Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 4 (2.4.1926)
- Article
- Die Tagung des Verbandes
- Date
- 1926-04-02
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727823-2727827-2729600--00900-2729656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 93 Die Tagung des Verbandes Fortsetzung des Verhandlungsberichtes über die Tagung vom 21. und 22. Februar 1926 in Augsburg. Die Verhandlungen der Tagung nahmen am Sonntag nachmittag halb 6 Uhr, nachdem in der Zwischenzeit der Soziale zusammen mit dem Bewilligungs-Ausschuß, der Ausschuß für Ausgestaltung der Gemeindezeimng und der Rat zu internen Sitzungen zusammengetreten waren, ihren Fortgang. Vor Eintritt in die Beratungen gedachte Oberlandesgerichtsrat Prof. D r. Silberschmidt (München) mit warmen Worten der seit dem letzten Zusammentritt der Tagung dahingeschiedenen Mitglieder des Rats und der Tagung: der Herren KR. Sigmund Frankel (München), Hoffmann (Pirmasens), Kantor Roller (München) sowie des früheren stellvertretenden Präsidenten des Rats, Rabbiner Dr. Meyer (Regensburg), deren Ableben schmerzliche, unersetzliche Verluste für die bayerische Judenheit bedeute. Die Anwesenden haben sich zum ehrenden Gedächtnis der Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben. Der Vorsitzende stellt dies fest. An Stelle der Dahingeschiedenen sind als Ersatzmänner nachgerückt': In den Rat: für KR. Fränkel (München), IR. Max Feuchtwanger (München), für den weiterhin aus. dem Rat ausgeschiedenen Rabbiner Dr. Brader (Ansbach), Rabbiner Dr. Hanover (Würzburg); in die Tagung: für Hofmann (Pirmasens), Rabbiner Dr. Einstein (Landau), für Kantor Roller (München), Dr. Perlmutter (München), für den in den Rat eingetretenen IR. Dr. Feuchtwanger (München), Samuel Rothschild (München). Der Vorsitzende heißt die neuerschienenen Mitglieder willkommen und bittet sie um ihre tatkräftige Mitarbeit. Hieraus werden die Namen der Anwesenden verlesen. Von den 20 Rats- und 76 Tagungsmitgliedern sind 18 Mitglieder des Rats und 59 Mitglieder der Tagung erschienen. Alsdann gibt der Verbandssyndikus RA. Flaschner die folgende Resolution des für die Ausgestaltung der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung eingesetzten Ausschusses bekannt, die in der Nachmittagssitzung des Ausschusses gefaßt wurde: „Der Ausschuß für die Ausgestaltung und Verbreitung der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung faßt folgende Resolution: Die Tagung wolle beschließen: Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" ist von allen Kultusgemeinden Bayerns ixr der Weise zu fördern, daß in diesen Gemeinden sowohl für die Bearbeitung der geistigen, wie auch der wirtschaftlichen Interessen der Verbandszeitung geeignete Persönlichkeiten ausgestellt werden, denen die Aufgabe übertragen wird, die Berichterstattung bzw. die Werbung an jedem Orte zu übernehmen. Von den Mitgliedern des Rats und der Tagung wird erwartet, daß sie innerhalb ihrer Kultusgemeinde bzw. ihres Kreises in dem vorgenannten Sinne tätig werden. Die Gemeindeverwaltungen sollen gleichzeitig veranlaßt werden, ihre amtlichen Bekanntmachungen der Zeitung zuzuweisen. Die Zeitung soll im Hauptteil unter besonderer Pflege des belletristischen und populär-wissenschaftlichen Gebietes ihren bisherigen Charakter beibehalten und in ihren besonderen Teilen die lokalen Interessen der bayerischen Gemeinden vertreten." Der Vorsitzende des Ausschusses, Oberlehrer Stoll(Würzburg), begründet die Resolution, die von dem Gedanken ausgegangen sei, den Verband von den Zuschüssen, die die Zeitung beanspruche, möglichst zu entlasten. Die Gemeindezeitung, die eine erfreuliche geistige Höhe wahre, könnte leicht durch möglichste Ausdehnung des Leserkreises und durch vermehrte Inserate finanziell unabhängig gestellt werden, insbesondere durch starke Betonung der lokalen Interessen der einzelnen Gemeinden und verstärkte Familienanzeigen. Diese Nachrichten würden das Interesse an der Zeitung in weitesten Kreisen heben. Er bitte daher der Resolution zuzustimmen. Die Resolution findet einstimmige Annahme. Hierauf wird in die Beratungen über den Haushaltplan 1926 eingetreten. Der Verbandsschatzmeister Ludwig Rosenzweig (Nürnberg) stellte eingangs seiner Ausführungen mit Befriedigung fest, daß der Verband, obwohl er während der Inflationszeit gegründet worden sei, doch die Gefahren der Inflation glücklich überwunden zu haben scheine. Berichterstatter führt weiterhin aus: Die nicht ungünstige Finanzlage des Verbandes hat zwar in einigen Zufälligkeiten ihren Grund, dennoch kann man feststellen, daß die materielle Grundlage des Verbandes gesichert erscheint. So hat der Verband bei der diesjährigen Aufstellung des Etats daran gehen können, für die einzelnen Aufgaben erheblich höhere Beträge einzusetzen. Der Voranschlag soll im laufenden Jahr mit etwas über M. 400 000.— abschließen. Insbesondere ist für soziale und kulturelle Aufgaben ein großer Sprung nach aufwärts gemacht worden, da hierfür einschließlich des Postens für Reichsaufgaben M. 100000.— eingesetzt werden sollen. Auch die Zuschüsse an bedürftige Gemeinden sind infolge der Auswirkung der neuen Besoldungssätze in einer Weise gestiegen, daß man ernstlich prüfen muß, ob gewissen Zwerggemeinden noch das Recht auf selbständige Fortexistenz zugestanden werden darf. Den Hauptteil am Aufbringen der Mittel tragen die beiden Großgemeinden München und Nürnberg mit ungefähr zwei Drittel sämtlicher eingehender Umlagen. Für das verflossene Jahr hat Nürnberg nicht im gleichen Maße wie München beigetragen, da es erst seine Umlagen aus dem Steuerjahr 1924 erhoben hat, während München und das übrige Land bereits die Umlagen aus 1925 abgeführt haben. Dafür ist ein wesentlich höherer Eingang an Umlagen seitens der Gemeinde Nürnberg im Jahre 1926 zu erwarten, da in diesem Jahr die Umlagen aus 1925 von Nürnberg abgeführt werden. So ist auch zu erhoffen, daß die Eingänge im laufenden Jahr nicht allzu sehr hinter dem Vorjahr Zurückbleiben werden, wenngleich jede Unterlage für die Schätzung künftiger Umlageneingänge bei der sich verändernden Steuergrundlage fehlt. Die Angleichung des Voranschlags an die voraussichtlichen tatsächlichen Einnahmen ist demgemäß sehr unsicher. Ein düsteres Wirtschaftsjahr liegt hinter uns und auch die gegenwärtige Wirtschaftslage ist keineswegs rosig. Dennoch will ich die Zukunft nicht allzu schwarz malen. Der Tiefstand der Wirtschaftskurve wird überwunden werden und es steht zu hoffen, daß der Verband durchhält. Der auf der Einnahmeseite des Haushalts (vgl. S. 100diefer Nummer) eingesetzte Betrag an Umlagen für 1926 wird, wie ich hoffe, nicht unerheblich überschritten werden, eben weil Nürnberg in diesem Jahre seine Umlagen auf der Grundlage von 1925 erhebt; auch der eingesetzte Betrag aus dem 4. Quartal 1925 wird voraussichtlich in der erwarteten Höhe eingehen. Fraglich ist, ob aus der Vermögenssteuer 1925, wie angenommen, M. 60 000.— fließen werden. Alles in allem wird aber ein allzu großer Ausfall nicht zu erwarten fein. Hinsichtlich der Ausgaben ist festzustellen, daß für Besoldungszuschüsse M. 25 000.— mehr als im Vorjahre gefordert werden. Damit wird man wohl allen neu hinzutretenden Gesuchen und notwendigen Erhöhungen Rechnung tragen können. Der Posten für soziale und kulturelle Ausgaben ist auf M. 90 000.— festgesetzt. Ich halte es für zweckmäßig, daß auf die in diesem Rahmen in Aussicht genommenen Bewilligungen sofort in eingehender Aussprache eingegangen und den Vorsitzenden des Bewilligungs- und des Sozialen-Ausschusses das Wort zur Begründung der Forderungen erteilt wird. Das Wort erhält hierauf zur Begründung der Forderungen auf sozialem und kulturellem Gebiet Oberlehrer Dingfelder (München). Er geht an der Hand der Anträge der Verbandsleitung die einzelnen Positionen durch. (Vgl. Einzelaufftellung zu Ziffer 5 der Ausgaben, S. 101 dieser Nummer.) Für die Waisenanstalt Fürth wurden wie im Vorjahr M. 10 000.— eingesetzt. Der Bewilligungsausschuß schlägt vor diesen Betrag um M. 2 000.— zu erhöhen. Für die Kinderheilstätte Bad Kissingen werden MI. 2 000.—, für das Landheim Wolfratshausen M. 3 000.—, für das Kurhospiz Bad Kissingen M. 2 000.— gefordert. Dem Kinderheim München (Jüdische Fürsorgeerziehung für Bayern) sollen zur Errichtung seines neuen Heims, das die Aufnahme fürsorgebedürftiger Kinder aus dem ganzen Lande ermöglichen wird, M. 5 000.— genehmigt werden. Das Bayerische Israelitische Landesheim (Siechenanstalt) in Würzburg soll für die neun Monate, für die ein Betrieb in diesem Jahre voraussichtlich in Frage kommt, mit M. 13 500.— auskommen. Der Fürsorgeverein für Geisteskranke in Afchaffenburg-Lohr soll M. 700.— erhalten. Weiter ist beantragt worden, den Ferienkolonien in Forth und Krumbach je M. 1000.— zu gewähren. Schatzmeister Rosenzweig (Nürnberg) erklärt, daß die Verbandsleitung bei ihren Anträgen bis an die Grenze des möglichen gegangen sei. Die vorgeschlagenen Beträge seien eingehend