Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 4 (2.4.1926)
- Article
- Eine ernste Frage
- Date
- 1926-04-02
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 scheu Ammen gab, die jüdischen Knaben zu töten, als er weiterhin verlangte, daß alle jüdischen Knaben in den Nil geworfen werden müßten, da, war der Beweggrund dieser teuflischen Maßregel, eine Verminderung des persönlichen Bestandes des jüdischen Volkes herbeizuführen und schließlich besten vollständigen Untergang zu bewirken. Diese Politik eines Pharao besorgen, allerdings in minder grausamer Weise, die jüdischen Väter und Mütter; sie befolgen sie aus viel verwerflicheren Beweggründen, als Pharao sie befolgt hat. Meine Andächtigen! Ich frage: Sollte das der Abschluß des welterschütternden Dramas sein, das uns das Volk Israel vor Augen führt, dem alle Grausamkeit und Tücke, alle Gewalt und Ränkesucht unzähliger Feinde den Untergang nicht bereiten konnte, dem Gottes Schutz immer wieder das Dasein gewährte, das vor uns steht als ein Wunder der göttlichen Schicksalslenkung und das nun zugrunde gehen soll an der Selbstsucht, an der Kurzsichtigkeit und Lieblosigkeit seiner eigenen Söhne und Töchter? Ich frage weiter: Soll das der Nutzen der so viel gerühmten Kultur, Zivilisatton und Bildung sein, auf die wir so stolz sind, auf die wir uns so viel zugute tun, daß sie die einzelnen Völker. daß sie vor allem Israel zur unbluttgen Selbftentleibung rettungslos hinführt? Denn das ist ja sicher, daß die mit dieser Kultur und Bildung noch nicht beglückten Volkskreise eine solche Politik der Selbftzerftörung noch nicht kennen. Sollten wir da nicht auch mit dem Philosophen des vorigen Jahrhunderts das Verdammungsurteil aussprechen über Zivilisation, Kultur und Scheinbildung? Sollten wir nicht auch wünschen, daß bei einem unverdorbenen Menschen, daß in der unverdordeö Lebens Platz greife? Denn es kann nicht bezweifelt werden, daß bei einem unverdorbenem Menschen, daß in der unverdorbenen menschlichen Seele die Liebe zum Kinde und zu den Kindern die Liebe zu sich selbst besiegt — das wissenschaftliche Schlagwort in seiner Nacktheit hier zu gebrauchen, trage ich Bedenken! — während heute umgekehrt der Kreis der Gebildeten triumphieren läßt den Egoismus der Person über die Pflicht der Erhaltung der Menschheit. Und nun ich das Problem ganz allgemein aufgerollt habe, komme ich auf unsere schon eingangs gestellte Frage zurück. Ich frage, gibt es gegenüber solcher Zerstörung eine Berechtigung der Hoffnung auf Gott, ein Vertrauen auf die Zukunft, eine Beruhigung für das von Gemeinsinn erfüllte jüdische Herz? Kann das Wort: „In jedem Geschlecht stehen sie wider uns auf, Gott aber rettet uns aus ihrer Hand" uns irgendwie unserer Sorgen und Bedenken, unserer Schmerzen und Seelenqualen entheben? Die Antwort lautet: Nein! Gewiß nicht. Hier kann nicht Gott helfen, da er des Menschen Willensfreiheit nicht antaften will; hier muß es irregeleitete Geschlecht sich selber helfen. Die edelsten Dichter und Denker, die erleuchtetsten Philosophen haben seit Jahrzehnten die Frage zum Gegenstände ihres Nachdenkens, ihrer Liebe, ihres Interesses gemacht. Keine Scheu darf abhalten, sie zu behandeln, wenn wir eS ernst und gut meinen mit uns, mit unserer Gemeinschaft und wenn wir vielleicht auch nicht die kühne Hoffnung hegen dürfen, viel zu bessern. Von Nutzen kann es nur sein, wenn man die Beweggründe ungeschminkt bei ihrem Namen nennt, die solchen Ruin veranlassen, verursachen, wenn wir den gleißnerischen Schein einer falschen Bildung, einer irregeleiteten Kultur Nachweisen und den Giftborn ausdecken, dem solche Willensrichtung entspringt. Ein Verdienst muß es sein, die Gefahren zu nennen, die nicht nur der Gesamtheit, sondern auch dem einzelnen daraus erwachsen. Es sind wohl wesentlich zwei Gründe, die diese bedauerliche Verirrung verursachen. Die krasseste Selbstsucht verbindet sich „BAYERN“ Öffentliche Änstalt für Volks- und Lebensversicherung Gemeinnützige Körperschaft •o des öffentlichen Rechtes 3 Im Verband der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten Deutschlands. SJ Der durch die verbündeten Änstalten — von keiner deutschen cf a Gesellschaft im Jahre 1925 erreichte — Neuzugang £ •g betrug 385 Millionen Mark § 2 Ein Beweis der außerordentlich billigen Prämiensätze und des < g großen Vertrauens. Gewinnbeteiligung nach 2 Jahren,? > nach Wahl Bardividendeoder Summenzuwachs. Vertragsanstalt desBayer. c: Beamtenbundes und des Bayer. Lehrervereins. Äuskunft erteilen: g. fl Direktion in München, Briennerstr. 41, Telephon 50 8 01 -Z H Oberkommissar G. H. Falk, München, Waltherstr. 33 ß Wir bitten unsere Leser, die Inserenten unseres Blattes bei Einkäufen zu bevorzugen und sich auf die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung zu beziehen!