Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (7.8.1926)
- Article
- Organ- und Nährpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit [Rezension]
- Date
- 1926-08-07
- Page
- Seite 231 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 231 Organ- und Nährpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit von Sanitätsrat Dr. P. Münz (Bad Kissingen). Aus Anregung der Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Kultusgemeinden in Bayern hat die Vorstandschaft eine Schrift über die medizinischen Organ- und Nährpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit erscheinen lassen. Die Schrift hat zum Verfasser Herrn Sanitätsrat Dr. Münz in Bad Kissingen, der bereits früher im Jahre 1904 eine Abhandlung ähnlichen Inhalts im „Israelit" veröffentlichte, die alsdann als Einzelschrist erschien. Der Verfasser stellt in der neuen Arbeit in übersichtlicher, prägnanter Weise die wichtigsten modernen medizinischen Präparate je nach ihrer Abstammung und Zusammensetzung aus animalischen, vegetabilischen oder mineralischen Produkten zusammen, indem er in jedem einzelnen Fall den religiösen Gesichtspunkt auch für den Genuß an den Passahtagen betont und auf die Möglichkeit eines rituell zulässigen Ersatzes hinweist. Herr Sanitätsrat Dr. Münz gibt wohl in den einzelnen Fällen die Zusammensetzung und rituelle Bedeutung der Präparate an, überläßt aber die Entscheidung über die Zulässigkeit letzten Endes den religiösen Instanzen. Im Interesse der autoritativen Bedeutung und der möglichsten Verbreitung dieser so wichtigen Schrift wird dieselbe mit Zustimmung des Verfassers dem Arbeitsausschuß der halachischen Kommission bei der traditionell gesetzestreuen Rabbiner-Vereinigung, Vorsitzender Herr Dr. Meier Munk in Berlin, zur Begutachtung vorgelegt, dessen Anerkennung und Billigung sie gefunden hat. Der Bund bayerischer gesetzestreuer israelitischer Kultusgemeinden glaubt mit der Herausgabe dieser Schrift sich ein Verdienst um das gesetzestreue Judentum erworben zu haben. Die Schrift ist gegen Voreinsendung von Ji 0.50 beim Schriftführer Herrn Lehrer Hirnheimer in Höchberg bei Würzburg zu beziehen; bei Mehrbezug tritt namhafte Ermäßigung ein. Wir glauben mit diesen Zeilen die jüdische Öffentlichkeit auf diese so wertvolle und interessante Schrift aufmerksam machen zu sollen. Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt). Vereine. 2. Sonderabend des Jüdischen Jugendvereins am 31. Mai im Skeinickefaal. Mit der ausgesprochenen Absicht unbekannte wertvolle Musik nahezubringen, hat der künstlerische Leiter des I. I. V. Dr. Waldner, den 2. Sonderabend zu einem „Russischen Abend" ausgestaltet: Der Erfolg war eines der interessantesten bisher in Münchener jüdischen Organisationen gebotenen Konzerte und zugleich ein Beweis, daß es eine gewisse Unterschätzung der Zuhörerschaft bedeutet, wenn in solchen Konzerten immer wieder die gleichen „Reißer", die gleichen Schubert- und Straußlieder, die gleichen Carmen- und Dalila-Arien geboten werden. Die Klage der Kassandra, das Duett Elektra-Klythemnästra aus Tanejews „Oresteia" waren demgegenüber ein erfreulicher Fortschritt, nicht minder die reizvollen kleinen Kammermusikstücke von Akimenko und Rimsky-Korfakoff für Klarinette bzw. Cello und Klavier. Die Sängerinnen Frl. Holzbauer, Frau Sternberger und Frau Dr. Loeb mit ihren schönen Stimmen verdienen für die künstlerische Wiedergabe aufrichtige Anerkennung, ebenso Frl. Wech und die Herren Werner und Dr. Flehinger für ihre instrumentalen Leistungen. Einen Höhepunkt des musikalischen Programms bildeten drei geistreiche originelle Klavierstücke „Bilder einer Ausstellung" von Mussorgsky; Herr Dr. Waldner wußte dieselben durch feinen und witzigen Vortrag und technischen Glanz den Hörern im wörtlichen Sinne „anschaulich" zu machen. Den Abschluß des wertvollen Abends bildete die meisterhafte Rezitation einiger Grotesken von Awertfchenko, Kabinettstückchen lebendigen Humors, durch Herrn Constantin Delcroix vom Staatstheater. Lilli Kovacs. Jüdischer Gesangverein. Die Jahrhundertfeier der jüdischen Gemeinde München hat mit dem starken Besuch der Synagogenkonzerte bewiesen, daß auch in München noch Interesse an jüdischem Gesang besteht. Der Jüdische Gesangverein hat es sich seit seiner Gründung zur Aufgabe gemacht, jüdischen Gesang zu pflegen. Leider hat er bis jetzt noch nicht die nötige Unterstützung gefunden. Wie viel resp. wie wenig der sangeskundigen und sangesfreudigen jüdischen Damen und Herren haben sich bis heute die Mühe genommen, ebenso in die Schönheiten jüdischer Melodien einzudringen, wie sie dieses bei anderen Komponisten getan haben. Die Mollmelodie einer Lecho docli am Freitag vor Tjschobeaf, der Ernst einer Col nidre, die Heiligkeit des Moos zur: sind das nicht Melodien, die jedem, der Musik liebt, ans Herz gehen. Wir stehen vor den hohen Festtagen, an denen der Jüdische Gesangverein bei allen Gottesdiensten mitwirkt; wir bereiten uns vor im Herbst wieder jüdische Melodien in einem Konzert zu bringen. Ihr alle, die ihr noch ein Herz für Judentum habt, kommt zu uns; helft uns jüdische Tradition zu erhalten, jüdische Melodien neu aufleben zu lassen. Zeigt, daß ihr Juden seid, die innerlich noch jüdisch fühlen. Ernst C a h n. AMTLICHER ANZEIGER Nummer 8 Beilage der Bayrischen Israelitischen Bemeindezeitung 7. Nugust 1926 Bekanntmachungen des Verbandes Bekanntmachung über die Konstituierung des Rats. Der für den Wahlabschnitt 1926/31 neugewählte Rat hat in seiner Sitzung vom 15. Juli gemäß § 17 der Verfassung in das Präsidium des Rats für die Dauer des Wahlabschnittes gewählt: Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer (München) als Präsidenten, Rabbiner Dr. Max Freudenthal (Nürnberg) und Justizrat Dr. Moses H o m m e l (Schweinfurt) als stellvertretende Präsidenten, Rechtsanwalt Dr. Elias Straus (München), als Sä)riftsührer, Oberlehrer Simon D i n g f e l d e r (München), als stellvertretenden Schriftführer, Kaufmann Ludwig Rosenzweig (Nürnberg), als Schatzmeister und Kommerzienrat Albert Joseph (Landau), als stellvertretenden Schatzmeister. München, den 3. August 1926. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Neumeyer. Bekanntmachung über Stipendien für jüdische Landwirte und Handwerker. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat für das laufende Jahr einen Betrag von 1000 Mark zur Verfügung gestellt, aus welchem Stipendien zur Ausbildung jüdischer Landwirte und Handwerker gewährt werden sollen. Gesuche sind bis zum 1. September 1926 an den unterfertigten Verband, München, Herzog-Max-Straße 7/1, zu richten. Den Gesuchen muß ein Lebenslauf und eine Bestätigung der zuständigen Kultusgemeinde über Bedürftigkeit und Würdigkeit des Nachsuchenden beigegeben werden. München, 23. Juli 1926. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Straus. Bekanntmachung über die Aufwertung der Markanleihen der kultusgemeinden. Mit der in Nr. 3 der Bayer. Israelitischen Gemeindezeitung veröffentlichen Bekanntmachung vom 8. März d. I. über die Anleihen der Kultusgemeinden haben wir die Gemeinden ausgefordert, ihre Anleihen auf Grund der Entschließung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 19. Februar d. I. beim