Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-10-07 · 10 (7.10.1926) · p. Seite 262

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
10 (7.10.1926)
Article
Zur Geschichte der Juden in München
Date
1926-10-07
Page
Seite 262 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2727810-2727823-2727833-2730256--01374-2730334
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

262 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 mer, tät's jetzt nimmer" und wandte sich von ihr ab. Heine verkaufte 1850 seine Handelsgerechtsame und zog mit seiner Frau nach Wien. Nach seinem löö3 erfolgten.Tode ubersiedelte sie wieder nach München, und wird mit ihren gescheitelten, schneeweihen Haaren als „ausfallende Schönheit" geschildert. Sie starb 1877. Jedenfalls ist uns ihr Bild aus der schönsten Blütenzeit erhalten, das sicher schon von vielen beschaut wurde, ohne die schöne Jüdin darin zu erkennen. Mit diesen Ausführungen ist zum erstenmal ein kurzes, aber abgeschlossenes Bild über die Geschichte der Juden in München vor der Öffentlichkeit entwickelt worden. Ich weiß sehr wohl, daß dasselbe noch manche Lücken enthält, die ich zum Teil absichtlich gelassen habe, ich weih auch, daß verschiedene Männer der Wissenschaft, und — auch eine Lame — dies Arbeitesgebiet begonnen, aber bis heute-noch nicht vollendet haben. Reich ist das Material, das sich in den Archiven des Staates und der Stadt befindet und es bildet sicher noch eine große Fundgrube, aus der noch vieles, und manches „Wertvolles" gehoben werden könnte. Noch mehr aber wiro dies möglich fem, wenn die Kultusgemeinde ihre alten Akten einmal geordnet hat, und ich glaube dafür wäre jetzt die höchste Zeit. Ich bin davon überzeugt, daß sich zu dieser schwierigen und langwierigen Arbeit genügend Hilfskräfte zur Verfügung stellen; und die Vorstandschaft mühte darin eine ihrer „wichtigen" Aufgaben erblicken und besorgt sein, dafür Räume zu schaffen und es wäre vielleicht daran zu denken, der Gemeindebibliothek ein Archiv anzugliedern. Jüdischer Neichsverband Der Ausschuß, der von der Vertreterversammlung der deutschen Landesverbände jüdischer Gemeinden am 18. Juli d. I. in München eingesetzt worden ist, um den Entwurf einer Verfassung für den Jüdischen Reichsverband fertigzustellen, wird am 10. Oktober d. I. in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten. Sobald der Entwurf sertiggestellt ist, soll er einer neuen Versammlung der Vertreter der Landesverbände und sodann den Verbandstagen der einzelnen Verbände zur Genehmigung vorgelegt werden. Zentralstelle für jüdische ttdoptlonsvermittlung Es ist wohl das traurigste Kapitel des Menschheitselends, daß es Mütter gibt, die nicht imstande sind, ihre Kinder zu ernähren, zu kleiden, zu erziehen und sie etwas lernen zu lassen, — die sich von ihnen trennen wollen, um sich selber wieder emporzuarbeiten und den Kindern die Möglichkeit geben wollen, in geordneten Verhältnissen, — gesunde Menschen zu werden. Es sind nicht die schlechtesten Mütter, die uns bitten! „Gebt mein Kind in gute jüdische Hände; ich kann nicht für es sorgen." Anderseits gibt es Frauen mit mütterlichem Empfinden, denen das Erlebnis der Mutterschaft versagt ist, die sich nach einem Kinde sehnen, an dem sie und ihre Familie neue heilige Ausgaben zu erfüllen haben. Wir wollen Beiden helfen. Wir suchen Mütter für die uns gemeldeten Kinder; wir suchen Linder für die sich uns meldenden Mütter. Wer an unserer Arbeit mithilft, dient dem Judentum. Zentralstelle für Iüd. Adopkionsvermittlung des 2üd. Frauenbundes. Vorsitzende: Frau Lina Mosheim. Geschäftsstelle: Elberfeld, Genügsamkeitsstraße 7. Zentralwohliahrtsstelle der deutschen Juden Der geschäftsführende Ausschuß der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat sich in seiner letzten Sitzung, die am Dienstag, den 14. d. M. stattfand, mit dem Austritt des Jüdischen Frauenbundes befaßt und einstimmig folgende Erklärung beschlossen: Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bedauert aufrichtig den Austritt des Jüdischen Frauenbundes und hofft zuversichtlich, daß der Jüdische Frauenbund bald diesen Beschluß revidieren und sich zur gemeinschaftlichen sozialen Arbeit mit den übrigen zentralen jüdischen Organisationen in der. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden erneut züfammenfinden wird. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bedauert außerordentlich, daß die Veröffentlichung des Jüdischen Frauenbundes in eine Form gefaßt worden ist, die irrtümliche Auffassungen über die Arbeit in der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und über die Lage in der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden aufkommen lassen könnten. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden ist überzeugt, daß dieser Eindruck nicht vom Jüdischen Frauenbund beabsichtigt war, da er aber gleichwohl entstehen könnte, sieht sie sich veranlaßt, mit allem Nachdruck zu betonen, daß die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in unveränderter Kraft ohne Aufschub und ohne Unterbrechung weiter geführt wird und daß auch durch den Austritt des Jüdischen Frauenbundes keinerlei Unterbrechung der Arbeit eintritt. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden weiß, daß sie bei der Fortführung ihrer für das Gedeihen der jüdischen Wohlfahrtspflege entscheidend wichtigen Arbeit auch in Zukunft auf die Mitarbeit aller in Frage kommenden Faktoren und aller ihrer Freunde rechnen kann. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden selbst wird alles tun, um die Einheit und Zusammenarbeit in der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland zu erhalten. Nalhenow ‘ Am Sonntag, dem 3. Oktober, nachmittag fand unter großer Beteiligung der jüdischen Gemeinde und in Anwesenheit mehrerer Ehrengäste die feierliche Einweihung der neuen Synagoge in der Fabrikenstraße Nr. 2 statt. Erschienen waren Oberbürgermeister Lindner, Stadtverordnetenvorsteher W a r n e k e, die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, Pastor D e ck e r t und Pfarrer K n o b l o ch , ferner Vertreter von Körperschaften und der Presse. Die Festpredigt hielt nach feierlichem Einholen der Gesetzesrollen und Anzünden des ewigen Lichtes Herr Rabbiner Dr. Löwe n st a m m aus Spandau, der seiner Predigt den großen Menschheitsgedanken des Friedens zugrunde legte. Als Vertreter des Landesverbandes hielt Dr. Freund (Berlin) eine geistvolle Ansprache über die Notwendigkeit des sittlichen Wiederaufbaus der Welt und Öberkantor Riesenberg brachte mit geschulter Stimme mehrere prachtvolle hebräische Gesänge und Beethovens „Die Himmel rühmen^' unter Begleitung des Chordirigenten Zwillenberg meisterhaft zum Vortrag. Der Gebetsaal selbst, der nach den Entwürfen der Architekten Gustav Bauer und Siegfried Friedländer (Berlin) ausgeführt wurde, fand den ungeteilten Beifall aller Anwesenden. - F HAUS DER Q U A L I T Ä 1 S S T 0 F F E MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 =* N. STARK & Cit NÜRNBERG , LUITPOLDSTRASSE 11 ' L.«. LL, na, rafaraia

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.