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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-12-03 · 11-12 (3.12.1925) · p. Seite 211

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
11-12 (3.12.1925)
Article
Das älteste Palästina
Date
1925-12-03
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11/12 Bayerische Israelitische Gemeindezeilung 211 aus Moriah-Ophel ein Ausgangspunkt für Kausalketten geworden ist, welche die halbe Welt umschließen sollten! David hält den Ort für so wichtig, daß er seine ganzen Anstrengungen konzentriert, um ihn in seinen Besitz zu bekommen, und es gelingt seinem Feldherrn Joab durch die unterirdischen Gänge bei der Quelle Siloah in die Jebusitersestung zu dringen und sich ihrer zu bemächtigen. Doch David ist mehr als ein Putichepa, er ist kein intriganter Beamter, der alles aufbietet, um nur nicht bei seinem Herrn in Ungnade zu fallen; nein, er ist ein Eroberer, der den festen Willen hat, auch ein Gründer einer Dynastie zu werden, der seiner Familie für immer die erste Stelle sichern will! Deshalb bringt er nicht nur den wahrscheinlich angesehensten Kultort seiner Feinde in seinen Besitz, sondern er erwirbt auch den „Heiligen Fels" auf durchaus legale Weise, obgleich es ihm freistand, ihn seinem Besitzer Aravna, einfach fortzunehmen. Denn nach orientalischem Recht darf der Erwerb oder Bau eines Heiligtums nicht so erfolgen, daß jemand dadurch Schaden leidet. Nur.dadurch ist der Kauf der sogenannten „Tenne", d. h. Moriah's, erklärbar, und auch daß der König, als nunmehriger Besitzer der heiligen Stätte, als gleichsam höchster Priester des Landes, dort gleich ein Opfer bringt! Denn David wollte seinen neuen Untertanen, zu denen wohl auch die wahrscheinlich einflußreiche Priesterschaft mit Aravna (schon Fr. Daumer hat darauf hingewiesen, daß Aravna wohl — Aaron-Priester zu deuten sei) gehörte, nicht nur durch Gewalt in Schach halten, sondern auch durch diesen, altorientalischen Anschauungen durchaus entsprechenden Akt der „Okulierung" seines Kultes auf den Vorgefundenen, sie auch zur inneren Anerkennung bringen! David hatte noch nicht die Anschauungen, wie wir sie später in der Lehre der großen Propheten finden, wenigstens nicht in ihrer Reinheit. Daß aber eine für ein Land neue Religion die alten Kultorte benützte, finden wir so ziemlich bei allen Völkern! Ich habe gerade auf Grund meiner Arbeiten hier einen „Tennen- und Kelter-Kult", der aus der kanaanitischen bis weit in die jüdische Zeit hineinreichte, konstatieren können; sicher gehörte zu ihm auch die „Tenne" Aravna's, d. h. der Heilige Fels! So war es also ein sehr geschickter innen-politischer Akt Davids (Wie es später auch durchaus keine senile Schwäche Salomos war, wenn er eine Bama auf dem „Berg des Awjewrisses" errichtete, sondern nur ein politischer Schachzug! — Denn die Begriffe Innenpolitik und Religion decken sich sehr oft im Orient), diesen wichtigen Kultort gesetzlich zu erwerben, und dann feinen Gott den dort verehrten Göttern zu substituieren. Hätte er das nicht getan, so wäre Moriah stets sein „Rivale" geblieben, und die Anhänger des alten Kultes hätten noch mehr gegen den Gott der Juden gearbeitet, als es ohnehin schon der Fall war, wie wir das aus den immer wiederkehrenden Mahnungen und Strafreden der Verteidiger, Träger und Stützer des wahren Glaubens der Propheten wissen. Um zum Schluß noch einmal das Gesagte kurz zu resümieren: Wohl schon um 2000 v. Ehr., wenn nicht gar früher, war Moriah ein sehr wichtiger und typischer kanaanitischer Kultort. Vielleicht hauptsächlich zu seinem Schutze wurde die Festung aus Ophel, die Jebusiterstadt angelegt; sie mußte dort, und nicht auf Moriah sein, weil man unbedingt das Wasser der Siloahquelle brauchte. Ophel und Moriah in eine Mauer einzuschließen war damals unmöglich. Als dann ca. 1500 Palästina ägyptische Provinz wurde, wählten die Statthalter des Pharao sich diesen Ort zur Residenz, weil sie nach orientalischer Anschauung erst dann als Herrn des Landes anerkannt wurden, wenn die heiligen Stätten in ihrem Besitz waren. Von ihnen wurden in der Art ihrer Heimat, die großen, megalithischen Bauten errichtet; erst ca. 1000 Jahre später werden sie im Geschmack der damaligen Zeit, d. h. im hellenistischen, „modernisiert", um dann den Juden von neuem als Grabstätten zu dienen, da sie in den Kriegen der Zwischenzeit aller Wahrscheinlichkeit nach geplündert worden waren und leer standen. Im 11. Jahrhundert stehen die Großmächte Vorder-Asiens politisch aus der Höhe; die- Folge davon ist, daß energische Fürsten, der zwischen den großen liegenden, kleinen Staaten und Stämme, diese nunmehr zu größeren Monarchien vereinen, wie z. B. Juda-Jsrael und Damaskus. Einer der energischsten und zugleich geschicktesten unter ihnen war David; er will und muß die Jebusiterstadt aus genau den gleichen Gründen in seinen Besitz bringen, wie früher die Gouverneure des Pharao. War nun zur Zeit der Besitzergreifung durch David Moriah, vielleicht schon seit 1000 Jahren und länger ein wichtiger kanaanitischer Kultort, so hatte er doch immerhin nur palästinensischlokale Bedeutung. Nun aber wird dorthin eine neue Religion verpflanzt, die in ihrer weiteren Entwicklung und Läuterung durch die Propheten zum erstenmal zum monotheistischen Begriff in seiner rein st e n und höchsten Form führt. Durch diese ideale Höhe innerlich, durch die politische Vernichtung des Staates, und Zerstreuung seiner Bewohner äußerlich, wird sie zur Weltreligion! Und wieder 1000 Jahre später entwickelt sich aus der jüdischen die christliche Religion, durch deren Einfluß die antike Welt untergeht! Fast wäre Moriah auch noch das Zentrum einer dritten Weltreligion, des Islam geworden, zählt es doch heute noch zu den heiligsten Stätten desselben. Wenn wir nun nach Christi Zeit den Zeiger der großen Menschheitsuhr, die Geschichte heißt, noch einmal um 1000 Jahre weiter rücken, so kommen wir zu den Kreuzzügen und ihrem tiefgehenden Einfluß auf den Okzident! Durch zwei Jahrtausende von Bedeutung für einen kleinen Kreis, hat dann Moriah aber der gleichen Zeitspanne nachher Probleme aufgegeben, an deren Lösung heute mehr denn je die ganze Menschheit zu arbeiten hat! Am Rand des Kidrontales liegt ein kleiner, zuerst nur für einige Heiden „Heiliger Fels", von dem dann aber Schicksalsfäden auszugehen anfangen, die im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende immer wichtiger und stärker werden, um schließlich fast die ganze Menschheit zu umspannen. Das ist das „Wunder" von Moriah, und die Andeutung meines Versuches, es zu erklären! Über die anderen Gebiete meiner Arbeit hoffe ich hier noch später berichten zu können. Jerusalem, den ersten November 1925 Kauft bei unseren Inserenten!

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