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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1936-01-01 · 1936 · page 30

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1936
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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IRI
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I. Einleitendes. Das Talmudstudium stand im Zentrum der literarischen Tätigkeit der Juden in Frankreich und in Deutschland von der Mitte des 10. bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts und bestimmte das Wesen der anderen Literaturzweige — methodisch und inhaltlich —, der Bibelexegese, der Polemik und der synagogalen Dichtung. Die erste Epoche, ungefähr von 950 bis 1100, war hoch ganz und gar mit dem Schaffen eines Talmud-Kommentars beschäftigt. Eine Tätigkeit, der schon viele Ge’onim, die Lehrer Nordafrikas, Nissim und Hanan’el, der Italiener, Nathan B. Jehi’el, jeder auf seine Weise, ihre Studien gewidmet hatten und welche die Geisteskräfte des Gerschom Me’or haGola und seiner Schüler absorbierte. Sie wurde zum Abschluß gebracht durch den Kommentar Raschis. Dieser erschloß den Talmud der breiten Öffentlichkeit. Er führt nämlich gleich in die verschlungenen Gänge des talmudischen Labyrinths hinein und begnügt sich nicht mit einer Darstellung der talmudischen Diskussion, worauf sich die meisten bisherigen Talmuderklärer beschränkt hatten. Die ausgezeichnete Sprache und Diktion dieses Kommentars ermöglichten es auch dem wenig Eingeweihten ohne große Anstrengung ein leichtes Verständnis des talmudischen Textes und öffneten dem Talmudstudium ganz neue Horizonte. Talmudkundige hörten auf, eine seltene Erscheinung zu sein. In kurzer Zeit wurden Deutschland und Nordfrankreich mit Talmudschulen besät, in denen ein geistiges Leben herrschte, wie es früher nur in der amoräischen Zeit anzutreffen war. Die literarische Aktivität dauerte bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts, in dem die politischen Verhältnisse — die Vertreibung der Juden aus Frankreich und die Verschlimmerung der Situation in Deutschland — auch auf geistigem Gebiete sich auszuwirken beginnen. Unter den vielen Werken der Epoche, von 1100 bis 1300, welche die Ergebnisse eifriger Studien enthalten, nehmen die Tossafot eine zentrale Stellung ein. Der Titel bedeutet ״Zusätze“. Eine Beraita-Sammlung trägt diesen Namen1 und in der gaonäischen Zeit wird er im allgemeinen für Midraschim gebraucht2. Was bezeichnet der Titel in unserem Falle? Haben wir es mit Zusätzen zu bereits existierenden Kommentaren zu tun? Sind die Tossafot ein Kommentar oder gar eine Dezisionssammlung? 1 Vgl. J. Lewy, Wörterbuch über die Taknudim und Midraschim s. v. 2 Vgl. Ginzberg, Geonica I, S. 48 und Lewy daselbst.

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