Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (7.5.1926)
- Article
- Das Memorbuch
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
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120 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 Name durchstrichen oder wegradiert oder überklebt und durch den des neuen Fürsten ersetzt. In Bayern dürsten wohl an 150 Mbb. vorhanden sein. Es wäre eine lohnende Aufgabe, sie alle planmäßig zu erforschen. Wir bemerken übrigens, daß die nichtbayerischen nach dem gleichen Schema wie die bayerischen zusammengesetzt sind. Auf Grund unserer Ausführungen gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir das Mb. auch als eine Agende für den Vorbeter bei synagogalen Kasualgebeten bezeichnen. Es dürste intereffieren, daß Dr. Moses Freund (Rödelheim 1905) unter dem Titel „Sefer Schir Usch'wocho" für den synagogalen Gebrauch der Kantoren eine Agende herauszugeben hat, die nichts anderes därftellt als einen Auszug aus den herkömmlichen rein liturgischen Inhalt der alten Memorbücher. Das Buch ist jetzt fast in allen großen Synagogen eingebürgert und trägt in gewissem Sinn zu der Verdrängung der alten Mbb. bei. ver Ursprung und die Entwicklung der Mischen §amiliengräber bei Jerusalem Von E. Brandenb Wenn man Jerusalem durch das Damaskustor verläßt und das sogenannte „Amerikanische Viertel" passiert hat, so kommt man nördlich vom Aschenberg in eine wilde Felsgegend. Es sind nicht die großen Linien der „heroischen Landschaft", wie wir sie am Ölberg, im Wagi-en-Nar finden, aber malerisch und großartig ist auch diese Gegend, trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer Öde und Einsamkeit! Ein schmaler Weg führt an den Felsen vorbei, auf das am Horizont weithin sichtbare Minareh von Nebi-Samvil zu, nach dem alten Gibon, wo sich die ergreifende Tragödie von Sauls Nachkommen und Mizpa abgespielt hat. Rechts von dem genannten Weg sieht man an verschiedenen Stellen regelmäßige Bearbeitungen der Felsen; in die Abhänge sind viereckige Höfe gehauen, in deren Hinterwand sich eine offne, oft durch zwei Säulen oder Pfeiler gestützte Halle befindet, wie an orientalischen Häusern. Häuser sind es nun freilich nicht im gewöhnlichen Sinn des Wortes, sondern wie der Talmud es so schön sagt, „nicht das Haus in dem Du als Lebender wohnst, ist Dein dauerndes Heim, sondern Dein Grab". Uralte Gräber vornehmer jüdischer Geschlechter liegen da vor uns, wir wissen nicht, ob und wann sie erloschen sind! Möglich, daß der junge jüdische Bauer, der seine Ziegen dort vorbei nach Haus treibt, ohne es zu ahnen, ein später Nachkomme von jenen ist, die dort vor Jahrtausenden beigesetzt wurden!! Was würde der junge Schristgelehrte, der dort in sein Buch vertieft, einsam auf einem Felsblock sitzt, wohl darum geben, wenn er die dichten Schleier lüsten könnte, die die Zeit über das Einst gebreitet hat! Das kann aber niemand! Wir aber wollen wenigstens versuchen, in das noch Vorhandene Klarheit zu bringen, auf Grund desselben ein kleines Stückchen der Vergangenheit zu enträtseln! Diese alten Familiengräber bei Jerusalem sind schon von weitem durch den vorhin erwähnten Hof erkennbar, er wird auch im Talmud genannt, weil dort das Gefolge der Leidtragenden Zurückbleiben mußte. An ihn schließt sich dann die vorhin schon beschriebene Halle, die in den Abbildungen mit „Vorhalle" bezeichnet ifl1. In ihrer Rückwand befindet sich eine auffällig kleine Öffnung, meist nur 60 Zentimeter breit und 80 Zentimeter hoch, von der wir noch weiter reden werden; durch sie halb kriechend, 1 Bei der ersten Abbildung, die Hof und Halle in perspektivischer Ansicht schematisch wiedergibt, ist der Maßstab ungefähr für die Mitte der Halle berechnet. Die Perspektive ist in einigen Teilen absichtlich ungenau, um das Bild möglichst deutlich zu machen! urg, z. Z. Sorrento. gelangt man in den H a u p t r a u m (= CC. Central- Cella der Abbildungen), der bei unserem Beispiel, einem der am besten erhaltenen Gräber, 8:8 Meter mißt und etwa 4 Meter hoch ist. Merkwürdigerweise ist bei fast allen solchen Gräbern der Boden der CC. dicht mit Steinen bedeckt, am meisten in der Nähe des Eingangs. Da nun die Wände und die Decke glatt bearbeitet und unbeschädigt sind, so können sie nur von außen hereingekommen sein. Ich bekam nur mit einiger Mühe darüber Auskunft, und das auch erst, als ich einen arabischen Fellachen „auf der Tat überrascht hatte", nämlich als er selber Steine hineinwarf? Der grenzenlose Aberglauben der Fellachen und ungebildeten Mohammedaner überhaupt sieht in jeder Höhle oder Grotte den Wohnsitz böser Djinen, unheilbringender Geister, die man, im hellen Tageslicht stehend, auf diese Weise ungestraft ärgern kann! Anders ist es allerdings bei Nacht; must dann der Fellache an einer solchen Grotte vorübergehen, so macht er einen möglichst großen Bogen, denn im Dunkeln könnte sich der Djinn doch revanchieren! Dies nur zur Charakteristik der Leute dort! Der Hauptraum selber ist vollkommen kahl, man sieht in ihm nur drei kleine Öffnungen, kaum größer als die, durch welche man in ihn gelangt. Sie führen in drei „N ebenkam - m e r n" (NK. der Abb.), das sind Räume von etwa 5:5 Meter Ausdehnung und etwa 2,5 bis 3 ^eter Höhe. Auch sie sind kahl, nur an ihrem Boden sind in jede Wand je 3 etwa 60 Zentimeter breite, 80 Zentimeter hohe und 2 Meter lange Öffnungen gemeißelt. Das sind die typisch jüdischen K u k h i m (— Schiebegräber; vgl. auch bei Abb. 3 die Nebenzeichnung I, welche eine solche Kukhim-Kammer im Querschnitt zeigt). In der mittleren, d. h. in der Hauptaxe des ganzen gelegenen NK. ist, statt des mittleren Kukh ein kleiner Gang vorhanden, der in eine noch tiefer im Felsen gelegene Kammer führt, die Beinkammer Q= BK. der Abb. II und III), über deren Bestimmung wir noch weiter reden werden. Wir wissen nun durch den Talmud genau Bescheid über die Benutzung solcher Gräbers Im Vorhof blieben die Trauernden zurück, dann wurde die Leiche zuerst durch die kleine „Tür" »wischen Vorhalle und CC. in den Hauptraum gebracht, diese wurde nach beendeter Beisetzung durch eine dicke Steinplatte verschlossen, die ziemlich genau in eine, um die eigentliche Türöffnung gemeißelte Pfalz paßte. An dieser Platte war noch ein dicker Steinklotz, der sich in die Türöffnung selbst einfügte; auf 2 Da ich meine diesbezüglichen Exzerpte nicht zur Hand habe, kann ich leider nicht genaue Zitate angeben.