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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-10-07 · 9 (7.10.1925) · p. Seite 176

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
9 (7.10.1925)
Article
Das Begräbnis Sigmund Fraenkels
Date
1925-10-07
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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176 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 folge führten. Mit jugendlichem Feuer vertrat er seine Anschauung, er war ein Kämpfer für seine Überzeugung und hatte Freude am Kampfe und gar vieler: wird er so in Erinnerung bleiben als der hochgemute Mann, der für seine Ideale in den Streit zog. Und doch möchte ich als die Krone seines Wirkens eine andere seelische Einstellung bezeichnen, einen Akt ftaatsmännischer Weisheit, hohen Verantwortlichkeitsgefühls und friedlicher Gesinnung. Es war in den Jahren 1906 — 1908, als das schon verglimmte Feuer des Kulturkampfes, der auch bei uns eine Stätte hatte, wieder aufzuflackern drohte, als ein tiefer Risi durch die Gemeinde ging, nicht nur in München, sondern auch an anderen Orten, und die Spaltung der Gemeinde bevorstand, da war es Sigmund Fränkel, der im Verein mit dem verewigten Rabbiner Professor Werner das Ganze über die Teile setzte, das gesamte jüdische Interesse in den Vordergrund stellte und auf die Einheit der Gemeinde mit Erfolg hinarbeitete. Wenn heute die jüdische Bevölkerung Bayerns in einer Organisation vereinigt ist, in der alle Richtungen sich frei und ungestört entfalten können, wenn heute in unseren Gemeinden das Wort gilt, daß es in Gewissensfragen keine Mehrheit gibt, so ist der letzte Grund für diese Entwicklung in jener Haltung Fränkels mitzuerblicken. Noch unmittelbar vor seinem Tode hat es sich gezeigt, wie sehr ihn diese Gedanken bewegten. Auf dem Sterbelager, als sein Körper schon der Auflösung entgegenging, sein Geist aber milde und abgeklärt, klar und gesammelt noch die Herrschaft führte, sprach er zu mir die mit Mühe hervorgebrachten Worte: „Die Einheitsgemeinde soll erhalten bleiben." So nehmen wir Abschied von Dir, teurer Freund, von dem, was sterblich an Dir ist. Unverlierbar bist Du Deinen Mitarbeitern und Freunden, unverlierbar Deiner Gemeinde, an der Du mit Deinem Herzblut gehangen, unverlierbar der religiösen Gemeinschaft in deutschen Landen, deren Ansehen und Ehre Du gefördert und gemehrt. Möge Dein Andenken an uns gesegnet sein! Das walte Gott! Als Vertreter der Handelskammer München gedachte der Vizepräsident Geh. Kommerzienrat Gautsch der Verdienste des Verblichenen. Mit banger Sorge hade die Htndelskammer die Berichte über seine Krankheit vernommen, sie habe jedoch immer wieder auf eine Genesung gehofft. Um so bestürzter sei sie gewesen, als plötzlich die Todesnachricht kam. Die Handelskammer verliere in Fränkel nicht nur ein hervorragendes Mitglied, sondern auch einen aufrichtigen Freund und Berater, einen edlen Menschen im vollen Sinne des Wortes. Am 6. Juni 1900 sei Fränkel als Mitglied in die Kammer eingetreten und habe mehr als 25 Jahre eine erfolgreiche, segensreiche Tätigkeit entfaltet, im besonderen auf wirtschaftlichem und steuerlichem Gebiet, in ganz hervorragendem Maße 0 HAUS o l MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 auf dem Gebiete des Verkehrs. Im Juli dieses Jahres habe der Präsident der Handelskammer, Geheimrat von Pschorr, der bedauere, heute an der Trauerfeier nicht teilnehmen zu können, dem Kollegen Fränkel zu seinem 25. Jubiläum gratulieren können. Damals habe der Präsident die Vorzüge Fränkels gerühmt, die Tatkraft und Energie, mit der er seine Überzeugung verfochten. Von ganzem Herzen habe sich die Kammer den damaligen Ausführungen des Präsidenten angeschlossen. Die Üerlegenheit Fränkels auf dem Gebiete des Verkehrs habe es mit sich gebracht, daß er in den LandeSeisenbahnrat und in den Reichseisenbahnrat berufen wurde. In all den Stellen sei er tätig gewesen, in denen er die Interessen des Handels und der Industrie vertreten konnte. Mit ihm verliere die Kammer einen außerordentlich geistvollen Referenten, der es verstanden habe, mit all seiner Kraft für die wirtschaftlichen Belange einzutreten, besonders aber habe er hiebei seinen Gerechtigkeitssinn walten lassen. Sein Andenken werde in der Handelskammer München stets hoch in Ehren gehalten werden. Für das Rabbinerseminar Berlin sprach Rabb. Dr. Hildesheimer. Über ein Vierteljahrhundert habe der Verblichene der Verwaltung angehört. Er sei nicht nur auserwählt, sondern auch berufen gewesen und nicht nur berufen, sondern auch auserwählt kraft seiner tiefen Glaubenstreue, kraft der Schnelligkeit, mit der er an die Lösung aller Probleme herangetreten, durch sein schnelles Erfassen der wesentlichen Punkte, durch seine Tatkraft. Mit diesen Gaben habe er auch in der Verwaltung des Seminars gearbeitet, ob es nun galt, dem Institut zeitgemäße Satzungen zu geben, neue Lehrer zu erwählen, schwierige finanzielle Probleme zu lösen. In den zweieinhalb Jahrzehnten seiner Mitarbeit habe es kaum eine Sitzung gegeben, in der er nicht anwesend gewesen, kein Brief an ihn sei unbeantwortet geblieben. Am Ausgang des weihevollsten Tages der jüdischen Religion habe der Heimgegangene sein Leben geendet. Umweht von den frommen Wünschen der Beter, noch getragen von der Verheißung der Vergebung, sei seine reine Seele zu Gottes Thron emporgestiegen, sich zu gesellen zu den ungezählten Seelen tapferer Gottesftreiter. In wenigen Tagen feiere man das Laubhüttenfeft zum Gedächtnis der Hilfe und des Schutzes, die Gott unseren Vorfahren hat angedeihen lassen. In dieser Zeit des Gedenkens solle das Gelöbnis abgelegt werden, daß Fränkel bei uns unvergessen fortlebt. Wie er die Gnadenbeweise Gottes immer wieder erkannt und anerkannt, wie er über sich in allen Stunden seines Lebens das Auge seines Gottes gefühlt habe, so werde er fortleben als treuer Freund und Mitberater, als Mitkämpfer auf dem Gebiet des jüdischen Wollens, so werde er allen als Vorbild dienen und seine Seele den ewig Lebenden zugesellen. DER QUALITÄTSSTOFFE N. STARK & Cit NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11

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