Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (8.2.1926)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Augsburg
- Date
- 1926-02-08
- Page
- Seite 26 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2727810-2727823-2727825-2729371--00727-2729448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 Aychach, Biberach, Bischofsheim, Buren (Kaufbeuren), Burgau, Dillingen, Friedberg, Frisingen, Graz (?) Günzburg, Harburg, Hochstetten, Iettingen, Ingolstadt, Landsberg, Lauingen, Kufstein, Memmingen, Mindelheim, Müllerstadt, München, Neuburg, Nördlingen, Nürnberg, OttelSried, Ottingen, Pappenheim, Rothenburg, Seyfriedsberg, Straßburg, Straubing, Sulz, Ulm, Weißenhorn, Werd, (Donauwörth), Wertingen, Zürich, Zusmarshaufen ufw. Hatten es die Juden, nachdem ihre, bisher ftettgem Schwanken ausgesetzten rechtlichen Verhältnisse durch das Augsburger Stadtrecht gesetzlich geregelt worden waren, und durch ihre rege Beteiligung am Geld- und Warenhandel in verhältnismäßig kurzer Zeit zu Wohlstand gebracht, so wußten sie von ihm auch einen weisen Gebrauch zu machen. Im. Jahre 1298 inszenierte der fränkische Edelmann Rindfleisch fast in ganz Deutschland blutige Judenverfolgungen. Weil aber der Augsburger Rat, anscheinend wider alles Erwarten, die auch in hiesiger Stadt herrschende Erregung gegen die Juden niederhielt und die Juden in Schutz nahm, erboten stch die Juden aus Dankbarkeit, vor ihrem Friedhof am heiligen Kreuztor bis an den Graben innerhalb 4 Jahren eine Mauer zu bauen „der ftat ze eren und ze nuz und dem richen ze dienst", eine Mauer, „so hoch und so dick", wie die Vertreter der Stadt es nur wünschen mögen. Die Urkunde darüber beginnt mit den Worten: „Wir Benditte, Iüdlin sin sun, Michel, Lambt, Aron sin bruder, Ostermann, Josef von Werde (Donauwörth), Mosman sin sun, Josef von Biberach und sin tochtermann Mans, Libermänin und ir sun Saelikman, Choewellin Fridebach, Josef von Mülerstat, Iäcklin und diu gemain de juden in der ftat ze Auspurch". Die Juden hielten ihr Wort: Das Stück der von den Juden errichteten Stadtmauer bekam den Namen „Iudenpaftey". Und wenn die Iudengemeinde im Jahre 1308 „gelopt", für den ihr zu gewährenden Schutz der Stadt die bedeutende Summe von 500 Pfund zu bezahlen, so mag dabei die Erkenntlichkeit für bereits gewährten Schutz schwer ins Gewicht gefallen sein. Überhaupt muß um diese Zeit die Augsburger Judengemeinde großes Ansehen genossen haben, da ihre Verhältnisse für andere Gemeinden., vorbildlich wurden. Die Gemeinden in München, Ingolstadt, Nördlingen^ Zürich, Schaffhausen, Winterthur usw. erhielten vom. König Ludwig dem Bayern die Privilegien der Augsburger Juden. Ergebnisse der Erhebung des Münchener flusschusses kür Rriegsftatiftih der luden von Prof. Dr. Arthur Cohen. I. Auf Grund früherer Erfahrungen (1813 ufw.) und in richtiger Einschätzung der Sachlage beschlossen bald nach Ausbruch des Krieges 1914 die bedeutendsten jüdischen zentralen Organisationen auf Anregung des Berliner Büros für die Statistik der Juden in Berlin einen Ausschuß für Kriegsstatistik der Juden zu bilden und ein Büro für Kriegsstatistik zu errichten. Als technischer Beirat wurde der Direktor des statistischen Amtes der Stadt Berlin, Dr. Silbergleit, gewonnen; als Geschäftsführer des Büros für Kriegsstatistik fungierte der Leiter des Büros für die Statistik der Juden, Dr. Jakob Segall. Sollte die Statistik der jüdischen Kriegsteilnehmer einen Sinn haben, so mußte nach möglichster Vollständigkeit des Materials getrachtet werden. Beim Umfang des Materials erschien es unvermeidlich, daß in den größten jüdischen Gemeinden Deutschlands besondere' Organisationen (lokale Ausschüsse für Kriegsstatistik) zu errichten seien. Auf Ersuchen des Berliner Ausschusses für Kriegsstatistik traten daher in München auf Einladung der Israelitischen Kultusgemeindeverwaltung und unter ihrem Vorsitz die Vertreter von jüdischen Organisationen zusammen und konstituierten sich zum Ausschuß für Kriegsstatistik, welchem angehörten: 2 Vertreter der Kultusgemeinde, 1 Vertreter des Rabbinats, je 2 Vertreter des Centralvereins und der München-Loge, der Zionistischen Ortsgruppe, des Frauenbundes, des Vereins für die Statistik der Juden, denen später kooptierte Persönlichkeiten (Fachleute) hinzutraten. Der Ausschuß beschloß, eine lokale Erhebung in München zu veranstalten, legte Richtlinien fest : und bewilligte die nötigen Mittel, welche zusammengebrächt wurden von der Kultusgemeindeoerwaltung, der München-Loge und dem Centralverein. Die Erhebung selbst wurde einem Unterausschuß (Arbeitsausschuß) übertragen, dem die Vorstandsmitglieder des Vereins für die Statsstik der Juden angehörten, ergänzt durch sonstige Fachleute. Der Arbeitsausschuß errichtete ein Büro für Kriegsstatistik, das Herr Jakob Hirschinger mit Eifer und Verständnis leitete. Das Material für die Erhebung wurde durch schriftliche Befragung der jüdischen Bevölkerung .herbeigeschafft. ■ Zu diesem Zweck ..stellte der Stadtmagistrat bzw. die Polizeidirektion der Kültusgemeinde Abschriften der Einwohnerlisten (jüdische Haus? Haltungsvorstände und sonstige. selbständige Einwohner jüdischer. Konfession) in Adreßkartenform zur Verfügung. Diese 7100.Adreßkarten wurden zunächst von der Kanzlei der Kultusgemeinde und dem Büro für'Kriegsstatistik einer Revision Unterzögen und 6082 als verwendbar erkannt. Versendet wurden-am 27. Mai 1919: ein Fragebogen mit Erläuterung (Anlage 1). und ein. Rundschreiben, in welchem auf Zweck und Bedeutung der Erhebung hingewiesen wurde (Anlage 2). (Die Anlagen werden in der nächsten Nummer nachgebracht.) Der Fragebogen war von allen Juden (oder für sie) auszufüllen, welche zu irgendeinem Zeitpunkt des Krieges dem deutschen oder, österreichisch-ungarischen Militärverband angehörten * und zur Zeit der Erhebung in München ihren Wohnsitz (oder nicht nur vorübergehenden Aufenthalt) hatten. ' , . . Dieser schriftlichen Befragung folgte eine mündliche Teilbe-- fr.agung, indem bei solchen jüdischen Einryohnern, welche keine Antwort erteilt oder den Fragebogen nicht richtig ausgefüllt hatten (letzteres war bei wenigen der Fall), persönlich recherchiert wurde. Dieser Aufgabe widmeten sich folgende Organisationen: Verbindung im K.C. Licaria, Jüdischer Jugendverein München, Student. Ortsgruppe München des Zentralverbanhes d.er Studierend en jüd. Glaubens, Jüdischer Turn- und Sport-Verein, Gesamtausschuß der Ostjuden, Arbeitsgemeinschaft nicht korporierter Jüdischer Akabemihct1 2. ■ . . . II. - . Das Ergebnis der Erhebung war, daß von. den 6082 Fragebogen, (nebst Rundschreiben) 1608 (richtig) ausgefüllt (und daher ver- 1 Über die Frage: „Auf welchen Personenkreis hat sich eine Kriegsteilnehmerstatistik der Juden zu erstrecken?" hat sich Dr. Rudolf Wassermann in der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 15. Jahrg., Heft 1—3 (Januar-März 1919) geäußert. 2 An dieser Stelle sei diesen Organisationen für die Aus-- Übung dieser eine große Liebe zur Sache erfordernden Funktion der herzlichste Dank zum Ausdruck gebracht. Dasselbe gilt den Damen und Herren,.welche dem Leiter des Münchner.Büros freiwillige Hilfe bei der Ordnung und Sichtung des Materials geleistet haben. .