Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 6 (6.7.1925)
- Article
- Kardinal Faulhaber über deutsches Nationalgefühl
- Date
- 1925-07-06
- Page
- Seite 97 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung ihren Anteil an den Blut- und Gut-Opfern des Krieges in Zweifel ziehen will. Wir müssen uns damit begnügen, unseren Lesern diese Proben vorzusetzen und wollen allen empfehlen, selbst das Büchlein zur Hand zu nehmen und sich mit den von hoher Würde und starkem sittlichen Pathos getragenen Ausführungen des Verfassers über das Wirken des Gottesgesetzes im Volks- und Völkerleben vertraut zu machen. Als versöhnenden AuSklang möchten wir nur noch die Schlußworte des Hirtenbriefes wiedergeben: „Wie das Volk des alten Bundes auf dem Weiterzug durch die Wüste die beiden Tafeln von Sinai mit sich führte, so wollen auch wir auf dem Wüstenwege, der noch vor uns liegt, die zehn Gebote mit uns nehmen und mit ihnen das gelobte Land des Friedens und der Wohlfahrt unseres Volkes suchen." Staatszuschüsse an den Verband bayerischer Israelitischer Semeinden In der Sitzung des Landtags vom 26. Juni 1925 wurde dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für das Jahr 1924 ein Zuschuß von Jt 50 000.— und für das Iabr 1925 ein solcher von Jt 60 000.— bewilligt. Die weitergehenden Anträge des Verbandes wurden abgelehnt. Hierzu wird bemerkt: In der Vorkriegszeit betrug der Zuschuß Jt 20 000. —. Es wurde versucht, die Aufnahme der Rabbiner in das Gesetz über die Ergänzung des Einkommens der Seelsorgegeiftlichen zu erwirket:. Die Staatsregierung trat diesem Bestreben nur darum entgegen, weil ihre Absicht dahin geht, das Gesetz aufzuheben und den Kirchen Pauschbeträge zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu gewähren, eine Absicht, die hinsichtlich der protestantischen Kirche der Pfalz auch bereits verwirklicht ist. Es wurden dem Verband darum ohne Ausscheidung die Mittel für den israelitischen Kultus zugewendet. Es wurden auch keine gesonderten Beträge für die Lehrerbildungsanstalt und die Präparandenschulen bewilligt. Die Staatsregierung geht davon aus, daß der Bedarf an jüdischen Volksschullehrern bis auf weiteres gedeckt, der Anspruch auf Förderung der Ausbildung von Religionslehrern aber durch den der Religionsgemeinschaft gewährten Pauschbetrag mit abgegolten ist. Im Haushaltausschuß wurden die erhöhten Beträge mit 13 gegen 12 Stimmen bewilligt. Für die Position wurden abgegeben: 9 Stimmen der Bayer. Volkspartei, 3 Stimmen des Bauernbundes und 1 demokratische Stimme; dagegen stimmten: die Kommunisten, Sozialdemokraten, Völkischen und Deutschnationalem In der Vollversammlung des Landtags verwahrte sich die völkische Partei gegen die Annahme der Position für den israelitischen Kultus. Bei der Abstimmung, die für die sämtlichen Religionsgesellschaften in einem erfolgte, stimmten Kommunisten und Sozialdemokraten gegen alle Ansätze für kirchliche Zwecke. Wenn auch die Wünsche des Verbandes nicht voll erfüllt wurden, so möchten wir doch Staatsregierung und Landtag den wärmsten Dank für die Bewilligung der erhöhten, zur Förderung unserer religiösen Einrichtungen bestimmten Beträge zum Ausdruck bringen. Waisenhäuser. Von Rabbiner Dr. Siegfried Der Dienst am Nächsten ist eine so uralte jüdische Vorschrift, daß in allen Gesetzbüchern dieser Gedanke wiederkehrt. Alle Gesetzeslehrer sind darin einig, daß die werktätige Nächstenliebe ein grundlegendes Gebot des jüdischen Sittenlebens ist, ein Charakteristikum der jüdischen Religion, deren Bekenner durch Barmherzigkeit und Milde seit den Tagen Abrahams ausgezeichnet sein sollen. Die patriarchalische Art, mit der einst Menschenliebe von unseren Vätern geübt werden konnte, hat freilich in unserem Zeitalter der Organisation dem harten Bedürfnis nach Organisierung der sozialen Fürsorge weichen müssen. Das mag bedauert werden, aber wichtiger und weitreichender als daö Almosen ist die Aufrichtung der Existenz, die Erhaltung der Arbeitsfreude, die Überzeugung, daß es gottgefälliger ist, den Arbeitswillen zu kräftigen als den Müßiggang, der mit frommem Betrug „arbeitet", zu fördern. Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, hat die Hilfe für die Waisen immer einen Ehrenplatz eingenommen. Handelt eS sich doch darum, jugendliche Herzen aus unverschuldeter Not zu befreien, für einen gesitteten Wandel und für einen geeigneten Beruf vorzubereiten. In geradezu großzügiger und mustergültiger Weise ist in weiten Kreisen das Interesse für die Waisen immer wach erhalten worden. Groß ist die Zahl der Anstalten, die sich ihrer annehmen, und weit verzweigt sind die Stiftungen, die für sie errichtet BehrenS, Fürth (Bayern). werden. Frommer Sinn durfte sich ja darauf stützen, daß in den Waisenhäusern die Namen der Stifter nie in Vergessenheit geraten werden. Nun ist vieles von dem, was die Väter erschaffen hatten, durch das Feuer der Inflation zerflossen. Das Stiftungsvermögen ist in nichts zerronnen. Daö hohe Alter aller Schöpfungen bedingt trotz allem den Wiederbeginn der aufbauenden Arbeit. Vor dieser gebieterischen Forderung steht gegenwärtig das „Israelitische Waisenhaus" in Fürth, die einzige Anstalt dieser Art in B a y e r n. In den langen Jahren ihres Bestehens, in denen sie unendlich viel Segen gestiftet hat, konnte sie aus eigenen Mitteln ihre Bedürfnisse bestreiten. Unter der ausgezeichneten Leitung ihres gegenwärtigen Direktors, Dr. Hermann Deutsch, hat sie alten Ruhm gemehrt. Im letzten Berichtsjahre hat sie 24 Knaben und 16 Mädchen ein treffliches Heim gewähren können. Die Kinder besuchten je nach Begabung Volks-, Mittel- und Handelsschulen. Für ihre berufliche Vorbildung wie für ihre religiöse Erziehung wurde weitgehend Sorge getragen. Angesichts der großen Anforderungen, die an die Anstalt gestellt werden müssen, darf der Kreis ihrer Gönner und Freunde sich nicht auf wenige Gemeinden beschränken. Eine Anstalt, die seit Menschengedenken Kinder aus ganz Bayern aufnimmt, darf erwarten, daß alle Kreise der b a y e r i s ch e n