Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 4 (2.4.1926)
- Article
- Die Tagung des Verbandes
- Date
- 1926-04-02
- Page
- Seite 100 (sequence 8)
- Language
- German
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100 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 desverbänden stattfinden, und in denen Gelegenheit gegeben ist, die Fragen zu besprechen, die die Öffentlichkeit angehen, auch noch der Bundestag eines Reichsverbandes tagt, und ich kann mir auch nicht recht vorstellen, inwiefern hierdurch die Interessen der Gesamtheit eine besondere Förderung erfahren sollen. Die Autorität des Dachverbandes als Vertretungsorgan der deutschen Juden scheint mir weniger dadurch bedingt zu sein, wie der Verband ausgestaltet ist und wie seine Organe gewählt werden, als dadurch, daß tatsächlich die Gesamtheit der deutschen Juden oder doch der weitaus größte Teil derselben hinter ihm steht und von ihm legal vertreten wird. Ich glaube auch annehmen zu dürfen, daß die Gewährung der Rechte einer öffentlichen Körperschaft nicht durch die Art des Zusammenschlusses bedingt ist, und zum allermindesten sollte man sich zunächst wenigstens mit einem losen, einfach gestalteten Verband bescheiden; die vordringlichsten Aufgaben können durch einen solchen Verband jedenfalls gelöst werden. Sollte sich dann im Laufe der Zeit und je nach Maß der Arbeit die Notwendigkeit eines engeren Zusammenschlusses und eines weiteren Ausbaus ergeben, so kann dies immer noch geschehen und wir haben dann auch bereits die Erfahrungen, die uns heute noch fehlen. 4. Damit ergibt sich ohne weiteres auch meine Stellung zu dem Verlangen des DIEB.., daß er der Träger der Reichsorganisation werde; ich habe schon die Gründe dargelegt, die in der Münchener Tagung gegen die Anträge des DJGB. geltend gemacht wurden. Ich schließe mich diesen Gründen an. Mir scheint die Stellung zu der Frage, ob der DJGB. als Träger des Reichsverbandes anerkannt werden soll, vor allem auch dadurch bestimmt zu werden, ob man das Hauptgewicht auf die Tätigkeit der Landesverbände oder auf die des Reichsverbandes legt; ich vertrete die erstere Auffassung, und ich scheue mich nicht, auszusprechen, daß diese Stellungnahme mitbeeinflußt wird durch die Liebe und Anhänglichkeit zu unserem Landesverband, von dem ich mir um so mehr verspreche, je mehr er erstarkt, und dessen Arbeit ich darum in keiner Weise beeinträchtigt sehen möchte. Meine Damen und Herren! Es wird keine leichte Aufgabe werden, den Reichsverband, auch wenn er selbst nur Dachverband wird, unter Dach zu bringen; das schadet aber nichts, im Gegenteil; ich bin gegen jede Frucht, die mühelos in den Schoß fällt, mißtrauisch. Was im Leben Wert haben soll, muß erkämpft werden, das beweist unser Landesverband selbst. Die glückliche, allseits anerkannte Entwicklung unseres bayerischen Verbandes ist nicht zum wenigsten auch darauf zurückzuführen, daß er im Ringen der Parteien und Interessengegensätze erkämpft wurde und daß in kluger Voraussicht wohlerwogene Bestimmungen getroffen wurden, die einen billigen und gerechten Ausgleich aller Gegensätze von vorneherem verbürgten und ein reibungsloses Arbeiten gewährleisten. So wollen wir nicht mit Hurrah aber auch nicht mit Pessimismus sondern mit dem Willen an die Arbeit herantreten, in dem Reichsverband ein Gebilde zu schaffen, das unsere Organisationsarbeit vollendet und krönt und zum Nutzen der gesamten deutschen Judenheit, damit aber auch der bayerischen Judenheit ebenso gut arbeitet und uns ebenso viel Freude macht, wie unser lieber Bayernverband! (Lebhafter Beifall.) 8. LEVING E R MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnbof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München) dankt IR. Dr. Hammel für das Referat und für seine Vertretung des Verbandes in München bei der Reichsverbandskonferenz. OLGR. Dr. Neumeyer (München): Ich darf kurz ergänzen: In der Finanzfrage möchte ich bemerken: Wir wollen uns hier der größten Zurückhaltung befleißigen, hinsichtlich der besonderen Steuergewalt des Reichsverbandes. Für den Anfang dürfte es sich jedoch empfehlen, daß die einzelnen Landesverbände für die Reichsbedürfnisse Zuschüsse leisten, daß wir aber von einer besonderen Steuergewalt des Reichsverbandes zunächst absehen. Diese Steuergewalt könnte erst der späteren Entwicklung überlassen werden. Im übrigen pflichte ich Herrn Justizrat Dr. Hommel in allen Punkten völlig bei. Dr. Stahl (Fürth): Die klaren Ausführungen des Referenten finden den Beifall meiner Freunde. Ich bitte die Leitung des Verbandes, an diesen Grundsätzen nachdrücklichst festzuhalten, auch gegenüber weitergehenden Intentionen von Norddeutschland. Oberlehrer S t o l l (Würzburg): Ich schließe mich in allen Punkten meinen Herren Vorredner an, auch für meine politischen Freunde. Dr. I. Bamberg er (Nürnberg): Auch namens meiner Freunde erkläre ich mich mit den Ausführungen von Dr. Hommel einverstanden. Prof. Dr. Silberschmidt läßt hierauf abstimmen. Es ergibt sich volle Einstimmigkeit darüber, daß bei den Verhandlungen wegen Schaffung einer Reichsorganisation die Richtlinien Dr. Hammels zugrunde gelegt werden, daß aber entsprechend der Anregung Dr. Neumeyers von einem Besteuerungsrecht des Reichsverbandes zunächst abgesehen werden möchte. (Fortsetzung folgt.) Haushaltplan des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden für das rechtsrheinische Bayern 1926. Einnahmen: Jt 1. Übertrag aus dem Jahre 1925 138 736.04 2. Zuschuß des Staates für das israelitische Bekenntnis unter Ausscheidung des auf die Pfalz entfallenden Sechstels 50 000.— 3. Anteil der Pfalz zu den Verwaltungökosten 2 500.— 4. a) 3% Umlage zu den Reichs- und Landessteuern 1926 100 000.— b) Umlagen aus dem 4. Quartal 1925 40 000.- c) Umlagen aus der Vermögenssteuer 1925 60 000.- 5. Zinsen 10 000.- 401 236.04 Ausgaben: Jl 1. Zuschüsse zu den Besoldungen der Rabbiner und Beamten nach den gegenwärtigen staatlichen Sätzen 125 000.- 2. Etwaige 10%tgc Erhöhung der Sätze 12 500.— 3. Zuschüsse für etwa noch weiterhin zuschußbedürftig werdende Gemeinden 7 500.— 4. Bauzuschüffe 15 000.- 5. Soziale und kulturelle Aufgaben einschließlich der Zuschösse für Unterrichts- und Erziehungs- sowie für karitative Anstalten 90 000.- 6. Verwaltung 17 000.— 7. Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 8 000.— 8. Tagung, Rats- und AuSschuß-Sitzungen 6 000.— 9. Beitrag zum Reichsverband einschließlich der Zuschüsse an Reichsorganisationen 10 000.— 10. Dispositionsfonds 3 000. — 11. Saldo 107 326.04 401 236.04