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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-06-08 · 6 (8.6.1926) · p. Seite 181

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (8.6.1926)
Article
Kinerheim der israelitischen Jugendhilfe e. V.
Date
1926-06-08
Page
Seite 181 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindez-eitung 181 Ferner steht ein schönes Wohnzimmer, das wir einer Stiftung ' verdanken, bereit, um einen Mädchenklub für erwerbstätige Mädchen aufzunehmen, wie er schon in früheren Zeiten unseren anderen Anstalten angegliedert war. Auch ein Kindergarten für den Mittelstand ist vorgesehen und wir hoffen, daß er gut besucht wird. Und nun komme ich zu meiner letzten Aufgabe, zu der, die mich am tiefsten erfüllt: Dem Dank. Dank dem Ministerium für soziale Fürsorge für sein Baudarlehen. Dank der „Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden" in Berlin für den uns verschafften Kredit. Dank dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden sowie der Israelitischen Kultusgemeinde München für die Bürgschaften, die sie uns geleistet haben. Dank dem edlen Freund unseres Vereines, dem es gelang, gestützt auf diese Bürgschaften, uns einen Kredit von M. 50 000.— zu verschaffen, ohne dem das ganze Unternehmen zum Scheitern gekommen wäre. Dank den Frauen, welche das schwierige Werk der Geldsammlung organisiert und mit so glänzendem, unerwartetem Erfolg durchgeführt haben. Dank dem Schwesternbund der München- Loge, dem wir die musterhafte Inneneinrichtung verdanken, Dank der München-Loge für den herrlichen, würdigen'Betsaal und Dank jedem einzelnen, der sich in den Dienst dieser Sache gestellt hat. Aber in dankbarer Erinnerung müssen wir heute auch derer gedenken, die in den 22 Jahren unseres Wirkens einmal ein Stück Weges mit uns gegangen sind." Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer beglückwünschte namens der Israelitischen Kultusgemeinde München und des Verbands Bayerischer Israelitischer Gemeinden den Verein Jugendhilfe zu seinem Werke. Weiter brachte Herr Direktor Schäfer vom Stadtjugendamt dein Verein Glückwünsche dar. Namens der München-Loge, die feit jeher dem Verein Jugendhilfe ihre Sympathien und ihre Hilfe zugewendet hat, überbrachte Herr Walter Weiß die herzlichsten Glückwünsche. In hübschen Versen sprach Frau Tilly Landauer all denen, die das Werk zum Gelingen brachten, Dank aus. Ein heiteres Festspiel, verfaßt von Frau Dr. Fränkel-Ehrentreu, wurde von den Kindern aufgeführt und damit schloß die stimmungsvolle Feier. Das Ministerium für soziale Fürsorge hatte schriftliche, die Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden in Berlin telegraphische Glückwünsche gesandt. Den Gästen wurde das Kinderheim gezeigt. Das Haus besteht aus ungefähr 20 hellen, lichten Räumen, die alle zweckentsprechend, schlicht und dabei doch geschmackvoll eingerichtet sind. Im Erdgeschoß befinden sich der Betsaal, der Kindergarten, ein Eß- und Wohnraum sowie ein Aufgabenzimmer für die großen Kinder, das Wohnzimmer für den Mädchenklub und das Büro. Im 1. Stock sind die Schlafräume für die kleinen Kinder und für die großen Knaben sowie Wasch- und Baderäume. Der 2. Stock wird von den schulentlassenen Mädchen bewohnt. Küchen, Vorrats¬ und Wirtschaftsräume, eine Waschküche mit elektrischer Waschanlage befinden sich im Kellergeschoß. Das Haus liegt in einem großen, schön angelegten Garten. Unter fachkundiger Leitung pflegen die Kinder den Garten selbst. Ein Sandspielplatz gibt den Kleinen Gelegenheit zu munterem Spiel. Von allen Seiten wurden bei der Besichtigung^ Befriedigung und Anerkennung ausgesprochen und die Worte, mit denen Herr Rabbiner Dr. Baerwald seine Festrede schloß, fanden wohl in aller Herzen Widerhall. „So möge denn der Herr dieses Haus in seine schirmende Obhut nehmen, damit sein Segen die Früchte reifen lasse, die als Saat der Liebe ausgestreut worden sind. Möge dieses Haus weiter fein ein Hort der Liebe, der uns mahnt, des Eigennutzes zu vergessen und in selbstloser Hingabe den hilfsbedürftigen Nebenmenschen zu dienen. Möge es sein eine Insel des Friedens, an der die Wellen des Hasses und der Feindschaft abprallen, ein Paradies, in dem Kinder den Traum der Jugend ungestört und selig träumen. Möge 1 Anmerkung: Das Heim kann jeden Donnerstag von 10—12 Uhr besichtigt werden. Liebe und Güte, aber auch Arbeit und Strenge hier das Regiment führen und zu Arbeitsamkeit, Frömmigkeit und edlem Menschentum erziehen, daß die dem Schutz dieses Hauses anvertrauten Kinder heranwachsen zu treuen Vekennern unserer Gemeinschaft, die gestählt sind für ihren Lebensweg, zu wackeren Bürgern des Vaterlandes, die draußen im Leben denselben Gemeinsinn betätigen wie der, der sie hier erzogen hat." Wohltätigkeilsveranstaltung zugunsten des Kinderheims in der Ankoniensiraße. Zugunsten des Kinderheims in der Antonienstraße fand am 30. Mai im Hotel Union eine Wohltätigkeitsveranstaltung mit Kabarett und Tanz statt. Das Kabarett, in dessen Mittelpunkt ein flott gespielter Sketch von Frau G. Günther-Katzenstein stand, stand auf beachtlichem Niveau und brachte eine Reihe von Tänzen, Vorträgen und Couplets. Den Abschluß bildete ein allgemeiner Zum 50jährigen Bestehen der Freiwilligen Sanitätskolonne München. Im Juli werden es fünfzig Jahre, daß die Freiwillige Sanitätskolonne München unter dem Zeichen des Roten Kreuzes begründet wurde. Dies verdient auch in diesen Blättern dankbare Würdigung. Viele unserer Glaubensgenossen erlebten an sich selbst oder ihren Angehörigen im Krieg und Frieden die Wohltat der ersten Hilfe und sachgemäßen Überführung durch Lazarettzug, Wagen oder Trage vom Schlachtfeld, oder vom Krankenlager zur Heimat, ins Lazarett, ins Krankenhaus, durch geschulte, uneigennützige Helfer. Die Freiwilligen, über ganz Deutschland verbreitet, nach wie vor eifrigen Sanitätskolonnen verdienen schon deshalb unsere vollste Anerkennung und Unterstützung (durch Erwerbung der außerordentlichen Mitgliedschaft), weil sie nicht nur, was selbstverständlich ist, allen Menschen ohne jeden Unterschied bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen unentgeltlich beistehen, sondern auch, weil eine Anzahl Juden in den Reihen der Sanitätsleute und in deren Führung als Ärzte, Beiräte und Chargierte tätig sind, kameradschaftlich und dienstlich in innigem, reibungslosem Verkehr. „Wir kennen keine Unterschiede des Bekenntnisses und des Standes", sagte im vorigen Jahre der Vorsitzende des Bayerischen Roten Kreuzes, Exzellenz von Brettreich, „wir kennen nur Männer, welche freiwillig übernommene Pflichten erfüllen." Was früher nicht gesagt zu werden brauchte, hören wir in heutigen Zeiten gerne, wo man uns Juden von anderer Seite ethische Gefühle, Rechte und Pflichterfüllung für das Vaterland und unseren Mitmenschen absprechen möchte. Gleich den anderen Konfessionen wird auch die israelitische Gemeinde, und zwar am Samstag, dem 3. Juli, im Sabbatgottesdienst, der segensreichen Tätigkeit der Münchener Freiwilligen Sanitätskolonne und ihrer im Laufe der fünfzig Jahre in Feld und Heimat dahingeschiedenen Mitglieder gedenken. Hilfeleistung. Bei der Eisenbahnkatastrophe am Ostbahnhof waren bei der Hilfeleistung tätig von hiesigen Gemeindemitgliedern: Kolonnenarzt Dr. Reis, Zugführer Emil Brader, Sanitätsmann Heinrich Walter, Alfons Thannhauser und Oberdörfer, sämtliche von der Sanitätskolonne München, sowie der Feuerwehrmann Julius Ambrunn mit der Abt. I. vücherfchau. Gebetbuch Tefillath Jifroel, Frankfurt a. M. Gebunden M. 1.50, bei Sammelbestellungen M. 1.—. Der Verlag L. Sänger, Frankfurt a. M., hat em Gebetbuch herausgegeben, das handlich und mit gutem Druck ausgestattet, übersichtlich und praktisch angeordnet, in Synagoge und Schule gute Dienste leisten wird. Die Gemeinden, die eine größere Anzahl von Exemplaren zu einem bei Sammelbezug ermäßigten Preise zu erhalten wünschen, wollen sich an das Sekretariat des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, München, Herzog-Max-Strahe 7/1, wenden, -ld,

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