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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-06-08 · 6 (8.6.1926) · p. Seite 164

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (8.6.1926)
Article
Hebräische und jüdische Elemente im Deutschen
Date
1926-06-08
Page
Seite 164 (sequence 8)
Language
German
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164 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Zeit sehr viel, auch kirchliche Würdenträger führten. solche und erst die Zeit nach der „Aufklärung" brachte hierin für Deutschland, anders als. in den angelsächsischen Ländern, eine unerfreuliche Wandlung. Wer kennt nicht den derben Pater und Kanzelredner Abraham a Santa Clara, der zudem von Hause aus anders hieß und jenen Namen erst später annahm? In Holland gab es ungefähr zur selben Zeit einen Admiral Abraham van der Hülst und in Amsterdam gibt es noch heute sogar eine römisch-katholische Moses-undAaron-Kirche. Um den Stammvater Isaak und die Einbürgerung seines Namens nicht zu übersehen, sei an den deutschen Komponisten des 15. Jahrhunderts Heinrich Isaak erinnert. Jud treffen wir sogar als Namen adeliger Familien. Eine noch nicht lange verstorbene jüdische Trägerin des Namens der Stammutter Sara war die hochberühmte Tragödin Sarah Bernhardt, die übrigens keineswegs in Paris, sondern in Schopfloch in Mittelfranken geboren ist. Weitere sehr gebräuchliche Namen sind;. B. noch David, Daniel, Jonas, Jose]. Dem Ezechiel, auch Hesekiel, sieht man seine ursprüngliche hebräische Gestalt Jecheskel kaum mehr an. Zuguterletzt kommt der hauptsächlich als Engel bekannte Michael, der ganz unverhofft im deutschen Michel zum Typus des deutschen Bürgers ernannt wurde. Tatsächlich wird diese Würde aber seinem Namenssohn Michael Elias von Obentraut zukommen. Dies war ein General aus der Zeit des 30jährigen Krieges, der seinen Gegnern, den Spaniern, als Vorbild deutschen Wesens erschien und von den Spaniern hat dann der „deutsche Michel" seinen Weg zu anderen Völkern und auch in seine Heimat gestruden. Es ist beachtenswert, daß die Juden selbst ihre eigenen biblischen Namen noch viel weniger rein erhalten haben als ihre christliche Umgebung. Aus Samuel wird Schmul, aus Isaak das heute noch gebräuchliche Seckel, aus Israel Srul. Die Erklärung für diese Korrumpierung ist die, daß den hebräischen Namen, um sie als Rufnamen für die Kinder zu verwenden, durch Anhängung der deutschen Verkleinerungssilbe le die Koseform gegeben wurde. Dieser angehängten Silbe zuliebe wurde daun, zumal bei an und für sich dreisilbigen Wörtern, auf die erste, zum Stamm gehörige Silbe verzichtet, um den Namen nicht durch eine unbequeme Länge die Brauchbarkeit als Rufnamen zu nehmen. Bei Erwachsenen blieb dann einfach zumeist die Verkleinerungssilbe weg. Die so korrumpierten Namen waren jedoch vollwertig und hatten auch bei Christen keineswegs die Bedeutung eines Spitznamens oder gar eines Schimpfnamens. Den Namen ltzig für Isaak lesen wir z. B. in hebräischer Schrift auf den Titelblättern der Werke des Fürther Buchdruckers Zürndorfer noch im 19. Jahrhundert. Nicht hebräisch ist der dem großen Mazedonierkönig zu Ehren von Juden angenommene Name Alexander. Dem hochsinnigen deutschen Kaiser Friedrich Hl. zu Ehren gaben in ähnlicher Weise viele Juden ihren im Jahre 1888 geborenen Knaben den Vornamen Friedrich. Noch ein Wort über einige aus dem Hebräischen stammende verdeutschte Familiennamen. Rohn oder richtiger Rohen, „Priester", nennen sich mit Recht diejenigen, die als Nachkommen Arons gelten, und Levi, Levy, Lewi oder Lewy, d. h. Levit, die der Überlieferung nach vom Stamme Levi abstammen. Dagegen beruht der häufige Name Kahn für die erstgenannten, wfern er nicht etwa ausnahmsweise von „der Kahn" kommt, ebenso wie Loewi, Loewy auf einem sprachlichen Irrtum. Ein sephardisches Kähen würde einem aschkenasischen Rohen entsprechen, allein die aschkenasische Aussprache ist nicht Rohen, sondern Rouhein, was sephardisch Rohen, im Deutschen abgekürzt Rohn ist. Davon weiter Rahn zu bilden ist ein Unding. Der Name Loewi endlich kommt von einer falschen Aussprache des e in Lewi. Von Moses prägte man das Wort mosaisch, von Israel, einem Beinamen des Stammvaters Jakob, Israelit und israelitisch, von Juda, dem Sohne des Jakob, erhielt der gleichnamige Stamm seinen Namen und davon wieder ist der Jude und jüdisch abgeleitet. Nach der Trennung des salomonischen Reiches in ein Nord- und Südreich ist allgemein der Ausdruck Israel für die zehn Stämme des Nordreiches, Juda für die Angehörigen des Südreiches üblich. Da die heutigen Juden Nachkommen der dem Südreiche angehörenden Stämme Juda und Benjamin sind, so wäre rein geschichtlich der Name Israel als Bezeichnung des heutigen Juden sogar falsch. Wie dem auch sei — zu einer eingehenden wissenschaftlichen Darlegung ist hier nicht der Platz, — die Zeit und die Umstände, unter denen die Bezeichnungen mosaisch und israelitisch eingeführt wurden, lassen an und für sich schon erkennen, daß jener Ausdruck bloß das religiöse Moment, dieser wohl eine mehr geläuterte religiöse Auffassung zum Ausdruck bringen sollte. Auch der preußische Minister Hardenberg war dieser Ansicht, als er 1815 die Anordnung erließ, in den Pässen statt des Wortes „Jude" den schwülstigen Ausdruck „alttestamentlicher, mosaischer Glaubensgenosse" zu gebrauchen. Allein noch keine zwanzig Jahre später wollte der preußischje König, wie er sich ausdrückte, „die modernen Umschreibungen durch kürzere und präzisere ersetzen" und führte das Wort „Jude, jüdische Religion" usf. wieder ein. Und der preußische Iuftizminifter erklärte in einem Rundschreiben mit vollem Recht, „der uralte Name Jude ist jedenfalls ehrwürdiger und treffender als der „mosaische, altteftamentliä)e Glaubensgenosse" und wie die Erfindungen der neueren - Zeit alle heißen mögen, deren Gebrauch, weit entfernt etwas Höheres auszudrücken, nur verletzend ist, weil kein Jude und überhaupt kein vernünftiger Mensch zugeben wird, in der Benennung „Jude" liege etwas, was man zu umschreiben nötig habe." Tatsächlich ist seitdem in Norddeutschland die Benennung Jude und jüdisch die allgemein übliche, — das mosaisch ist längst eines sanften Todes geftorbey. In Süddeutschland dagegen hat sich die Bezeichnung Israelit und israelitisch bis heute erhalten — allerdings unter Beschränkung auf den amtlichen Verkehr. Im Volksmund — auch bei den Juden — ist der Ausdruck „Jude" auch hier der allein gebräuchliche. Auch wo mit dem Wort ein Wertbegriff verbunden sein soll, wird letztgenannte Bezeichnung ausschließlich angewendet. Auch in Süddeutschland fühlt sich daher jeder selbstbewußte „Israelit" als nichts anderes denn als „Jude". Odeon-Musik-Apparate Odeon-Musik-Platten Herrliche Klangfülle Kataloge und Platten-Verzeichnisse kostenlos Odeon-Musikhaus JäCOb München, Neuhauser Strafe 12, neben Psdiorr

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