Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 6 (6.7.1925)
- Article
- Die jüdische Ausstellung in Köln
- Date
- 1925-07-06
- Page
- Seite 95 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 95 einen schönen Beweis von der Kunst jüdischer Handschriftenillustration. Köstlich sind auch die reich illustrierten Megillot (Eftherrollen). Die synagogale Kunst ist vertreten durch wundervolle, reich gestickte Thoravorhänge, Thoramäntelchen, silberne Thorakronen und silberne Thoraschilder. Eine kleine Synagoge aus dem 18. Jahrhundert, deren Hauptbestandteile aus der ehemaligen Synagoge in Zons herrühren, soll das jüdische Gotteshaus als schönste Stätte des Gebetes und der Andacht zeigen. Zahlreiche Photographien von Synagogen vom 18. Jahrhundert an bis zur Gegenwart geben zudem ein Bild über die Entwicklung des fynagogalen Baustils. Mit dem Gefühle höchster Befriedigung verläßt man die reiche Ausstellung, für die dem Schöpfer derselben, Herrn Rabbiner Dr. Kober in Köln, nicht genug gedankt werden kann. Leise regt sich der Wunsch, daß auch in Bayern einmal eine solche Ausstellung zustande kommen möge, ein Wunsch, für den ich schon vor 13 Jahren („Inventarisierung jüdischer Altertümer in Bayern", Israelitische Wochenschrift 1912, Gebweiler) eingetrelen bin. kardinal §aulhaber über deutsches Nationalgefühl Von Wilhelm L e v i n g e r - München. Diejenigen unserer Leser, die im Frühjahr den geistreichen Bericht von Prof. Gold stein aus Darmstadt über seine amerikanische Reise gehört haben, werden sich erinnern, daß er als eine der auffälligsten Erscheinungen des amerikanischen Lebens die enge Verbundenheit der verschiedenen Bekenntnisse erwähnte, die vor allem auch in der Gepflogenheit des Predigeraustausches zum Ausdruck komme; so sei es gar nichts seltenes, daß ein Rabbiner von Ruf eingeladen werde, in einer christlichen Kirche einen Vortrag zu halten, wie umgekehrt auch angesehene christliche Geistliche die Kanzel einer Synagoge besteigen und hier vor einer zahlreichen jüdischen Gemeinde sprechen. Uns erscheint eine solche Verwischung der Grenzen zwischen den verschiedenen Bekenntnissen fremdartig und ein Versuch, die amerikanische Gepflogenheit auf deutschen Boden zu verpflanzen, würde wohl in beiden Lagern' auf entschiedenen Widerstand stoßen. Wenn aber auf anderem Weg das gleiche Ziel erreicht werten kann, nämlich die Auffassung hervorragender Kanzelredner auch den Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften nahezubringen, so wird man das nur begrüßen können. Eine solche Gelegenheit bietet sich uns Juden Münchens dadurch, daß soeben zwei Reden des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche in Bayern im Druck erscheinen, die Beachtung auch in jüdischen Kreisen verdienen, nicht, nur wegen der hervorragenden Stellung des Redners im öffentlichen Leben und seines hohen persönlichen Ansehens, sondern auch wegen des auch für Andersgläubige bedeutsamen Inhaltes der Schrift.*) Bei der Besprechung der beiden Reden werden wir uns vor allem bewußt bleiben, daß hier der geistliche Oberhirte zu seinen Gläubigen spricht und daß es uns nicht ansteht, uns zwischen den Hirten und seine Gemeinde zu drängen; auch wenn unsere Auffassung in manchen Punkten von der seinigen abweicht, ist es deshalb nicht unseres Amtes, diese Abweichungen hervorzuheben und Kritik zu üben, wir wollen vielmehr vor allem mit Genugtuung henwrheben, in wie wesentlichen Gedankengängen wir-dem Redner beipflichten und eine Übereinstimmung zwischen seinem christlichen und unserem jüdischen Denken feftstellen können. Das Buch enthält eine Rede, die der Kardinal in bewegter Zeit, Mitte Februar 1924 vor den katholischen Studenten Münchens gehalten hat und den ungefähr um dieselbe Zeit erlassenen Faftenhirtenbrief. Der Hirtenbrief will „die zehn Ge¬ *) Zur religiösen Lage der Gegenwart. Schriftenreihe, herausg. von P. Dr. Erhard Schlund. Heftl: Michael Kardinal Faulhaber, Deutsches Ehrgefühl und katholisches Gewissen. München 1925. Dr. Franz A. Pfeiffer L Co. 61 Seiten. Pr.is JL 1.40. bote Gottes... neu verkünden und zwar als Sittenspiegel des völkischen Gemeinschaftslebens und als Heilquelle der staatlichen Wohlfahrt". Es ist wohl zu beachten, daß der Kardinal zu diesem Zweck nicht eine andere Schrifrftelle, sondern gerade die Kernsätze des Alten Testaments gewählt hat, unbekümmert darum, daß laute Wortführer der gerade in jenen Tagen die Massen beherrschenden Bewegung das Alte Testament als ein gegenüber germanischer sittlicher Auflassung minderwertiges Werk zu verlästern sich bestrebten. Wie der Hirtenbrief die unvergängliche Bedeutung der zehn Gebote auch für die Entscheidungen des Tages auseinandersetzt, dafür nur ein Beispiel: zum 1. Gebot (nach kathol. Zählung, d. i. das 2. Gebot nach jüd. Zählung) bemerkt er: „Der eine wahre Gott hat die alten Götter des Heidentums gestürzt, kein Volk darf die alten Heidengötter wieder auf den Thron erheben wollen. Kein Volk darf seinen Staat vergöttern, als ob der Staat die einzige Quelle des Rechtes wäre. Kein Volk darf sein Volkstum zum Abgott machen. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben." Verkündet der Hirtenbrief allgemein und allezeit gültige Lehren, so will sich der Redner in der Ansprache an die Akademiker „von der Seele reden", was ihm „unter dem Eindruck persönlicher Erlebnisse und Beobachtungen in den letzten Monaten" bewegt, „den Katholiken zur Aufklärung, den Katholikenfeinden zur Warnung". Gleichwohl verliert sich die Rede nicht in kleinliche Tagesfragen, sondern wahrt immer den Zusammenhang mit den bleibenden geistigen und religiösen Grundsätzen. Es sind die Grundsätze, die die jüdische Lehre den Völkern der Erde gegeben hat, zu denen sich der Redner bekennt, wenn er gleich in der Einleitung ausspricht: „Hier in München wurde in einer Studentenversammlung das furchtbare Wort gesprochen, das Leben eines Volkes sei Macht und nichts als Macht. Die allseitige und folgerichtige Durchführung dieses Wortes würde genügen, eine Volksgemeinschaft von der Höhe eines Kulturvolkes auf die Stufe eines afrikanischen Naturvolkes herabzudrücken. Kein Staatswesen kann also ungestraft das Machtprinzip dem Rechtsprinzip überordnen, der große Staat so wenig wie der kleine, der Siegerstaat so wenig, wie der besiegte." Aus dieser ethischen Grundauffassung erwächst die Mahnung, daß der auf einer höheren Stufe stehende nicht schnellfertig mit dem Wort dem Bruder leichthin den vaterländischen Sinn absprechen soll, daß unser Deutschtum alles kindisch Unreife und knabenhaft Stürmische abstreifen und als tätige Opferbereitschaft und Arbeitsbereiflchaft dem Volksganzen sich einordnen