Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 3 (14.4.1925)
- Article
- Bericht über die Verhandlungen der Tagung
- Date
- 1925-04-14
- Page
- Seite 34 (sequence 1)
- Language
- German
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34 Bayerische Israelitische Gemeindezettung Nr. 3 Bericht über die Verhandlungen der Tagung. Erster Verhandlungstag. Anwesend: Geh. Justizrat Prof. Dr. Frankenburger-München; Frau Stark-München; IR. Oppenheimer-München; Dr. Oestreich- München; IR. Dr. Dreifuß-München; Sanitätsrat Dr. Baron- München; Weil-München; IR. Dr. Feuchtwanger-München; Jakob Fraenkel-München; Schachno-München; Dr. Oettinger-Regensburg; Dreichlinger-Neumarkt; Dr. Morgenroth-Bamberg; San.-R. Dr. Mafur-Coburg; Waffermann-Bamberg; Mainzer- Nürnberg; Fulder-Treuchtlingen; IR. Dr. Wertheimer-Fürth; IR. Dr. Erlanger-Nürnberg; Frau Oppenheimer-Nürnberg; RA. Jung- Nürnberg; Mayer-Treuchtlingen; Neu-Nürnberg; Schwab-Fürth; Dr. Stahl-Fürth; Dr. Landenberger-Nürnberg; Aufseesser-Nürnberg; Dr. Nußbaum-Nürnberg; Dr. Bamberger-Nürnberg; Dr. Sinauer - Nürnberg; Katzenberger - Nürnberg; Birnbaum - Fürth; Wahler-Hörstein; Stoll-Würzburg; IR. Dr. Haas-Würzburg; Rosenfeld-Marktbreit; Dr. Silberschmidt-Kissingen; Fraenkel-Karlstadt; Lazarus-Würzburg; Mayer-Aschaffenburg; Reus-Hofheim; Hirsch - Schweinfurt; Pfeuffer - Würzburg; Weinberg Marktbreit; Heß-Würzburg; Dr. Rosenthal-Würzburg; Brückheimer-Marktbreit; Mainzer-Gaukönigshofen; Dr. Grünfeld-Augsburg; Heller-Jchenhausen; Gerstle-Memmingen; Seligmann-Nördlingen; Thalheimer- Kaiserslautern; Klein-Speyer; Behr-Neustadt; Frau Metzger-Landau; Beer-St. Ingbert; Krämer-Speyer; Levi-Landau; Strauß- Bamberg; ObftLGR. Prof. Dr. Silberschmidt-München; Dr. Baerwald-München; Lomnitz-Mainstockheim. Entschuldigt: Prof. Dr. Rheinstrom-München; KR. Bühler- München; Neustätter-München; Rotter-München; Lehmann-Fürth; Stahl-Neustadt a. A.; Frau Frank-Fürch, Königshöser-Fürth; Levi- Aschaffenburg; Thalheimer-Ludwigshafen; Rosenblatt-Regensburg; Falk-Nürnberg. Bon den Mitgliedern des Rats sind anwesend: Rabb. Dr. Brader- Ansbach; IR. Dr. Hommel-Schweinfurt; Dr. Strauß-Augsburg; Sonder-Kitzingen; Dietenhöfer-Ansbach; KR. Joseph-Landau; AR. Dr. Rosenberg-Frankenthal; OLGR. Dr. Neumeyer-München; Dr. Straus-München; Geh. IR. Dr. Held-Nürnberg; Rabb. Dr. Bamberger-Bad Kiffingen; Rabb. Dr. Freudenthal-Nürnberg; Oberl. Dingfelder - München; Lehrer Oppenheimer-Laudenbach; KR. Braunschweiger-Würzburg; Rabb. Dr. Stein-Schweinsurt. Entschuldigt von den Mitgliedern des Rats: Geh. IR. Dr. Werner-Bamberg; KR. Bechmann-Fürth; Rosenzweig-Nürnberg; KR. Fränkel-München. Oberstlandesgerichtsrat 'Prof. Dr. .Silberschmidt eröffnet als Vorsitzender die Tagung: Ich begrüße Sie alle aufs herzlichste, die Sie dem Rufe der Verbandsleitung Folge geleistet haben. Es ist uns eine Freude, daß wir uns in der ehrwürdigen Stadt Würzburg versammeln können. Ich begrüße als Teilnehmer der Versammlung nicht nur die Mitglieder der Tagung, sondern danke auch vor allem denjenigen Korporationen und denjenigen hohen Beamtenstellen, die ihr Interesse anunserer Tagung teils schriftlich teils durch Delegierung von Vertretern in unsere Versammlung bekundet haben. Es hat der Regierungspräsident nicht nur freundlichst für die Ein-, ladung schriftlich gedankt, sondern die große Freundlichkeit gehabt, Herrn Oberregierungsrat Dr. Hofmann abzuordnen, der gleichzeitig als Vertreter des Kultusministeriums fungiert. Wir danken dem Kultusministerium und der Kreisregierung für die Abordnung. Herr Oberbürgermeister Dr. Löffler als Vertreter der Stadt Würzburg hat uns die Ehre seines Erscheinens erwiesen, wofür wir ihm herzlichst danken. Als Vertreter der Saargemeinden ist Herr Beer erschienen und unsere ganzen Sympathien und unser ganzes Wohlwollen und Fühlen legt sich in unsere Begrüßung des Vertreters der Saargemeinden, die festhalten am deutschen Volke, trotzdem sie durch die Bestimmungen des Versailler Friedens von ihm getrennt sind. Wir heißen ihn herzlichst in unserem Kreise willkommen. Im Namensaufruf mußten wir leider drei liebe Mitglieder vermissen. (Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen.) Gestorben sind seit der letzten Tagung Herr M. A. Marx-Maßbach als hochbetagter Mann, der es sich noch in der letzten Tagung nicht hatte nehmen lassen, ein Referat für unsere Tagung zu erstatten; mit Rührung hatten wir den Worten dieses alten würdigen Mitgliedes der Tagung gelauscht, bald daraus ist er heimgegangen. Wir beklagen weiter den Tod des Herrn IR. Dr. Epstein-Augsburg, der in voller Manneskraft an unseren Beratungen teilgenommen und eine Reihe von Referaten erstattet hatte. Ferner starb in Pirmasens Herr A. W. Hofmann. Sie ehren das Andenken der drei Mitglieder, indem Sie sich schon von den Sitzen erhoben haben. Ihr Andenken wird in der Tagung sortleben. Ich danke Ihnen. Hierauf spricht als Vertreter der Kultusgemeinde Würzburg IR. Haas: Die Verwaltung der Kultusgemeinde Würzburg hat es mit großer aufrichtiger Freude begrüßt, als im Herbst vorigen Jahres die Nachricht von der Wahl des Versammlungsortes der dritten Tagung des Verbandes B.J.G. auf Würzburg, die Vaterstadt des Präsidenten der Tagung, gefallen sei. Unsere Freude hat sich noch erhöht, da jetzt die Stunde gekommen ist, in der aus allen Gauen Bayerns zahlreiche Mitglieder der Tagung eingetroffen sind, Männer und Frauen, durch das Vertrauen ihrer Glaubensgenossen in diese Körperschaft entsandt, unter diesen ObftLGR. Pros. Dr. Silberschmidt, der Präsident der Tagung und OLGR. Dr. Neumeyer, der Präsident des Rats, die trotz der großen Arbeitslast, die ihr Beruf ihnen bringt, dennoch ein gerüttelt Maß an Zeit und Mühe den jüdischen Angelegenheiten widmen, in gleicher Weise wie ihrem Vaterlande auch dem Judentum treu, bewährte Führer der bayerischen Judenheit. Namens der Kultusgemeinde und der jüdischen Bürger Würzburgs, zu denen viele von Ihnen in freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen stehen, heiße ich Sie alle herzlichst willkommen. Es ist nicht nur die Vorliebe für die Heimatstadt, wenn ich die Auffassung vertrete, daß die Wahl von Würzburg zum Tagungsort eine glückliche zu nennen sei. Denn Würzburg ist nicht nur eine alte Stätte deutscher Kultur, die die deutschen Juden stets gerne in sich ausgenommen und nach Kräften zu ihrem Wähle beigetragen hat, Würzburg kann auch, wenngleich in bescheidenerem Ausmaße, eine alte Stätte jüdischer Kultur genannt werden. Schon im 11. Jahrhundert hatten in Würzburg Juden ihren Wohnsitz. Und wenn auch der Satz „unter dem Krummstab ist gut wohnen" nicht immer für die Juden galt, sondern für lange Zeit in der Leidensgeschichte der Juden im Mittelalter, auch Würzburg oft genannt wird, so haben doch wiederholt wissenschaftlich gebildete Juden bei den Bischöfen hohe Stellungen eingenommen. Jüdische Ärzte, darunter ein Leibarzt des Bischofs, auch eine jüdische Ärztin Sarah werden im 15. Jahrhundert genannt. Auch hervorragende jüdische Gelehrte, z. B. Rabbi Meir von Rothenburg und Rabbi Moses Minz aus Mainz wirkten hier. Vor allem muß aber auch erinnert werden an den jüdischen Minnesänger Süßkind Trimberg, der eine Zeitlang Spitalarzt von Würzburg war. Seine Gedichte fanden solche Anerkennung, daß er unter die bedeutenden Lyriker des Mittelalters als ebenbürtig ausgenommen wurde; neben Leuchten jener Zeit, wie Wolfram von Eschenbach und Walter von der Vogelweide, welch letzterer ja auch mit Würzburg eng verknüpft ist, wird er mit Achtung genannt. Die besondere Bedeutung dieses jüdischen Minnesängers für die jüdische Kultur und Literaturgeschichte besteht darin, daß er als Jude des Mittelalters zuerst es verstand und wagte in deutscher Zunge zu singen. Er hat so schon vor vielen Jahrhunderten den Beweis geliefert, daß deutsche und jüdische Kultur sich nicht notwendig ausschliehen müssen sondern ergänzen können. Aber auch aus neuer und neuester Zeit kann auf Personen und Einrichtungen hingewiesen werden, die Würzburg als Stätte jüdi-, scher Kultur kennzeichnen. Im vorigen Jahrhundert, als Rabbiner Seligmann Bär Bamberger hier in seiner großen Gelehrsamkeit seine Schule hatte, war Würzburg für alle jüdischen Kreise Trägerin eines klangvollen Namens. Würzburg ist diejenige Stadt in Deutschland, die neben Köln als einzige mit ihrer Lehrerbildungsanstalt die Stürme der Kriegs- und Nachkriegszeit überdauert hat. Daß deren Besuch sich nun erfreulich zu heben beginnt, ist eine Folge des segensreichen Wirkens des Landesverbands, der sich für die soziale und wirtschaftliche Besserstellung der Lehrer einsetzt. Das jüdische Leben in der Gemeinde selbst nimmt dank der Persönlichkeit unseres Rabbiners einen erfreulichen Aufschwung. Ein jüdischer Fortbildungsverein veranstaltet alljährlich Vorträge für Lehrer, die bei regem Besuch allgemeinen Beifall finden. Neben dem Religionsunterricht an den Mittelschulen, durch eigens von der Kultusgemeinde angestellte Lehrer geben auch private Unterrichtskurse der Jugend Gelegenheit die hebräische Sprache zu erlernen und die Kulturwerke jüdischer Sprache und Geschichte im Urtext zu lesen. Vor kurzem durften wir die zweite Synagoge für die Wochentage einweihen, die der im Luitpoldmuseum abgebildeten berühmten Synagoge von Kirchheim würdig an die Seite gestellt werden kann. Da unsere Hauptsynagoge schon seit langem sich als ungenügend erwiesen hat, hat