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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-10-07 · 9 (7.10.1925) · p. Seite 177

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
9 (7.10.1925)
Article
Das Begräbnis Sigmund Fraenkels
Date
1925-10-07
Page
Seite 177 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 177 Für die München-Loge des U.O.B.B. führte Iuftizrat Dr. Max Feuchtwanger aus, daß er die Rednergabe des Verstorbenen besitzen müßte, um dieser Persönlichkeit gerecht zu werden. Frankel sei Gründungsmitglied der Loge gewesen und habe schon vorher einige Jahre in Halberftadt der Loge angehört. Doch seine Bedeutung für die Loge sei nicht gekennzeichnet allein durch die Jahre seiner Zugehörigkeit, sondern weit mehr durch die Bedeutung seiner Tätigkeit, durch seinen durchdringenden Verstand und sein warmes Herz. Es sei ihm nicht nur eine ererbte Pflicht, sondern innerste Angelegenheit gewesen, sich mit den Dingen des Judentums zu beschäftigen. Das stolze Wort des Propheten IesaiaS: Ich bin ein Jude! habe er nie verleugnet. Diesen Bekennermut habe er nicht nur in der Offentlichlichkeit gehabt, sondern auch im engeren Kreis der Loge. Er sei kein bequemer Jasager gewesen, sondern habe auch gegen eine Mehrheit unbekümmert seine Meinung verfochten. Die Loge danke ihm auch eine hochherzige Stiftung für arbeitstätige Frauen und Mädchen. Er sei ein Meifterredner der Loge gewesen, überall, wenn es galt, die Aufgaben der Loge zu vertreten, habe er ihr sein Wort geliehen, so bei dem Stiftungsfest der Loge, bei dem Ableben des Rabbiner Dr. Werner. Die Loge danke ihm für das, was er für sie geleistet und verspreche, sein Andenken hoch zu halten und seinen Zielen nachzustreben. Nach Beendigung der Ansprachen und kurzem Gebet wurde der Sarg aus der Halle getragen. Ihm folgte die zahlreiche Trauerversammlung zum Grab, wo die sterblichen Überreste des Dahingeschiedenen der Erde übergeben wurden. Wir behalten uns vor, das Leben und Wirken Sigmund Frankels in den nächsten Nummern der Zeitung eingehend zu würdigen. 5tus der Semeinde. Miilelsiandshilfe. Zu den traurigsten Erscheinungen der Nachkriegszeit gehört zweifellos die furchtbare Verarmung des Mittelstandes. Ein großer und nicht der schlechteste Teil dieser Bevölkerungsschicht, die früher einen bedeutenden Faktor im Wirtschaftsleben des deutschen Volkes darstellte, kann heute nur noch unter den schwersten Anstrengungen das Nötigste zum Leben herbeischasfen und muß harte Entbehrungen auf sich nehmen. Erst jetzt, nach Eintritt normaler Verhältnisse, nicht mehr geblendet und getäuscht durch die unwahrscheinlichen Ziffern der Inflation, kann man die Opfer übersehen, die die letzten Jahre gefordert haben. Der Krieg drohte die junge Generation zu vernichten, die Nachkriegszeit sucht ihre Opfer hauptsächlich unter den älteren Leuten, deren Vermögen vernichtet sind und die Alter oder Krankheit hindern, von neuem anzufangen. Heute gilt der Satz: Besitz ist nichts, Arbeitsfähigkeit und Arbeitsmöglichkeit alles. Aber auch diejenigen, die gern arbeiten möchten, haben es gerade jetzt, wo der Abbau allenthalben an der Tagesordnung ist, meist bitter schwer. Wie oft begegnet man Menschen, die voll Arbeitswillen und Arbeitskraft, mit reichen Kennt--, nisten in ihrem Fach Stellen und Arbeit annehmen, die ganz außerhalb ihres eigentlichen Berufes und ihrer Sphäre liegen, nur um nicht zu verhungern. Was für die Allgemeinheit gilt, gilt in demselben Maße auch für unfern jüdischen Mittelstand. Auch er stand und steht in hartem Existenzkampf, und schon vor Jahren erkannte man, daß Mittel und Wege zur Erleichterung dieses Kampfes gefunden werden müßten. In München nahm der Jüdische Frauenbund die Vorarbeiten in die Hand und dank der unermüdlichen Tätigkeit einer Anzahl Frauen, dank dem außerordentlichen Verständnis und Entgegenkommen, das die Verwaltung der Kultusgemeinde und ein großer Teil unserer jüdischen Kaufmannschaft diesen Bestrebungen entgegenbrachte, konnte vor zwei Jahren die Verkaufsstelle der Mittelstandshilfe eröffnet werden, die zweimal monatlich Lebensmittel, zweimal jährlich Textilwaren und Schuhe zu wesentlich verbilligten Preisen abgibt. Zum Bezug dieser Waren ist eine Karte notwendig, über deren Ausgabe Näheres in der wöchentlich stattfindenden Sprechstunde, Donnerstag von 3—4 Uhr, Herzog-Max- Straße 5 Rückgb. 1, zu erfahren ist. In den zwei Jahren ihres Bestehens hat die Mittelstandshilfe eine so treue Anhängerschaft gefunden, daß hier an einen Abbau vorläufig nicht zu denken ist. Im Gegenteil: wir werden alle Kräfte anspannen müssen, um unserm ständig wachsenden Kundenkreis, der bedingt ist durch die momentane Teuerung und Geldknappheit, auch in Zukunft gerecht werden zu können. Wir sind überzeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um unserer Arbeit auch ferner das Interesse und Entgegenkommen weiter Kreise unserer Gemeinde zu sichern. Niemals ist die Zukunft jedes einzelnen unsicherer gewesen, als gerade jetzt, niemand weiß, wie sich fein eigener Lebensweg gestalten kann. Deshalb ist es eine Selbstverständlichkeit, daß wir uns untereinander die Hände reichen, daß wir denjenigen, die jetzt an einer schweren Stelle dieses Weges angelangt sind, behilflich sind bei der Überwindung der Schwierigkeit, vielleicht sind wir es, die morgen dankbar die Hände des andern ergreifen. Nur unter dem Gesichtspunkt dieser gegenseitigen Erleichterung soll jüdische Mittelstandshilfe aufgefaßt werden, soll sie in steter Hilfsbereitschaft ausgeübt und ohne schmerzliche Empfindungen entgegengenommen werden. Jenny Baerwald. Nähsiube. Einige Frauen der Gemeinde haben vor Jahresfrist, veranlaßt durch die große Not der Gegenwart, eine Nähstube ins Leben gerufen. Hier werden Rohstoffe zu fertiger Gebrauchs- und Haushaltungswäsche verarbeitet, um den Armen mit neuer fertiger Bettwäsche, Hemden usw. eine kleine Erleichterung zu verschaffen. In großzügiger, dankenswerter Weise hat die Jesaia-Loge einen großen Teil der Stoffversorgung übernommen; dabei hat auch eine Anzahl von Privaten der Nähstube viel Gutes und Brauch-, bares zukommen lassen. Die Arbeit wird von ungefähr 30 Frauen besorgt, von denen abwechslungsweise je 10 jeden Dienstag Nachmittag von 3—6 Uhr in der Ritterschen Speiseanstalt die Wäsche fertigstellen. Das Ergebnis der Tätigkeit im abgelaufenen 1. Jahre war erfreulich. Es konnten fertiggestellt und abgeliefert werden: 77 weiße Bettücher, 160 weihe Kiffen, 41 weiße Bezüge, 80 weiße Damenhemden, 17 farbige Bettücher, 6 farbige Kissen. 26 farbige Bezüge, 3 farbige Damenhemden, 2 farbige Rockkombinationen, 6 farbige Unterröcke, 18 farbige Herrenhemden, 12 farbige Knabenhemden, 1 Braut-Ausstattung. Die Verteilung der genähten Stücke liegt in den Händen von 5 bewährten Frauen der Gemeinde und Vorständen des Frauenvereins, die versichern, daß durch die Tätigkeit der Nähstube viel Freude in manches Haus getragen wird. Leider haben sich die Verhältnisse noch weiter verschlechtert, und die Anforderungen an die Hilfsbereitschaft der Nähstube haben sich entsprechend vergrößert. Herzlich ist daher die Bitte, die Nähstube in jeder Weise zu unterstützen, um den ungezählten Armen, denen es am Nötigsten fehlt, eine kleine Erleichterung zu schaffen. Frauen und Mädchen, welche mittnähen oder die gute Sache durch Spenden unterstützen wollen, werden gebeten, sich an Frau Lang, Blumenstr. 31 oder Frau Landauer, Gentzstraße 1 wenden zu wollen. Hebräische Kurse München. Am Montag, 12 Oktober beqinnt ein neuer hebräischer Anfänge rkurs. Der Kurs findet Montag und Mittwoch abends 6—7 Uhr statt. Kenntnisse aus dem Religionsunterricht der Schule werden vorausgesetzt. Ferner hat in diesen Tagen ein neuer Kurs zur Erlernung der praktischen hebräischen Grammatik begonnen, in den Teilnehmer Aufnahme finden, die über ein gewisses Maß praktischer Spracherfahrung verfügen. Der Kurs findet Mittwoch abends 7- 8 Uhr statt.. Unterrichtslokal Ottostraße 2.

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