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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-10-07 · 10 (7.10.1926) · p. Seite 258

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
10 (7.10.1926)
Article
Rom und Juda
Date
1926-10-07
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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258 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 „armenoid", d. h. weder arisch, noch semitisch), so haben sie doch in kultureller Hinsicht einem großen Teil Vorderasiens, in der Zeit von etwa 1500 bis ins 1. Jahrtausend hinein, den Stempel ausgedrückt. Auch den Kanaanitern, die damals in Palästina saßen. Für die damaligen Verhältnisse ist es charakteristisch, daß um 1400 v. Chr. der ägyptische Gouverneur von Jerusalem, Putichepa, ein Hettiter ist, und außerdem werden die Iebusiter, denen David seine spätere Hauptstadt wegnimmt, auch für einen Stamm derselben gehalten. So groß wie auf die genannten Länder war aber auch ihr Einfluß auf Kleinasien, ihr eigentliches Stammland, und besonders auch auf Lydien und sein „Hinterland" Phrygien, wo ihnen verwandte Stämme saßen. Von manchen Gelehrten wird nun angenommen, daß sie auch mit den sogenannten Seevölkern Zusammenhängen, die in der uns hier beschäftigenden Zeit die Küsten, besonders die ägyptischen, unsicher machten. Wie dem auch sei, gegen Ende des 2. Jahrtausends beginnt die Periode der großen Wanderungen, deren bekannteste die Dorische, etwa vor 1100 ist; von Norden und Nordoften dringen nun, wie man annimmt, indogermanische Völker in Kleinasien ein, wie fast ein Jahrtausend später die Kelten, und nötigen die dort wohnenden Stämme zum großen Teil zur Auswanderung. So auch erhebliche Teile der lydischen und lykischen Bevölkerung, welche als Tyrrhener westwärts über das Meer gingen und sich in Italien niederließen. Dort wurden sie dann Etrusker genannt. Das Warum aller dieser verschiedenen Namen hier zu erörtern, würde zu weit gehen. Das geschah bald nach 1500 v. Chr. Entgegen der heute vorwiegenden Ansicht, daß diese erste etruskische Einwanderung in Italien (denn gegen Ende des 8. Jahrhundert kam noch ein zweiter, größerer Schub herüber), mehr der Beutezug von wilden Seeräubern, als eine regelrechte Emigration war, nehme ich letzteres an, denn ein hervorragender Zug der Etrusker ist die bevorzugte Stellung, die sie der Frau bei sich einräumten, ganz abgesehen von andern Gründen, welche auch gegen die gültige Ansicht sprechen würden, wäre das allein schon ein Gegengrund: Wenn man Frauen und Kinder besonders schätzt, so läßt man sie nicht in der von Feinden bedrängten Heimat schutzlos im Stich und treibt sich auf Seeräuberfahrten herum! Diese geschichtlichen Daten brachte ich nur, um zu erklären, warum sich gerade bei den Etruskern so vieles findet, was stark an die vorderasiatische Kultur erinnert, oder ihr sogar gleicht. Und weiter ergibt sich daraus, daß auch bei den Römern so manches anzutteffen ist, das uns dort als durchaus nichteuropäisch, sondern mit Recht als asiatisch überrascht. Wir haben ja als Kinder die Namen der römischen Könige gelernt, die mehr als zwei Jahrhunderte über Rom herrschten, von denen aber mindestens drei Etrusker waren; mit andern Worten; Rom stand von etwa 600 — 500 unter etruskischer Herrschaft, wenn auch das Selbstbewußtsein des Römers das später zu cachieren versucht hat. Das allein genügt schon, um zu beweisen, w i e stark jener Einfluß auf Rom gewesen ist! Die Römer haben außerdem von ihren damaligen Herren nicht nur die Heeresorganisation und die der Beamtenschaft übernommen, sondern vor allem auch manche Götter und den ganzen Kult! Natürlich waren derartige intensive Einwirkungen nur möglich, wenn zwischen beiden Völkern eine gewisse Ähnlichkeit, ja man kann sogar sagen, starke kulturelle Verwandtschaft bestand. Um das möglichst klar zu machen, nochmals in aller Kürze: Die Hettiter beeinflussen, ja sind resp. sogar vom gleichen Stamm und der gleichen Kultur, wie die Lyder usw. Erhebliche Teile der letzteren müssen auswandern und beeinflussen nun ihrerseits in Italien die ihnen zeitweise sogar völlig unterworfenen Römer; das ist der eine Kulturftrom von Kleinasien nach Italien. Der zweite geht von derselben Quelle aus, mehr südlich durch Syrien nach Palästina; an ihm liegen, um im Bilde zu bleiben, Hebron (Abaham und die Kinder Het's!) und vor allem auch Jerusalem, damals allerdings noch nicht jüdisch, aber jebusitisch, - also hettitisch! Die ganze ägyptischhettitische Politik von rund 1500—1200 dreht sich um die Grenzgebiete beider Staaten, um Syrien-Palästina. Ungefähr in der gleichen Zeit sangen die C h a b i r i, das sind die H e b r ä e r, an in Palästina einzuwandern, d. h. sie bemächtigen sich eines Ortes nach dem andern, wie das zum Teil das Buch der Richter illustriert. Sie unterliegen dabei einer Entwicklung, die sich in jenen Ländern öfters abgespielt hat, sie gehen vom Nomadentum, dessen Hauptrepräsentant Abraham ist, zur Seßhaftigkeit über. In diesem Prozeß sind sie das jüngere, weniger kultivierte, aber frischere Volk, das wegen letzterer Eigenschaft die kulturell höher stehenden, daher aber auch schlafferen Eingesessenen besiegt; dann aber wird der Sieger von der Kultur des Besiegten überwunden, wie das so oft geschehen ist. Letztere ist aber stark mit hettitischen Elementen durchsetzt, die nun wieder auf die Juden übertragen werden, was auch nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht zwischen beiden, genau wie zwischen den Römern und Etruskern, eine gewisse Ähnlichkeit bestanden hätte. Nur in einem Punkt, der allerdings von großer Wichtigkeit war, bewahrten die Juden ihre Eigenart: in der monotheistischen Gottesauffassung! Was allerdings insofern eingeschränkt werden muß, als jener Begriff für die damalige Zeit doch noch zu hoch war, um auch von den breiten Massen wirklich erfaßt zu werden; fast bis zum Exil blieb er „esoterisch", lebte in dem kleinen Elitekreis der Propheten und ihrer Jünger und wurde von ihnen vertieft. Das Volk aber fiel immer wieder in die ihm sinnfälligere Idolatrie der Kanaaniter zurück, wie es die ewigen Klagen der Propheten schildern. Wenn ich bei Jerusalem eine ganze Anzahl von Felsaltären, Kultgrotten usw. fand, die augenscheinlich nicht jüdisch sind, so ist das nur ein neuer Beweis dieser längst bekannten Tatsache! Sehr schmeichelhaft für das Volk ist das freilich nicht gewesen, aber die Propheten haben ihm noch viel weniger Schmeichelhaftes gesagt! Dagegen ist darin indirekt ein großes Lob für jene auserlesene kleine Schar, die Hüter des wahren Glaubens enthalten, weil dadurch erst die ungeheuren Widerstände, die sie zu überwinden hatten, offenbar werden, die schweren Kämpfe, die sie zu bestehen hatten, ehe sie ihrer Lehre zur vollen Anerkennung verhelfen konnten, und ohne welche jene sehr wahrscheinlich, wie so manche andere, verflacht und untergegangen wäre. Ich habe das hier nur erwähnt, weil sich grade in diesen Spuren abgöttischer Kulte so manches Nachweisen läßt, was zu denen der Hettiter Bezug hat. Wir haben nun die beiden folgenden „Gleichungen", wobei ich dies Wort mit vollem Bedacht in Anführungsftriche sehe: Hettiter — Lyder — Etrusker — Römer, und die zweite Hettiter — Syrer — Iebusiter — Juden; wenn auch mit einem gewissen Vorbehalt können wir nun auch eine dritte Gleichung daraus ableiten: Die Römer sind in manchem den Hettitern ähnlich, diese aber wieder in manchem den Juden; also sind sich auch Römer und Juden untereinander in manchem ähnlich! 0uoä erat äemon8trunäum! In Wirklichkeit, z. B. in der wissenschaftlichen Ausarbeitung, mit der ich jetzt gerade beschäftigt bin, stellen sich diese Fra-

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