Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 6 (6.7.1925)
- Article
- Hebräische Buchdruckereien im Gebiete des heutigen Bayern
- Date
- 1925-07-06
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2727810-2727811-2727817-2728772--00286-2728805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
90 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 sogar hinter manchen hebräischen Drucken des 15. Jahrhunderts zurück. Es handelt sich eben tatsächlich noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beim hebräischen Buchdruck in Deutschland und auch gerade in Bayern nicht um eine bereits eutwikkelte, auf der Höhe der Zeit stehende, sondern beinahe um eine neue Kunst oderwenigstens um die Anwendung dieser Kunst auf ein bis dcchin wenig begangenes Gebiet mit Hilfe ungeübten Personals und unter ungünstigen äußeren Bedingungen. Und doch gab es auch in Bayern in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts höchst beachtliche Ansätze für einen hebräischen Buchdruck. Der erste jüdische Buchdrucker, der für über hundert Jahre fast der einzige in Bayern bleiben sollte, stammte aus Prag, das in der Geschichte der hebräischen Druckereien Deutschlands insofern eine Ausnahmestellung einnimmt, als dort seit 1513 bis zur Gegenwart Druckereien bestanden, die die jüdische Welt mit durchaus gelungenen wichtigen Werken, aber auch mit Druckern und Setzern versorgten. Ein Prager Sulzbacher Machsor in Folio aus dem Jahre 1758. Verkleinerte Wiedergabe des Titelblattes. TD ' pbn -nran rw» : win> friujfljpsp jp£. w m p> i»» M cton/sft jrei psu. Cum' Licenda Screnißfini Damini Elaäoris PaUdrn. -VtflUUU CICUU4S fUUUU!jM .quaDuäiSoIisbaccaCs. aaS Tp-jvj T* f|* Drucker also, Chajim ben David Schwarz (hebr. Schachor), war es, der auf dem Umwege über Oels, wo er 1530 druckte, ca. 1533 nach Augsburg kam. 1533 erscheint von ihm dortseLbst der Raschi-Kommentar zum Pentateuch, 1534 eine illustrierte Haggada, ca. 1534 ein Gebetbuch kleinen Formats. In den folgenden Jahren erschienen verschiedene Gebetbücher (Machsorim und Selichoth). Der wichtigste Augsburger Druck ist aber wohl der große Ritualkodex des R. Jakob b. R. Ascher, genannt die „Vier Turim" (1540), der allerdings bereits vorher öfters erschienen war. In den Jahren 1543 bis 1545 taucht Schwarz in Ichen- Hausen auf. Moritz Steinschneider (geb. 1816 in Prosnitz in Mähren, geft. 1907 in Berlin), neben dem Altmeister Zunz unstreitig der größte Kenner der jüdischen Literaturgeschichte, den das 19. Iahrh. hervorbrachte, gibt in seinem Katalog der hebräischen Bücher der Bibliotheea Bodleiana in Oxford, der weit über IO OOO Bücher in ungefähr 8OOO Nummern beschreibt und der wegen der Reichhaltigkeit der aufgezählten Bestände, noch mehr aber wegen des staunenerregenden, vielseitigen gelehrten Apparates das Vademeeum des jüdischen Literarhistorikers geworden ist, nur ein in Jchenhaüsen von Schwarz her- L auögegebeneS Werk an, einen Pentateuch mit Megilloth und "Haftaroth aus dem Jahre 1544/45. Steinschneider bezeich- . net die Ausgabe als äußerst selten (rarissima), das in der Bodleiana vorhandene Exemplar als das einzig komplett erhaltene. Die Bayerische Staatsbibliothek in München besitzt ebenfalls einen Jchenhausener Druck, eine jüdisch-deutsche, d. h. eine durchweg in hebräischen Leitern (in der sog. Weiberteutschen Schrift) gedruckte deutsche Übersetzung des erweiterten Gebetbuches (ohne den hebräischen Text), das außer den täglichen und Sabbat- Gebeten auch einige Einschaltungsgebete für besondere Gelegenheiten enthält. Das Buch ist, wie aus dem hier abgebildeten Titel ersichtlich, für Frauen bestimmt. Trotzdem sind auch die aus dem Talmud ins Gebetbuch übernommenen Stellen übersetzt. Der Titel lautet, ans Neuhochdeutsche angeglichen: Kommt her, ihr frommen Frauen, // da wert ihr hüpsch Ding schauen. II Ihr wert es wohl gewahr, // ein Tefillo vom ganzen Jahr. II Wohl verteutscht und bescheidlich, II drum kommt und kauft weidlich. // Ihr wert sie sonst versäumen, // denn sie wachsen nicht auf den Bäumen. II Auch ist sie nit zu teuer, fl um ein Kronen ist sie euer, // und was näher, halt ihr euch stark. II Gedruckt zu Jchenhausen in dem Mark, //in dem Jahr so man zählt dreihundert und vier, II Gott helf uns, daß wir sie vollenden schier. // Auf der Rückseite des Titelblattes beginnt die zwei Seiten einnehmende Vorrede des gelehrten Schwiegersohnes des Schwarz und Mitherausgebers, Joseph ben Jakar, der überhaupt die Seele des Unternehmens gewesen zu sein scheint. Am Schluß des im Ganzen 168 Blatt umfasienden Buches treten nach alter Weise wieder die Verfasser, Herausgeber und Drucker hervor. Als solche zeichnen, jeder mit dem Beiwort ppinv , Drucker, Vater Chajim b. David Schwarz, der genannte Schwiegersohn Joseph b. Jakar und der Söhn Jsak b. Chajim. Sie lassen sich also vernehmen: Gott dem Herrn wollen wir danken, // der macht gesund die Kranken, // und gibt den Müden Stärk, // daß sie können vollenden ihr Werk. II Wer ist ein Gott as er, // er hat uns geholfen bis her, // daß die Tefillo hat ein Ort II nun will ich nit miner machen mein Wort. II Ich habe sie um ein Kronen derläubt, II aber ich schwör bei meinem Haubt: II sie ist ihr wohl