Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9 (8.9.1926)
- Article
- Geh. Justizrat Dr. Sigmund Held
- Date
- 1926-09-08
- Page
- Seite 246 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 mund Held gekannt haben, um so dankbarer sein für dieses Glück, daß wir seine Zeitgenossen, seine Freunde, seine treuen Mitarbeiter sein dursten und sein Bild als Ansporn zur Weiterarbeit in seinem Sinn und Geist unauslöschlich in unseren Herzen tragen können. Dank und Ehre seinem Andenken allezeit! Adolf Beer s. A. Die Tagung israelitischer Gemeinden Bayerns ist stolz darauf in ihrer Mitte noch die Vertretung des zeitweilig vom deutschen Vaterlande abgesplitterten bayerischen Saarlands zu bergen. Und ganz besonders stolz waren wir auf die Persönlichkeit Adolf Beers von St. Ingbert, der trotz seiner 75 Jahre niemals den weiten Weg zu uns scheute und uns aus dem reichen Borne seiner Erfahrung immer wieder unterstützte und belehrte. Am Samstag, dem 7. August 1926, ist Adolf Beer, im Begriffe, sich zum Gottesdienste zu begeben, von einem Schlaganfalle betroffen worden, dem er alsbald erlag. Zur Sabbathruhe ist der unermüdlich tätige Mann nun eingegangen. Um ihn trauert die israelitische Kultusgemeinde St. Ingbert, deren Geschicke er 30 Jahre lang leitete. Der Verband pfälzischer israelitischer Gemeinden, den er mit begründete, der Stadtrat St. Ingbert, dem er mehrere Wahlperioden angehörten, die Wohlfahrts- und Fürsorge-Ausschüsse sowie das pfälzische israelitische Altersheim, denen sein stetes Andenken und Sorgen galt, der Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem er als Mitglied des Vorstands des Landesverbandes Pfalz angehörte, die Saarloge, die vielen Ungenannten, die er mit Rat und Tat unterstützte, die Familie, deren verehrtes Haupt er war, nicht zum mindesten auch der Verband israelitischer Gemeinden Bayerns. Als wir ihm in schwerer Zeit Abschieds- und Trostworte zur Heimkehr in das Saarland mitgaben, da rief er uns zu: „Seien Sie unbesorgt, ich werde niemals vergessen, daß ich ein deutscher Jude bin!" Er hat es niemals vergessen, und wie er seinem Vaterlande und seiner Religion die Treue wahrte, so wird auch sein Andenken gesegnet sein bis in ferne Geschlechter. Sk. Ingbert. Am 9. Aug. bewegte sich ein stattlicher Trauerzug durch die Straßen St. Ingberts zum jüd. Friedhof. Galt es doch die sterbliche Hülle eines allgemein hochgeschätzten Mitbürgers, eines tiefreligiösen und vorbildlichen Glaubensgenossen zu ewigen Ruhe zu betten, Herrn Adolf Beer, dem langjährigen Stadtratsmitgliede, dem 1. Vorsitzenden des hiesigen Synagogenrates, dem er über 30 Jahre lang angehörte, dem Abgeordneten des Verbandes Bayer. Jsraelittscher Gemeinden galt diese letzte Ehre. Mit ihm schied ein Mann, der beseelt war von vorbildlicher Willens- und Tatkraft, von reichem Wissen und großer Welterfahrung, ein selbstloser Charakter von zäher Zielstrebigkeit, eine ganze Persönlichkeit, deren Abglanz sich wiederspiegelte in all den Kreisen, die ihm nahestanden. Zahlreich waren daher auch seine Freunde und Bekannte von nah und fern zusammengekommen, um ihm den letzten wohlverdienten Tribut der Anerkennung und des Dankes zu! zollen für sein verdienstvolles Wirken auf den verschiedenen religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Gebieten. An seinem Grabe sprachen neben Herrn Rabbiner Dr. Mayer (Pirmasens), Herr Lehrer Straus für die Kultusgemeinde St. Ingbert, Herr Israel (Saarbrücken) für die Saarloge, Herr Bürgermeister Kemps für die Stadtverwaltung St. Ingbert, Herr Kommerzienrat Josef (Landau) für den Verband Bayerischer Jsraelittscher Gemeinden, Herr Behr (Neustadt) für das Israelitische Altersheim Neustadt a. d. H., Herr Rechtsanwalt Dr. Kehr (Kaiserslautern) für den Verband der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens. Das Fazit aus all den beredten Kundgebungen aber lautet: Dem arbeits- und erfolgreichen Leben eines edlen seltenen Menschen hat der Tod einen Markstein gesetzt. Sein Name aber wird unverwischbar weiterleben und stets nur mit Gefühlen der Verehrung genannt werden. Secher lazadik lifrocho. Alzenau. Herr Lehrer B. W e ch s l e r sieht am 1. Oktober 1926 auf eine 25jährige Tätigkeit in der Gemeinde Alzenau zurück. Wir sprechen dem pflichtgetreuen Beamten und bewährten Jugendbildner zu diesem seinem Ehrentage unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Israelitische kinderheilstätte Bad kissingen. Die Kinderheilstätte ist die Hoffnung der Kinder. Sie ist ein Kinderparadies. Schattenspendende Spielplätze bei warmem Wetter, sonnige Spielplätze bei kühlem Wetter, eine stets kühle Schlucht mit anstoßendem Freilufttheater ein Wäldchen mit uralten Bäumen, ein großer wohlgepflegter Garten ist da und die Kinder fühlen sich dort so unendlich wohl. Aber auch das Innere der Anstalt ist schön. Wer je die Kinderheilstätte besichtigt, wird nie den von ihr gewonnenen Eindruck vergessen. Die Kinderheilstätte ist ein Werk edelster und reinster Menschen- und Kinderliebe, ein Werk echt jüdischer Barmherzigkeit. Die Initiative zur Begründung des Vereines, der vor wenigen Monaten das 25jährige Stiftungsfest feierte, gab Sanitätsrat Dr. Münz in Bad Kissingen. Der Verein wurde 1901 begründet. Die errichtete Geschäftsstelle steht seit Gründung unter der Leitung des 1. Vorstandes Herrn Adolf Schwarz (Nürnberg), Jakobstraße 12, der sich außerordentliche Verdienste um dieses karitative Werk erworben hat. Es gelang durch eifrige Sammelarbeit von Spendern und Stiftern, von denen in erster Linie Herr Salomon Bergmann sei., Aug. Fauth, Herr Adolf Schwarz in Nürnberg, Herr Jacob Ullmann vorm, in Schweinfurt, jetzt in Frankfurt a. M., Herr Jsak Burger und seine Kinder in Nürnberg, erwähnt seien, die Mittel zur Errichtung einer Anstalt zu erlangen und deren Betrieb durch jährliche Beiträge zu sichern. Reiche Beihilfen wurden dem Verein durch die jüdischen Institutionen, insbesondere durch den Verband Bayer. Israel. Gemeinden, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die Großloge und die Logen U. O. B. B. usw., sowie in der Jnflationsperiode durch den Joint, die Quäkerspeisung und die Spenden des Bayer. Sozialministeriums, der Deutschen Auslandshilfe usw., zuteil. Seit 1905 fanden zumeist unentgeltlich annähernd 4500 Kinder aus allen Teilen Deutschlands Aufnahme, wovon die meisten aus Bayern. In diesem Jahre wurde die Zahl die Kinderbetten durch vorgenommene Erweiterungsbauten von 58 auf 82 erhöht, so daß die Anstalt für 5 Monatsserien von Mai bis Oktober eine Aufnahmefähigkeit von mehr als? 400 Kinder hat. Ferner wurde dem Verein eine Abteilung: Mädchengenesungsstätte für Erwachsene angegliedert, die seit ihrem Bestehen Hunderten von Mädchen eine Kur in Bad Kissingen ermöglichte. Die Erweiterungsbauten und der Betrieb des Jahres 1926 haben die vorhandenen Mittel sehr geschwächt. Soll die Anstalt in gleicher Weise wie bisher segenbringend weiterwirken, so müssen ihr von allen Seiten reiche Zuwendungen zuteil werden die in Form von Kurbett st iftungen (Minde st betrag 1000 A), von jährlichen Beiträgen (möglichst nicht unter 10 Ji) und von Spenden erfolgen können. Möge Gottes Hilfe und der Menschen Wohlwollen der Kinderheilstätte eine glückliche Zukunft sichern. Die Geschäftsstelle in Nürnberg, Jakobst r a ß e 12, ist gerne zu allen weiteren Auskünften bereit. Israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen