folgende Berichts in Aussicht genommen, die zeitlich so gehalten werden, daß ein angemessener Raum für die Aussprache frei bleibt: 1. Die Psychologie des jüngeren Schulkindes. 2. Das Kind unter seinesgleichen. 3. Das Kind in der Familie. 4. Gesundheitspflege des Schulkindes. 5. Die Musik in der Erziehung des Kindes. 6. Der Übergang in die höhere Schule. Für diese Themen haben sich neben dem Leiter, Frau Josef Hirsch, die Herren Lehrer 93t. Adler, Hofrat Dr. med. Nürnberger, Dr. med. et. phil. W. Eliasberg, Oberlehrer S. Keßler und sind, med. H. Lamm zur Verfügung gestellt.

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