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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-07-06 · 6 (6.7.1925) · p. Seite 104

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
6 (6.7.1925)
Article
Die drei Wünsche Salomo's
Date
1925-07-06
Page
Seite 104 (sequence 3)
Language
German
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104 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 ten. — Wie ein Unwetter ergoß sich jene Wolke über Jerusalem, lodernde Flammen schlugen gen Himmel, Menschen in Todesangst irrten durch die brennenden Sttaßen, und mit schaurigem Getöse stürzte ein goldener, ragender Tempel zusammen, eine riesige Garbe von Flammen und Funken stob in den düsteren Himmel. Dann folgte tiefe Ruhe, nur einzelne Rufe und langgezogene Klagetöne waren noch zu hören, und Salomo sah, wie in langem Zuge Männer, Frauen und Kinder, von Kriegern geleitet, sich mühsam nach Osten schleppten, und am Horizont verschwanden. — Und es war, als ob die Wüste, die an Stelle des blühenden Gartens entstanden, sich über das ganze Land ausdehnte. — Nebel senkten sich, und alles war verschwunden. — Auf's tteffte erschüttert stand Salomo, mit plötzlichem Entschluß hob er dann den schweren Vorhang zum Nebengemach und — sah die Prinzessin wieder jung und schön, ruhig schlummernd dort liegen. Er versank in tiefe Gedanken, das war also die Zeit. So sah ein kleines Stück nur der Ewigkeit aus. Was war aus seinem Land, aus dem Reich und Thron seines Vaters geworden, die er für alle Zeit fest und unerschütterlich gedacht hatte?! „Alles ist eitel," sprach er, „alles ist ganz eitel"! Er verstand, daß nur der Herr Weisheit gibt, daß Erkenntnis und Verstand nur von Ihm kommen! (Sprüche 2, 6.) Daß es besser sei, sie zu erwerben, als Silber und Gold, daß sie edler ist, als Perlen, daß ihre Wege schöne Wege sind, und ihr Pfad Frieden ist! (Prediger, 3.) Er sah ein, daß dem menschlichen Geist Grenzen gesetzt sind, daß er den vollen Blick in die Ewigkeit nicht ertragen könnte, und er kniete nieder und betete zum Herrn: Nicht mehr um irdisches Glück, sondern um Weisheit und um den Frieden, den Gott allein geben kann. — Das Feuer glimmte noch; sanft ließ Salomo die dritte Feder hineingleiten, und als sie aufflammte, da strahlte ein heller Schein, der ihn ganz durchleuchtete. In dieser Nacht wurde Salomos dritter und bester Wunsch erfüllt: — Er wurde zum Weisen! — ttus der Gemeinde. Sitzung der neuen Gemeindeverkrekung. Am 18. Juni abends fand im Sitzungssaals der Kultusgemeinde die erste Sitzung der neuen Gemeindevertretung statt. Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer hieß in seiner Eigenschaft als Wahlleiter in einer kurzen Begrüßungsansprache die Erschienenen willkommen. Zum 1. Vorsitzenden der Gemeindevertretung wurde Herr Dr. Karl Oestreich und als stellvertretende Vorsitzende die Herren Justizräte Beer und Dr. Feuchtwanger einstimmig gewählt. Anschließend erfolgte die Wahl der Mitglieder der Ausschüsse. (Vergleiche hiezu die Bekanntmachung im amtlichen Teil!) Damit war die Tagesordnung erledigt. Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß Herr Kommerzienrat Fränkel infolge Krankheit vorläufig verhindert sei, seine bewährte Mitarbeit in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Vorstand und Gemeindevertretung beschlossen Herrn Kommerzienrat Fränkel die besten Grüße und Wünsche für seine Genesung zu übermitteln. Personalnachrichten. Herr Geh. Justizrat Dr. Frankenburger, der stellvertretende Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde München, wurde zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule München ernannt. Vereine. Versammlung des Landesverbands Bayern des Centralvereins. Am 28. Juni nachmittags fand in Regensburg im „Kleinen Neuhaussaal" die diesjährige Landesverbands-Versammlung des Landesverbands Bayern im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Sie war besonders durch die Teilnahine des ersten Vorsitzenden des Central-Vereins, Justizrat Brodnitz- Berlin, ausgezeichnet. Weiter konnte der erste Vorsitzende des Landesverbands, Sanitätsrat Baron-München, als Vertreter des Verbands bayerischer israelitischer Gemeinden Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer begrüßen, der im Laufe der Verhandlungen die besonderen Sympathien des Gemeindeverbands für den Central-Verein und die gute Zusammenarbeit mit dessen bayerischem Landesverband heroorhob. Im Anschluß an die Begrühungsworte von Justizrat Brodnitz, wurde die Absendung eines Telegramms an die gleichzeitig in Köln zur Kundgebung für Rheinland und Deutschtum vereinigten rheinischen Glaubensbrüder beschlossen. Der Bericht des Syndikus Bachmann zeigte die gute organisatorische und finanzielle Lage des Landesverbands, die zu energischer Tätigkeit ausgenützt werden müsse. Der Landesverband habe über die allgemeine Tätigkeit des Central- Vereins hinaus in seinem Entgiftungsfeldzug durch systematische Bearbeitung ausgewählter Schichten mit besonders guten Schriften und neuerdings durch die Monatsausgabe der C.-V.-Zeitung im vergangenen Jahr großzügige Arbeitsmethoden geschaffen. Die Versammlung möge die Fortsetzung dieser Arbeit auch dadurch sichern, daß sie sich tragen lasse von dem starken Willen, die Zukunft der Juden in Bayern selbst so zu gestalten, wie sie aus Grund ihrer Verbundenheit und ihrer Treue zu dem Lande zu fordern berechtigt seien. Frau Leibholz-Berlin berichtete über die Lage und Tätigkeit im Reich. Die eingehende Aussprache ergab die volle Anerkennung der Versammlung für die Tätigkeit des Central-Vereins auch in innerjüdischen Fragen und die besondere Genugtuung über die Aktivität des Landesverbands. In ihrem harmonischen Verlauf bedeutet die Regensburger Tagung zweifellos einen Gewinn für den Central-Verein in Bayern. IZücherschau. Jüdische Gesänge. Im Verlage der „Kameraden Deutsch-Jüdischer Wanderbund" sind soeben „Jüdische Gesänge" von Emanuel Kirschner-München, dem weitbekannten Altmeister des Synagogengesanges, erschienen. Selten empfindet man bei einem neuen Werke eine solche Befriedigung wie hier. Wenn in dem Geleitwort auf Seite 1 vom Ver-, läge gesagt wird: „Er (der Komponist) tat es mit der Absicht, einem fühlbaren Mangel abzuhelfen, der sich bei der Ausgestaltung jüdischer Feiern unliebsam bemerkbar machte: Es fehlte uns an Liedern jüdischen Inhalts und Gepräges, die unserem Denken und Fühlen entsprachen," so muß man dem aus vollstem Herzen beipflichten. Hier liegt ein Merkchen vor, das künftig wohl zum eisernen Bestand beispielsweise einer jeden Chanukkah- oder Purimfeier gehören wird. Ein jeder Lehrer und Kantor wird diese Lieder seinen Kindern einüben; es sind nicht bloße Zweckgesänge, es sind Lieder voll innerstem Gefühl, von Herzen kommend und zum Herzen sprechend. Die meisten derselben eignen sich auch für die Gesangsstunde in unseren jüdischen Volksschulen. Von altbekannten Gesängen erscheinen Schir hammaaloß (Psalm 126) und die Chanukkahhymne in prachtvoller Harmonisierung. Weitere 5' Gesänge sind frei bearbeitet nach Melodien aus der fynagogalen und häuslichen Liturgie. Es sind wahre Perlen darunter, die, unterstützt von dichterisch wertvollen Texten, sich förmlich in die Seele schmeicheln. Im ganzen bietet der Komponist 14 Lieder. Lehrer Schmalzbach-Hechingen. Rheinlandnummer der C.-V.-Zeilung. Aus Anlaß der am 28. und 29. Juni in Köln stattfindenden Tagung der westdeutschen Landesverbände des Centralvereins hat die C.-V.-Zeitung eine Rheinlandnummer herausgebracht. Es wird darin viel interessantes historisches Material (u. a. ein Edikt des Kaisers Konstantin an die Juden in Köln vom Jahre 321 n. Ehr.) und ein reiches Bild des religiösen und kulturellen jüdischen Geisteslebens im Rheinlande geboten.

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