Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (27.2.1925)
- Article
- Gefallenengedenkfeier
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Die Gedenktafel an der Synagoge WMMM WM 6n»8nc)sn«8l mmi i5TinOiUflp(ScifttiWl :pflöem iFnonn-' msmmmmm WMMWMffZ Düs ist so einleuchtend, so klar und faßlich, daß den Gedanken unterstreichen, ihm seine stille Würde rauben hieße. Freundestreue hat dieses Mal geschaffen, durch Künstlerhand ihm vollendete Form geben lassen. Die lebend zurückgekehrt sind, bringen es dar als eine Gabe, geweiht dem Andenken derer, die von ihrer Seite weggerissen worden sind. Für diese Tat der Treue und Liebe sei allen, die an ihrer Verwirklichung mitgeholfen haben, das Wort der Schrift zugerufen: „Empfanget Segen und Dank für diese Tat der Liebe und Treue vom Ewigen und wie ihr Treue geübt, möge euch Liebe und Treue vergolten werden." (2. Sam. 2/5 u. 6.) Ihr wollt nicht den Dank; aber es empfinden ihn tief alle, die ein teures Haupt verloren haben, es empfindet ihn tief die Gemeinde, die geehrt wird, wenn ihre Gefallenen geehrt werden. Ihr wollt nicht den Dank; und den rechten Dank spenden kann auch niemand. Den rechten Dank trägt diese, wie jede Guttat, in sich. Gottes ist es, der im Guten selbst den Lohn erblühen läßt. Eine Tat der Treue ist es und Treue ward um Treue geboten: denn von wem könnte man mit mehr Recht sagen, daß sie treu waren, als von ihnen, die, treu bis zum letzten Atemzug, um der Treue willen den letzten Atemzug aushauchten. „Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat so liebt wie du." Sie haben dieser Liebe, dieser Treue höchsten Preis gezahlt. Ihr Leben dahingegeben, ihr junges blühendes Leben, das für so viele schon zu Ende war, ehe es noch recht begonnen, ihr Leben, das keinem von ihnen noch seine Früchte chatte reifen lassen, die er angepflanzt hatte, ihr Leben, das im Angesicht des Todes einen solchen Gehalt, eine solche Schwungkraft bekommen hat, daß wir von ihnen sagen dürfen: „Sie waren geschwind wie die Adler und stärker als die Löwen (II. Sam. 1. 23), um ihres Schöpfers Willen zu vollziehen, um ihres Lebens Bestimmung zu vollenden." Des Löwen Stärke verbunden mit des Adlers Schwungkraft hat ja auch der Künstler auf der Tafel meisterhaft dargestellt. Was gab ihnen die Kraft und Seelengröße, um alles Schwere auf sich zu nehmen? Die Treue. Wenn nach einem alten Wort: Wahrheit das Siegel Gottes ist, so ist die Treue das Siegel des Menschen; sein Stolz und seine Daseinsberechtigung, seine Verwandtschaft mit dem Göttlichen. Die Treue gibt dem flüchtigen Gedanken Halt, die Treue verdelt unser Streben. Und darum: Treue um Treue. Die Tafel symbolisiert die Treue der Toten zu den Lebenden, wie der Lebenden zu den Toten. Die Treue ist der Wahrheit verwandt, nach ihrem Begriff und — in der heiligen Sprache — nach ihrem Wort ist Eines die Nachbarin des Emunoll. Wo könnte darum eine solche Tat der Treue einen würdigeren Platz finden als hier am Gotteshaus, da wir die Gegenwart dessen besonders nahe fühlen, den wir ja auch nennen: EI emunoh, Gott der Treue. Er allein ist es, der Treue wahrhaft vergelten kann. Was wir Menschen vermögen, ist ja nur das Streben darnach. Aber w i e wir danach streben, das legt Zeugnis ab von uns und unserem Wesen. Wie eine Gemeinschaft ihre Toten ehrt, damit spricht sie über sich ein unmißverständliches Urteil. Und darum wissen wir auch: Es kann nicht gut sein, wenn irgendwo in den Lebenden auch die Toten geschmäht werden. Wo man die Treue preist, da legt Wort und Werk Zeugnis ab von der Echtheit, von dem inneren Gehalt der Treue. Darum laßt uns der Treue keine überschwänglichen Worte leihen, und auch was wir tun, das sei, wie die Tafel außen, nur ein schlichter Ausdruck dessen, was uns im Herzen lebt. Unsere Treue sei die Treue, die demütig und fromm sich Gott zu nähern müht und ihn bittet: Ja, Herr, „übe Du Liebe und Treue"! In Liebe und Treue vergilt denen, die das Werk gefördert, das ein Werk der Liebe und Treue sein will. In Liebe und Treue stehe denen bei, die vom Schmerz beladen sind; in Liebe und Treue stehe bei den Müttern, die ihrer Söhne gedenken, die sie im Schmerz geboren, in Liebe großgezogen: stehe bei den Vätern, die ihre Hoffnung und Freude verloren, stehe bei den Frauen und Kindern, die des Führers und Ernährers beraubt sind, hilf Du ihnen, den Kampf des Lebens mit ihrer schwachen Kraft zu bestehen. Liebe und Treue aber vergilt dem Andenken derer, die nach Deinem Entschluß eingegangen sind in Deine ewige Ruhe. Laß sie nach des Lebens Kampf bei Dir selige Vollendung schauen und gib ihnen Ruhe und Frieden. Uns allen aber, gib Deinen Trost und Deinen Segen, daß wir die Kraft Deiner Treue fühlen. „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir Licht." Amen. Auch als man aus den Hullen des Tempels sodann hinausschritt in die Tageshelle vor die zu enthüllende Ehrentafel, ging von der gewaltigen Feierlichkeit des Augenblicks nichts verloren. Mit eindrucksvollen, von berechtigtem Selbstbewußtsein getragenen Worten übergab Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner, als Vorsitzender der Ortsgruppe München des Frontbundes, die von diesem Bund gestiftete Tafel der Obhut der Kultusgemeinde. Im Namen der Gemeinde ließ Geheimrat Professor Dr. F ranke n b u r g e r die Enthüllung der Tafel vornehmen, um sie sodann in die Obhut der Gemeinde unter dem Versprechen der würdigen Erhaltung zu übernehmen. Der Redner fuhr fort: Dieses Mal erinnere jeden, den fein Weg an diesem ehrwürdigen Gotteshaus vorüberführt, an das Gebot der Gefallenen, Treue und Einigkeit zu bewahren. Denn sie haben bis zum letzten Atemzuge ihre Treue dem ganzen Deutschland und der großen deutschen Nation bewiesen. Sie haben gemeinsam mit ihren Kameraden ohne Unterschied des Standes und des Glaubens gegen den übermächtigen Feind gekämpft, haben den heimischen Boden geschützt, zeigen durch ihr Vorbild, was Einigkeit vermag.