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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-07-06 · 6 (6.7.1925) · p. Seite 102

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
6 (6.7.1925)
Article
Erster Verbandstag des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden
Date
1925-07-06
Page
Seite 102 (sequence 5)
Language
German
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102 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Haushaltsplan den jüdischen Gemeinden, Gemeindeverbänden und Einrichtungen in ähnlicher Weise wie jeweils den christlichen Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen eine staatliche Beihilfe zur Besoldung ihrer Rabbiner, Prediger und anderen Kultusbeamten gewährt wird." Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Es wird hierauf in die Abstimmung über den folgenden liberalen Antrag eingegangen: „Der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden erwartet, daß der Rat anläßlich Neuregelung der Judengesetzgebung die Einhaltung folgender Grundsätze sichert: 1. Die durch Art. 137 der Reichsverfassung gewährleisteten Rechte, namentlich die Selbstverwaltung, dürfen keinesfalls eingeschränkt werden. 2. Dies gilt namentlich für die Anstellung von Beamten und die Wahl von Mitgliedern der Gemeindeorgane. 3. Diejenigen, welche die Erklärung abgeben, daß ihr Austritt aus der örtlichen Gemeinde lediglich wegen religiöser Gründe erfolgt, können eine Personalgemeinde öffentlichen Rechtes bilden, oder ihr beitreten. 4. Die Überleitung in Ansehung der neupreußischen Gebiete darf nur erfolgen unter Mitwirkung jüdischer Selbstverwaltungskörper der einzelnen Gebiete und unter Wahrung erworbener Rechte der jetzigen Rabbiner. Lehrer und sonstigen Beamten. Der Antrag wird mit einer Mehrheit der Liberalen gegen Volkspartei und Konservative zum Beschluß erhoben. Es wird dann die Wahl des fünfzehngliedrigen Ausschusses vorgenommen. Ein Antrag Bergers, den Poale Zion einen Sitz mit Beratungsrecht einzuräumen, wird mit 41 gegen 33 Stimmen abgelehnt. Die Ausschußliste wird einstimmig angenommen. Man geht hierauf in die Erörterung des Antrags der Fraktion der Jüdischen Volkspartei ein, der folgendermaßen lautet: „Die im Landesverband vereinigten Synagogengemeinden sind übereinstimmend der Rechtsauffassung, daß § 71 Abs. 2 des Gesetzes vom 23. 7. 1847 durch die Vorschriften des Artikels 137, Absatz 3 der Reichsverfassung aufgehoben worden ist. Der Verbandstag ersucht alle ihm angeschlossenen Gemeinden in Zukunft dieser Rechtslage Rechnung zu tragen." Einige liberale Redner finden diesen Antrag bedenklich. Der Präsident, Justizrat Sonnenfeld, fragt die Herren der Volkspartei, ob sie sich dem Risiko der Ablehnung aussetzen oder den Antrag lieber zurückziehen wollen. Die Volkspartei zieht den Antrag zurück. Der Präsident, Justizrat Sonnenfeld, hält das Schlußwort und stellt fest, daß die Tagung eine ungeheure Arbeit geleistet hat. „Dank fordern wir nicht, wir halten uns an das Mischna-Wort: Der Lohn der Pflichterfüllung liegt in der Pflichterfüllung selbst." A. Wiener (Jüdische Volkspartei) spricht dem Präsidenten die Anerkennung der Versammlung für seine mit großer Sachkenntnis und mustergültiger Unparteilichkeit gehandhabte Geschäftsführung aus. Justizrat Sonnenfeld nimmt den Dank für das ganze Präsidium entgegen und erklärt die Tagung für geschlossen. Begrüßungsschreiben' des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. An den Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden, Berlin. Wir danken für die liebenswürdige Einladung zur Eröffnung der Tagung des Preußischen Landesverbands. Wenn es uns auch nicht möglich ist, persönlich unsere Anteilnahme an dem geschichtlich denkwürdigen Ereignis zu bezeugen, so möchten wir doch in nicht minder herzlicher und nachdrücklicher Form unsere Freude über die Schaffung des Preußischen Landesverbandes, als der bedeutsamsten Zusammenfassung jüdischen Lebens auf deutschem Boden, zum Ausdruck bringen und unsere wärmsten Glückwünsche übermitteln. Wir haben von Anfang an die Anschauung vertreten, daß sich in natürlicher Weise auf den Gemeinden die Organisationen der Länder aufbauen, die wiederum zum Zusammenschluß im Reiche streben. Wir sind gerne bereit mitzüarbeiten zur Bildung eines das Reich umfassenden Verbandes, der die Aufgaben erfüllt, welche die Länder für sich nicht zu lösen vermögen und der die Vertretung im Reiche übernimmt. Getrennt in der Organisation verfolgen wir doch einheitlich das Ziel: die Sorgen auszugleichen und zu mehren die Ehre des jüdischen Namens in deutschen Landen. Vorsitzender der Tagung: Vorsitzender des Rats: gez. Dr. Silberschmidt. gez. Dr. Neumeyer. vie drei Wünsche Salomo’s. Von Dr. Brandenburg (Ebenhausen). Herr Dr. Brandenburg, der bekannte Archäologe, der bereits vor zwei Jahren in einem gemeindlichen Lehrkurs in fesselnder Weise über seine Arbeiten gesprochen hat, hat uns diese Geschichte freundlichst überlassen. Salomo, der Sohn David's, war schon als junger Prinz so klug und dabei voll Eifer immer noch mehr zu lernen und zu wissen, daß es nicht schwer war voraus zu sehen, daß er einst ein großer Herrscher sein würde. Vor allem liebte er die Natur, .wurde nicht müde sie zu erforschen und in ihr die Wunder des Schöpfers anzuftaunen, ihn aber selbst in seinen Werken zu preisen. Er gab oft die Jagd als Vorwand an, um sich dem Leben am Hofe seines Vaters zu entziehen und unbegleitet und ungestört in den Wäldern und Bergen herumschweifen zu können. Er tötete aber niemals ein Tier, außer den schädlichen, welche die Felder der Bauern verwüsteten. Darum liebten ihn auch die Tiere und weihten ihn in ihre Sprache ein, was er aber als Geheimnis für sich behielt. Einst hatte er sich auf einem solchen angeblichen Iagdzug tief im Walde verirrt, es begann zu dunkeln, und der Prinz war froh endlich den Schein eines Feuers leuchten zu sehen. Er ging ihm nach und kam zur kleinen Hütte einer uralten Frau, die er höflich begrüßte, ohne sich aber als Fürst zu erkennen zu geben und bat die Alte bescheiden um Nachtquartier. An den Balken der Decke sah er viele Bündel trockener Kräuter hängen, woraus er schloß, daß seine Wirtin eine weise Frau sein müsse, wie die Leute solche Kräutersammlerinnen nannten. Auf seine Bitte sagte sie: „Mein Sohn, schlafen kannst Du nebenbei in dem kleinen Schober, in dem ich das Heu für meine beiden Ziegen aufbewahre, denn ich selbst habe nur dies Mooslager, und das wirft Du mir alten Frau wohl gönnen? Wenn Du Hunger hast, so werde ich Dir Milch und Brot geben, daß ist alles, was ich habe." Salomo aß mit Behagen die einfache Kost, denn er hatte Hunger, weil er den ganzen Tag umhergestreift war. Als er fertig war, begann er mit der Alten zu plaudern, weil er dachte, daß sie viel von Pflanzen und Kräutern wissen würde und er daher von ihr lernen könne. So führten die Beiden ein langes und für den Prinzen sehr lehrreiches Gespräch, bis er endlich müde wurde. Sie verrichteten gemeinsam ihr Gebet und dann ging Salomo in den kleinen Heuschuppen und war bald entschlafen. Mitten in der dunklen Nacht aber schien der Raum plötzlich hell zu werden, die Alte stand vor ihm, mit genau denselben Zügen, aber viel jünger und von ehrfurchtgebietender Schönheit, in einem langen weißen Gewände.

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