Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (8.6.1926)
- Article
- Kinerheim der israelitischen Jugendhilfe e. V.
- Date
- 1926-06-08
- Page
- Seite 180 (sequence 1)
- Language
- German
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180 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Kinderheim der IsraeMiscken ^ugendhilie e.V. Am 9. Mai fand die Einweihungsfeier zur Eröffnung des neuen Kinderheimes in der Antonienstraße 7 statt. Vertreter der Stadt München, der Vorstand und die Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde München, eine Abordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, Lehrer sowie zahlreiche Vertreter charitativer Organisationen waren erschienen. , Die Feier begann mit dem Beethovenschen Lied „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", prächtig gesungen von Frau Emmy Kahn-Berliner. Hierauf folgte die Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Baerwald, der in weihevollen Worten dem Wunsche Ausdruck gab, daß das Werk, das hier geschaffen, blühen und gedeihen Im Namen des Vereins Israelitische Jugendhilfe begrüßte alsdann die 2. Vorsitzende, Frau Jda Blumenstein, die Anwesenden. Ihre Rede gab ein klares Bild der Arbeit und der Entwicklung der Israelitischer Jugendhilfe: „Im Herbst 1904 fassen 3 junge Mädchen den Plan, einen Kindergarten zu gründen. Unter dem Druck und der Schwere der Zeit wird. 1916 ein Gedanke zur Tat, der uns schon lange beschäftigte und der nun bestimmend für die Zukunft des Vereins werden soll. Ein Ausschuß bildete sich, der sich der offenen Jugendfürsorge widmete. Damit vermag der Verein seine Fürsorge über die Zöglinge seiner Anstalt hinaus auf die gesamte jüdische Jugend auszudehnen, die ihrer bedürftig ist, auf die schulentlassene Jugend, auf alle verlassenen, gefährdeten, kranken, minderwertigen Kinder. Die unendlich mühselige und dornenvolle Arbeit, die dieser Ausschuß auf sich genommen, wird noch dadurch erschwert und gehemmt, daß der Unterbringung solcher Kinder in Anstalten meist unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege stehen. Aber der Verein Jugendhilse, der nie auf halbem Wege stehen geblieben ist, schreckte auch jetzt vor einer großen Aufgabe nicht zurück. Wo 150 Kinder täglich aus- und eingehen, speisen, spielen, arbeiten, baden, da findet sich auch noch Raum für 2 Kinderbettchen und zwei verlassene kleine Wesen. Kann man ihnen auch sonst nichts bieten, so doch ein Dach über dem Kops und warme mütterliche Fürsorge. _* iiiiiiliim fite: ij Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe e. V-, München, Antonienstraße 7 Im Frühjahr 1905 wird der Verein Jugendhilfe gegründet, der von einem namhaften Teil der Münchner jüdischen Familien entweder durch Geldbeiträge oder durch rege Mitarbeit unterstützt wird. Die dürftigen Rückgebäudezimmerchen dehnen sich zu einer netten, sonnigen Dreizimmerwohnung mit einem hübschen Gärtchen aus, die den damaligen Anforderungen vollkommen genügt. Die Zahl der Kinder steigt auf 30, den drei Gründerinnen treten zahlreiche junge Mädchen als Helferinnen zur Seite. 1911 besuchen 90—100 Kinder die Anstalten des Vereins und doch müssen noch so viele arme Kinder zurückgewiesen werden. Die folgenden Jahre bringen wenigstens insoferne einen Fortschritt, als nacheinander noch 2 Wohnungen im gleichen Haus hinzugenommen werden können. Dann kommt der Krieg und zerrüttet alle Hoffnungen und Pläne für das eigene Heim. Dagegen bringt er in die ungenügenden Räume ungeheure Aufgaben. In fieberhafter Geschwindigkeit wird in der engen Wohnung mit der einzigen Küche ein Tagesheim mit Speisung für 105 Kinder aller Konfessionen eingerichtet. Durch die große Tüchtigkeit der damaligen Leitung und dem Opfersinn der ganzen Gemeinde wird sie durch alle Fährnisse, Schwierigkeiten und Härten der kommenden Jahre glänzend durchgeführt und bewahrt 150 Kinder vor Unterernährung und Verwahrlosung. Im Jahre 1920 war bereits für 7 Heimkinder Platz geschaffen. Seit Dezember 1921 ist das Heim für 18 Kinder eingerichtet und stets voll besetzt. Und nun das Bild der letzten Jahre in der Baaderstraße. Auf der einen Seite intensive, blühende Tätigkeit und schöne Erfolge bei den im Heim lebenden Kindern. Auf der andern Seite trostlose, unhaltbare Zustände in der ungenügenden, unhygienischen Woh- Endlich spitzt sich die Situation so zu, daß wir vor der Entscheidung stehen. Entweder das Heim ganz auflassen oder ein eigenes Heim erwerben. Und da hat sich nun in dem Haus Antonienstrahe 7 ein über alle Maßen geeignetes Objekt gefunden. Vom neuen Heim brauche ich nicht viel zu sagen. Für dieses sprechen die Räume und ihre Einrichtung. Zur kurzen Erläuterung diene Ihnen der Hinweis, daß dieses Haus ursprünglich kein Wohn-, sondern ein Kontorhaus war, das durch kleine bauliche Veränderungen in ein ideales Heim umgestaltet werden konnte. Das Heim, das Kinder aus dem ganzen Lande aufnimmt, umfaßt 3 Abteilungen: 1. Abteilung für 15 kleine Kinder im Alter von 2—8 Jahren. 2. Abteilung für Kinder bis zu 14 Jahren. 3. Abteilung für schulentlassene Mädchen, die den Haushalt und die Kinderpflege erlernen.